Montag, 20. November 2017

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Bitcoin und die Alternativen der Zentralbanken Wie digitales Geld smarter wird

So genannte Block Erupter: Bitcoin-"Schürfwerkzeug" für die Geldschöpfung zu Hause

Schnell reich werden - wer diesem Traum anhängt, hatte zuletzt mit digitalen Währungen eine gute Wahl. Ein Bitcoin, vor einem Jahr für 500 Euro gekauft, notiert heute an den einschlägigen Börsen mit Kursen um 2500 Euro. Noch plötzlicher ist Ether, die Geldeinheit des Ethereum-Netzwerks, seit Jahresbeginn von weniger als 10 auf mehr als 300 Euro gesprungen. Märchenhafte Renditen, noch gewürzt mit dem Gefühl, zur digitalen Avantgarde zu gehören.

Das Dumme daran: Um den Reichtum auch zu genießen, muss man das digitale Geld in aller Regel doch wieder in Euro oder Dollar umtauschen. Denn sein Nutzen als Zahlungsmittel ist arg begrenzt.

Zum einen, weil nur wenige Händler in der echten Welt, ob analog oder digital, überhaupt Bitcoin gegen Ware akzeptieren - und von denen auch etliche wieder abgesprungen sind. Zum anderen aber auch, weil mit zunehmender Komplexität der in jeder Transaktion aufzurufenden Datensammlung der Rechenaufwand und die nötige Zeit steigen. Eine Zahlung zu bestätigen, kann Stunden oder gar Tage dauern.

Und nicht zuletzt, weil das irre Auf und Ab der Preise eine Kalkulation unmöglich macht. Ethereum erlitt am Mittwoch einen "Flash Crash", in dem der Ether-Preis kurzzeitig fast auf null einbrach, sich dann aber rasch wieder erholte. Von den zahlreichen Betrugsfällen und Zusammenbrüchen in der jungen Bitcoin-Geschichte ganz zu schweigen.

Je erfolgreicher, desto unbrauchbarer

Das Paradox: Je erfolgreicher die Kryptowährungen als digitales Gold - man könnte auch sagen, als rein spekulatives Investment - sind, desto weniger eignen sie sich als Alternative zu herkömmlichem Geld im Alltag. Die Preise müssen einigermaßen stabil sein, um abschätzen zu können, was der Brötchenkauf, der Tankstopp oder gar der Wohnungskauf für die Haushaltskasse bedeuten. Bei Euro oder Dollar sorgen dafür die Zentralbanken.

Bitcoin, Ethereum und Co. halten stattdessen die Geldmenge stabil. Das ist von ihren Schöpfern so gewollt, als bewusstes Gegenmodell zu einer zentralen Instanz, die das Geldangebot der Nachfrage anpasst und so den Markt im Gleichgewicht hält.

Die hinter Bitcoin stehende Blockchain-Datenbank beispielsweise ist so designt, dass nie mehr als 21 Millionen Bitcoins geschaffen werden können. Aktuell sind bereits mehr als 16 Millionen in Umlauf, die Geldschöpfung wird immer langsamer - Grund genug dafür, dass Bitcoins teurer werden. Stabile Menge, flexibler Preis: das Gegenteil des etablierten Modells.

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