Freitag, 17. August 2018

Brexit schwächt Wirtschaft Britische Industrieproduktion bricht überraschend ein

Brexit-Gegner bekommen von der Konjunktur gerade wieder neue Argumente

Kurz vor der entscheidenden Brexit-Abstimmung im Parlament zeigt sich noch einmal die große Unsicherheit, die der geplante Ausstieg für Wirtschaft und Jobs mit sich bringt. Die Industrieproduktion sank im April den zweiten Monat in Folge - und damit so stark wie seit Oktober 2012 nicht mehr.

Die britische Industrie bekommt den nahenden Brexit zu spüren. Die Produktion des verarbeitenden Gewerbes ließ im April um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat nach, teilte das britische Statistikamt ONS am Montag mit. Das ist der stärkste Rückgang seit Oktober 2012. Experten hatten ein Plus von 0,3 Prozent erwartet, nachdem die Firmen die Fertigung im März bereits um 0,1 Prozent zurückgefahren hatten.

Die Wirtschaft auf der Insel lahmt. Der für Ende März 2019 geplante Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union sorgt für wirtschaftliche Unsicherheit. Seit dem Brexit-Votum im Sommer 2016 ist das Britische Pfund auf Talfahrt. Dadurch verteuern sich Importgüter, was an der Kaufkraft der Briten zehrt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Januar bis März nur noch um 0,1 Prozent zu.

Die Abgeordneten im britischen Unterhaus werden die jüngsten Schwächesignale der britischen Wirtschaft mit Sorge zur Kenntnis nehmen. Sie stehen am Dienstag und Mittwoch vor entscheidenden Brexit-Abstimmungen. Im Schnelldurchlauf will die Regierung dann 14 von 15 Zusätzen zum EU-Austrittsgesetz rückgängig machen, die das Oberhaus in den vergangenen Wochen angefügt hatte.

Dabei geht es etwa um die Mitgliedschaft Großbritanniens in einer Zollunion mit der EU, den gemeinsamen Binnenmarkt und der Rolle des Parlaments bei den Scheidungsverhandlungen. Sollten die Änderungen der Lords bestehen bleiben, befürchten Brexit-Hardliner, dass der EU-Austritt nie wirklich stattfindet.

Theresa May vor entscheidender Machtprobe

Premierministerin Theresa May steht damit vor einer entscheidenden Machtprobe. Sorgen machen der Regierungschefin EU-freundliche Rebellen in den eigenen Reihen, die mehrere der Zusätze unterstützen könnten. May hatte ihre Partei eindringlich gemahnt, sich geschlossen an das Votum des Volkes zum Austritt aus der Europäische Union halten.

"Wir werden die Kontrolle über unser Geld, unsere Gesetze und unsere Grenzen zurückgewinnen", versicherte May in einer vorab verbreiteten Rede, die sie am Montagabend vor einer Gruppe einflussreicher konservativer Hinterbänkler halten wollte.

Seit der vorgezogenen Parlamentswahl im vergangenen Jahr regiert May mit einer hauchdünnen Mehrheit von nur wenigen Stimmen. Schon wenige Abweichler aus den eigenen Reihen können ihr eine Niederlage zufügen.

cs /dpa-afx/Reuters

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