Samstag, 23. März 2019

Welthandel, Internet, Aufrüstung Drei Botschaften aus China

Chinas Präsident Xi Jinping (mittig, in grün) auf dem Zerstörer Changsha

Was war das für eine Woche in China. Drei Top-Ereignisse gleichzeitig. Da konnte selbst der omnipräsente Staats- und Parteichef Xi Jinping nicht überall dabei sein. Am Montag eröffnete er noch leibhaftig die China International Import Expo (CIIE) in Shanghai, die am Dienstag in Zhuhai gestartete Luftfahrtschau schenkte er sich und am Mittwoch zum Beginn der World-Internet-Konferenz in Wuzhen wurde nur ein Brief von ihm verlesen.

So unterschiedlich die drei Mega-Veranstaltungen waren, von jeder ging jeweils eine wichtige Botschaft an den Rest der Welt aus:

Wolfgang Hirn
Chinas Bosse: Unsere unbekannten Konkurrenten

Campus Verlag, 284 Seiten, gebunden, Februar 2018, 26.00 Euro

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"Wir sind ein offenes Land - im Prinzip": Die China International Import Expo war als ein gjgantisches Spektakel inszeniert. So was können die Chinesen. Mit der CIIE wollte Chinas Führung der Welt demonstrieren, wie offen sie für Importe und Investitionen sind. Über 3000 Aussteller aus 130 Ländern stellten ihre Waren aus - von Schokolade bis Drohnen. Solche Allerweltsmessen sind eigentlich von gestern, aber wenn Beijing ruft, kommen sie alle, auch die vielen deutschen Firmen - rund 170 waren es. Nur hinter vorgehaltener Hand mokierten sich deshalb die Vertreter über diese eigentlich unnütze Messe und meckerten über die hohen Kosten des Auftritts. Aber man will sich ja nicht mit Beijing verscherzen, denn viele Firmen sind inzwischen vom chinesischen Markt abhängig. Xi Jinping hielt seine übliche Davos-Rede über die Segnungen des freien Handels, die Europäische Handelskammer reagierte mit der Standardkritik, dass den Worten keine bzw. wenige Taten folgen.

"Unser Internet bleibt eine geschlossene Veranstaltung": Die World Internet Konferenz fand bereits zum fünften Male in der unbekannten Kleinstadt Wuzhen statt. Waren in den vergangenen Jahren noch die Big Bosse wie Tim Cook (Apple) oder Sundar Pichai (Google) da, so schickten dieses Mal Amazon, Facebook, Google & Co. nur die zweite Garde. Im Gegensatz dazu waren die beiden chinesischen Giganten Alibaba und Tencent durch ihre Chefs Jack Ma und Pony Ma vertreten und glänzten mit Erfolgszahlen. Die Parteikader wiederholten immer wieder den von Xi Jinping geprägten Begriff der "Internet-Souveränität", will heißen: Wer hier online reüssieren will, muss nach unseren Regeln spielen. So wird es wohl - wie kürzlich Ex-Google-Chef Eric Schmidt prognostizierte - auf eine zweigeteilte Internetwelt hinauslaufen: hier die Amerkaner, dort die Chinesen.

"Wir rüsten weiter auf": Die alljährliche Airshow in Zhuhai unweit Hongkongs ist eine der weltweit größten Messen für militärische Fluggeräte aller Art. Sie ist der einzige Ort und Termin, an dem die Chinesen der Öffentlichkeit präsentieren, was sie in den vergangenen Monaten und Jahren im stillen Rüstungskämmerlein entwickelt haben. Dieses Jahr überraschten sie mit zwei neuen taktischen Waffensystemen, dem Radarsystem 609 und der CM-401 Anti-Schiffsrakete. Sie zielen beide darauf, potentielle Eindringlinge - und damit meinen die Chinesen vor allem die Amerikaner - frühzeitig vom Südchinesischen Meer, ihrem mare nostrum, fernzuhalten.

Drei Messen, drei Botschaften, eine Linie: Wir sind stark und wir bestimmen die Regeln.

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