Dienstag, 23. Januar 2018

Dreht größter US-Gläubiger den Geldhahn zu? China weist Schuldenkönig Trump in die Schranken

Trump, Xi Jinping (beim Staatsbesuch im November 2017): Don´t mess with your banker

"America first" - oder doch nicht? US-Präsident Donald Trump sieht die USA als einzig verbleibende Supermacht - und wettert regelmäßig gegen die vermeintlich unfaire und aggressive Wirtschaftspolitik Chinas. Großspurig hat Trump dem Reich der Mitte den wirtschaftspolitischen Kampf angesagt - und die Tatsache ausgeblendet, dass China seit Jahren der größte Gläubiger und wichtigste Finanzier der USA ist.

Es ist grundsätzlich heikel, seinem Finanzier zu drohen - und dies umso mehr, da Trump die Verschuldung der USA durch seine Steuerreform auf neue Höhen treiben wird. Mit der immensen Schuldenlast wächst die Abhängigkeit der USA von seinen Geldgebern, und dies hat China Trump jetzt spüren lassen.

Am Mittwoch zeigte schon ein bloßes Gerücht aus Peking, wie abhängig die USA von China ist. Denn der größte Gläubiger der USA droht laut Insidern, sich als Geldgeber von seinem Hauptschuldner abzuwenden.

Vertreter der chinesischen Führung hätten empfohlen, die Käufe von US-Staatspapieren zu verringern oder gar zu stoppen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Bezug auf mit der Sache vertraute Personen. Die Empfehlung habe auch mit den handelspolitischen Spannungen mit den USA zu tun.

Dollar knickt ein, Renditen für US-Bonds schießen in die Höhe

Obwohl völlig unklar ist, wer genau den Ratschlag ausgesprochen hatte, geschweige denn, ob er auch tatsächlich umgesetzt wird, waren die Reaktionen an den Finanzmärkten stark. Der US-Dollar wurde deutlich geschwächt und trieb den Euro in die Höhe. Die Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen kletterte auf den höchsten Stand seit März 2017. Eine höhere Rendite im freien Handel bedeutet tendenziell, dass die Schuldenaufnahme für den jeweiligen Staat teurer wird - also keine gute Nachricht für das Weiße Haus.

Dass schon ein Gerücht so heftige Reaktionen auslösen kann, liegt an der enormen Bedeutung, die China als Gläubiger der USA hat. Mit seinen gigantischen Devisenreserven finanzieren die Chinesen zu einem erheblichen Teil das Leben der Amerikaner auf Pump.

Leben auf Pump: Die USA schulden China 1,2 Billionen Dollar

Chinesische Gläubiger halten aktuellen Zahlen des US-Finanzministeriums zufolge knapp 1,2 Billionen Dollar an amerikanischen Staatsanleihen und weiteren US-Papieren. Kein anderes Land der Welt bringt es auf mehr.

Die enorme Summe hat sich über Jahrzehnte angesammelt, weil China permanent mehr in die USA exportiert als es von dort aus importiert. Die Einnahmen aus den Exporten legen die Chinesen zum Großteil in den USA an, denn die Geldanlage dort wird als sicher angesehen und der Dollar gilt als stabile Weltleitwährung.

Erwägen die Chinesen nun, ihre Machtposition als Gläubiger auszunutzen, um Druck auf die USA auszuüben? Das Gerücht vom Mittwoch könnte in diese Richtung interpretiert werden. Doch es gibt auch rein rationale Gründe für die Chinesen, die Vorsicht gebieten lassen. In den Augen der chinesischen Offiziellen haben die US-Papiere laut dem Bloomberg-Bericht schlicht an Attraktivität verloren.

Deutliche Ausweitung der US-Staatsverschuldung

Denn derzeit drohen gleich zwei Faktoren, für Druck auf den US-Anleihemarkt zu sorgen. Einerseits steuern die USA vor allem wegen Trumps Steuerreform auf eine deutliche Ausweitung der Staatsverschuldung zu. Dies würde das Angebot an US-Papieren erhöhen und dadurch tendenziell deren Wert senken. Zum anderen reduziert die US-Notenbank Fed seit dem Herbst Stück für Stück den gigantischen Berg an US-Anleihen, den sie zur Abschwächung der Krisenfolgen über Jahre angehäuft hatte. Dadurch sorgt sie ebenfalls für ein zusätzliches Angebot. Alles dies könnte die Zinsen auf US-Staatspapiere steigen lassen, was den Wert bestehender Papiere verringern würde.

Sollten sich die Chinesen nun tatsächlich aufgrund der Furcht vor einem Wertverfall von US-Anleihen abwenden, gäbe es die Gefahr einer sich selbst verwirklichenden Prophezeiung oder gar einer Abwärtsspirale, weil auch weitere US-Gläubiger betroffen wären und abspringen könnten. Auch deshalb wird an den Finanzmärkten schon das leiseste Gerücht bei diesem Thema ernst genommen. Sollte China ernst machen, könnte dies die US-Renditen deutlich nach oben treiben, warnt Craig Erlam, Experte beim Finanzdienstleister Oanda.

Welchen Effekt dies auf deutsche Staatspapiere hätte, bleibt unterdessen unklar. Am Mittwoch gab es zunächst keine klare Reaktion am deutschen Anleihemarkt. Wenn Anleger nach Alternativen zu US-Papieren suchten, dann kämen sie schwer um deutsche Anleihen herum, meint Michael Leister, Experte bei der Commerzbank. Der Wert deutscher Papiere könnte also durch die Verunsicherung am US-Rentenmarkt sogar steigen. Zudem käme Deutschland ein Wertverfall bei US-Papieren zumindest direkt weit weniger teuer zu stehen als anderen Ländern. Mit Forderungen gegenüber den USA von knapp 73 Milliarden Dollar belegen die Deutschen auf der Liste der weltweiten US-Gläubiger gerade einmal Platz 19.

la/dpa

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