Dienstag, 12. Dezember 2017

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Rasant steigender Stromverbrauch für Kryptogeld Wie der Bitcoin-Boom die globale Energiewende bedroht

Kohlekraftwerk in China
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Kohlekraftwerk in China

2. Teil: Warum die Innere Mongolei das Standortrennen der Miner gewinnt

Verglichen mit handelsüblichen Zentralprozessoren aus dem Bitcoin-Gründungsjahr 2009 sind aktuelle ASICs sogar hundert Millionen Mal schneller. Würden für die jetzigen Bitcoin-Operationen noch die alten Maschinen benutzt, "würde jetzt schon viel mehr Strom benötigt als auf dem gesamten Planeten erzeugt wird", sagt der niederländische Computerwissenschaftler Harald Vranken.

Zwangsläufig ist ein immer größerer Stromverbrauch also nicht. Doch Moore's Law, der Fortschritt in der Effizienz der Prozessoren, hält bei weitem nicht mit der steigenden Komplexität der Blockchain-Rechnung Schritt.

Das lukrative Rennen der Bitcoin-Schürfer gewinnen die mit den stärksten und schnellsten Rechnern - und mit den geringsten Stromkosten. Das liefert den Grund, warum der Großteil des Mining in China stattfindet. Laut einer Studie der Universität Cambridge vom Frühjahr werden 59 Prozent der Bitcoins dort produziert. Aktuell tragen Mining Pools mit Sitz in China mindestens drei Viertel zur Verlängerung der Blockchain bei - wenngleich an manchen dieser Pools sich auch Rechner überall auf der Welt beteiligen können.

Die größten Minen betreiben Pools, an denen Bitmain beteiligt ist, praktischerweise zugleich der führende Hersteller von ASICs-Geräten namens Antminer, in der Inneren Mongolei. Vordergründig bietet sich die Wüstenprovinz nicht gerade an: Im Sommer wird es viel zu heiß, sodass die Geräte aufwändig gekühlt werden müssen, im Winter viel zu kalt, und die ganze Zeit ist es extrem staubig.

Einen unschlagbaren Vorteil hat die Region im Norden Chinas jedoch: reichlich Kohlekraftwerke mit derzeit überschüssiger Kapazität. Laut verschiedenen Berichten von Journalisten, die Bitmains Einrichtungen im August besuchen durften, subventioniert die Provinzregierung den Kohlestrom, sodass die Miner nur 4 Cent pro Kilowattstunde zahlen müssen. Das, zusammen mit dem Zugang zur überlegenen Hardware, schlägt alle anderen Faktoren.

Alex de Vries schätzt aufgrund der bekannten Daten, dass jeder in der Inneren Mongolei geschürfte Bitcoin mit einem Ausstoß von 8 bis 13 Tonnen CO2 produziert wird. Weil seit August der Schwierigkeitsgrad der Bitcoin-Blockchain erheblich gestiegen ist, zugleich aber keine neue, effizientere Prozessorengeneration zum Einsatz kam, dürfte sich die Klimabilanz seitdem noch dramatisch verschlechtert haben.

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