Samstag, 25. Juni 2016

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Lehren aus dem China-Crash Weltwirtschaft am Wendepunkt - aber kein Grund zur Panik

Die Märkte haben das Vertrauen in die chinesische Regierung verloren - die Chinesen selbst offenbar auch. Kurzfristig könnte sich das Börsenbeben daher fortsetzen. Langfristig ist die Ansteckungsgefahr für die Weltwirtschaft aber nicht so groß, wie uns Panikmacher glauben machen wollen.

Bis zum vergangenen Sommer schien alles normal zu sein. Obwohl gerade wir Deutschen immer wieder große Zweifel an Chinas Wirtschaft hatten, entwickelten sich das Land und die Region über viele Jahre prächtig - zunächst als verlängerte Werkbank der Industrienationen, dann als Produzent von Massenartikeln und nun als moderne eigenständige Industrienation. Damit einher ging ein Investitionsboom aus dem Ausland, Investitionen in Infrastruktur, Bildung, IT und Forschung ermöglichten einen einzigartigen Aufstieg. Heute ist das Reich der Mitte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, mit jahrelangen Wachstumsraten im Bereich von zehn Prozent und mehr.

Für die westliche Welt war das ein Glücksfaktor: Das hausgemachte Wachstum der Volkswirtschaften stotterte, und so kam es allen entgegen, sich neue Absatzmärkte zu erschließen und in diesen Niedriglohnländern billig produzieren zu können. Enorme Investitionen flossen in die Schwellenländer - nicht unbedingt immer effizient.

Die Weltwirtschaft profitierte einerseits vom Aufblühen der Schwellenländer, und die Industrieländer wurden andererseits durch die Nullzinspolitik der Zentralbanken am Leben erhalten. Allerdings führte beides zu enormen Blasen.

Klaus Martini
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    Mathis Beutel
    Klaus Martini leitete viele Jahre die europäischen Aktienfonds der DWS, war der oberste Vermögens-verwalter der Deutschen Bank und Vorstand der Bank Wilhelm Finck. Seit März 2015 ist er Mitglied der Geschäftsleitung bei Plückthun Asset Management.
In der Vergangenheit haben niedrige (Zentralbank-)Zinsen meist den Transmissionsriemen der Kreditschöpfung in Gang gesetzt und somit Wirtschaftswachstum generiert. Nun war aber in den entwickelten Ländern die Kreditnachfrage der Unternehmen gering. Außerdem verlagerten die traditionellen und investitionsintensiven Industrien ihre Standorte in die Schwellenländer.

Wo floss das billige Geld hin? Zum einen in vermeintlich billige Assets: Die globalen Aktienmärkte stiegen - wenn auch unter kräftigen Schwankungen - zu neuen Höchstständen. Die Preise für Immobilien in attraktiven Lagen erreichten Niveaus, die kaum noch Mietrendite erwarten ließen. Auch für die schönen Dinge des Lebens, die keine laufende Rendite bringen, wie Oldtimer oder Kunst, zahlten Liebhaber astronomische Preise. Zum anderen floss das im Überfluss vorhandene billige Geld in vermeintlich sichere Zinsanlagen. Die Renditen für jede Art von Anleihen fielen auf historische Niedrigstände und machten es den langfristigen Anlegern schwer, ihre Zielrenditen einzuhalten. Die Jagd auf Rendite war eröffnet, mit der Konsequenz, dass viele Risiken heute völlig falsch gepreist sind.

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