Freitag, 22. März 2019

Aufgepumpte Finanzmärkte Das Alarmsignal der Ober-Notenbanker

In diesem Turm herrscht Vernunft: Sitz der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel.

3. Teil: ...und wie sie platzt

Margin Call

Das funktioniert aber nur so lange, wie die Papiere im Wert steigen und der Kreditgeber keinen Nachschuss auf das Eigenkapital ("Margin Call") verlangt. Die Crashgefahr in den Märkten steigt, sobald die Finanzierungskosten über der Wertsteigerung des auf Kredit gekauften Gutes liegen. Da die Wertsteigerung mit zunehmender Verschuldung und damit erfolgter Nachfrage abnehmen muss, ist es nur eine Frage der Zeit, bis dieser Punkt eintritt.

Dann geht es aber nicht in einem langsamen und geordneten Prozess bergab. Die Wirkung des Leverages dreht sich nämlich um. Steigt der Wert aller Aktien/Immobilien/Kunstwerke et cetera mit einer einzigen Transaktion zu einem höheren Preis, so sinkt auch der Preis aller Assets, sobald eine einzige Transaktion zu einem tieferen Preis vollzogen wird. Aufgrund der Schulden und des deshalb drohenden oder tatsächlich eintretenden "Margin Calls" durch die Kreditgeber, die um ihre eigene Existenz fürchten müssen - man denke an die Eigenkapitalquoten der Banken, die nun wahrlich wenig Puffer bieten - kommt es zu einer Flucht aus den Märkten. Preise, die über Jahrzehnte kontinuierlich und mit geringen Schwankungen gestiegen sind, gehen in den Sturzflug über.

Der berühmte Crash ist nur denkbar in Märkten, in denen mit viel Kredit gearbeitet wird. Dass die BIZ nun erneut davor warnt, zeigt, wie weit wir es in den letzten Jahrzehnten getrieben haben.

Nicht ob, nur wann

Damit ist es nicht eine Frage, ob es zur nächsten Krise kommt, sondern wann. Märkte, die bei geringster Volatilität, trotz gemischter realwirtschaftlicher Daten auf rekordhohen Bewertungsniveaus notieren, sind anfällig für Störung jeglicher Art. Das trifft gerade auf die USA zu. Bricht das Vertrauen, kommt es zum Crash. Genau dasselbe hätte man allerdings auch 1997 schreiben können, als der damalige US-Notenbankpräsident Alan Greenspan vor der "irrational excuberance" warnte. Bekanntlich ging die Party dann erst richtig los, bevor sie zweieinhalb Jahre später bitter endete.

Genauso könnte es auch diesmal sein. Skeptisch stimmt, dass der weltweite "Kreditimpuls", also die Wachstumsrate der Neu-Kredite rückläufig ist. Noch immer war das der sichere Vorbote für Turbulenzen an den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft.

Die Reaktion der Notenbanken und Politiker auf eine erneute Krise dürfte dieselbe sein wie bisher. Mit noch mehr Geld würde man versuchen, dass System doch noch eine Runde weiterzubekommen: Negativzinsen, Bargeldverbote und Helikoptergeld werden die Stichworte sein, mit denen uns die endgültige Rettung versprochen wird, mag die BIZ auch noch so laut warnen.

Freiwillig wird es nicht zu einer Abkehr von diesem Irrweg kommen. Erst wenn das Geldsystem völlig zerrüttet ist, dürfen wir auf einen Neuanfang hoffen. Das wahrhaft Alarmierende ist jedoch: Die Politiker werden wie immer jede Schuld von sich weisen und von "Marktversagen" sprechen, um uns noch mehr in Richtung Staatswirtschaft zu treiben. Dabei ist die Krise in Wahrheit die Folge einer staatlich verordneten Manipulation des wichtigsten Preises überhaupt: des Zinses.

Daniel Stelter ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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