Samstag, 16. Dezember 2017

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Energiehungriges Kryptogeld Bitcoin verbraucht mehr Strom als Marokko

Solarkraftwerk in Marokko

Diese Information veraltet schnell. Auf 29,52 Terawattstunden pro Jahr beziffert der "Bitcoin Energy Consumption Index" den Stromverbrauch, den die "Schürfer" der Digitalwährung Bitcoin einschließlich der Abspaltung Bitcoin Cash mit ihren Rechnern verursachen. So war jedenfalls der letzte verfügbare Stand am Mittwoch. Vor einem Monat, als die Bitcoin-Informationsplattform Digiconomist ihren Index begann, lag der Wert noch bei 22,7 Terawattstunden. So wild der Preis auf und ab schwankt - die Kurve des Energieverbrauchs zeigt einigermaßen stetig nach oben.

Der wachsende Energiehunger ist konstruktionsbedingt. Der Bitcoin-Code sorgt bewusst für knappes Geld, weil es immer schwieriger bis schließlich unmöglich wird, neue Bitcoins zu schaffen. Das digitale Geld entsteht, indem die "Schürfer" Transaktionen verifizieren. Dafür müssen sie gleich die gesamte Kette aller bisherigen Bitcoin-Transaktionen ("Blockchain") dokumentieren.

Damit steigt zwangsläufig der Rechenaufwand - und infolgedessen auch der Stromverbrauch der riesigen Server-Farmen, solange die Prozessoren nicht effizienter werden. Das geschieht jedoch nicht ständig. Der Großteil der Bitcoin-Produktion läuft bereits mit der neuesten Technik, die Hersteller von Grafikchips berichten von einem realen Boom infolge des digitalen Goldrauschs.

Belohnt werden die Betreiber der Rechner mit neuen Bitcoins. Weil deren Preis Börsen-Chart zeigen steigt, lohnt es sich auch in die Infrastruktur zu investieren, wenn die Stromkosten steigen - allerdings sind die meisten Schürfer dort, wo Strom besonders billig ist: In der Nähe der chinesischen Kohlekraftwerke in der Inneren Mongolei oder der Wasserkraftwerke in der Südprovinz Sichuan.

Falls die Schätzung von Digiconomist zutrifft, übertrifft der Stromverbrauch der Bitcoin-Schürfer bereits den ganzer 159 Volkswirtschaften, darunter auch Mittelschwergewichte wie Nigeria (24 Terawattstunden pro Jahr) Irland (25 Terawattstunden) oder Marokko (29 Terawattstunden). Andere Kryptowährungen sind darin noch nicht enthalten. Den größten Rivalen Ethereum schätzt Digiconomics auf etwas mehr als 10 Terawattstunden.

Deutschland ist mit 533 Terawattstunden noch um einiges voraus. Doch laut den Prognosen von Digiconomics dürfte Bitcoin im Februar 2020 die gesamte Weltstromproduktion abnehmen. Wie das gehen soll, verrät der Bitcoin-Code nicht.

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