Freitag, 26. August 2016

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Ersparnisse und Schulden Bargeldverbot als Ultima Ratio

"Gedruckte Freiheit": Bargeld erlaubt ein gewisses Maß an Privatheit, denn nicht alles, was wir tun, geht den Staat, die Banken und das Internet etwas an. Es ist eine Forderung gegen die Notenbank und damit von deutlich besserer Bonität als die Forderung gegen meine Bank

Wenn es ernst wird, greifen die Mächtigen zu drastischen Mitteln. Am 5. April 1933 unterzeichnete US-Präsident Franklin D. Roosevelt die Executive Order 6102, die den privaten Goldbesitz in den USA per 1. Mai 1933 verbot. Jeder, der mehr als fünf Unzen Gold besaß, musste dieses unter Androhung erheblicher Strafen innerhalb von 14 Tagen bei staatlichen Stellen abliefern. Die Entschädigung war gering, vor allem verglichen mit der kurz darauf erfolgenden Abwertung des US-Dollars gegenüber Gold.

Ziel der Aktion war, den Abfluss von Gold in das Ausland zu stoppen, vor allem aber die Bekämpfung der wirtschaftlichen Depression. Die Abwertung des Dollars gegenüber Gold war faktisch eine Entwertung des Geldes und ein wichtiger Baustein von Roosevelts New Deal, dem Programm zur Konjunkturbelebung mit dem Ziel die USA aus der Großen Depression als Folge des Schuldenbooms der 1920er Jahre zu befreien.

Auch heute ist es wieder ernst. Als ob es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Regierungen und Notenbanken der Welt in der Bewältigung der Schuldenkrise mit ihrem Latein am Ende sind. Hier ist er: das Verbot von Bargeld wird offen gefordert. Gold spielt in unserem heutigen Geldsystem keine Rolle mehr. Bargeld hingegen bietet noch die Möglichkeit aus dem überwiegend von Banken gesteuerten Geldwesen zu flüchten.

Daniel Stelter
Schulden außer Kontrolle

Der überwiegende Teil des Geldes, mit dem wir jeden Tag bezahlen, wird nicht von den Zentralbanken geschaffen, sondern von den privaten Geschäftsbanken. Diese schaffen das Geld, indem sie - hoffentlich gegen Sicherheiten guter Qualität - Kredite gewähren, die wiederum zu Sichteinlagen bei Banken führen. Das Geld, welches Sie auf ihrem Bankkonto haben, ist lediglich eine Forderung gegen die Bank - und einem entsprechenden Risiko ausgesetzt. Es ist damit schlechteres Geld als der 50-Euro-Schein in ihrem Portemonnaie, wobei auch dieser nur so gut ist wie die Qualität der Aktiva der Europäischen Zentralbank, die sich vor allem aus Staatsanleihen und Krediten an Banken und den dafür hinterlegten Sicherheiten zusammensetzen.

In den letzten Jahrzehnten haben die Banken der Welt von der Möglichkeit, Kredite zu vergeben, reichlich Gebrauch gemacht. Zwischen 1980 und 2010 hat sich die Verschuldung in den Industrieländern relativ zum Bruttoinlandsprodukt mehr als verdoppelt.

Eine Tendenz, die sich weltweit ungebremst fortsetzt, wie McKinsey kürzlich vorgerechnet hat.

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Alleine seit 2007 stieg die weltweite Verschuldung demnach um fast 50 Billionen US-Dollar. Dieser Schuldenberg wäre schon längst in sich zusammengebrochen, wären die Zinsen nicht immer mehr gesunken. Banken und Notenbanken haben alles daran gesetzt, den Schuldnern beim Tragen ihrer Last zu helfen. Damit stabilisieren sie den Schuldenturm unten, befeuern zugleich jedoch den Bau weiterer Stockwerke. Geld kann heute gar nicht billig genug sein.

Die Mär vom Ersparnisüberhang

Der Ruf nach einem Verbot für Bargeld kam zunächst von anderer Seite. Gemäß dem ehemaligen US-Finanzminister und Harvard-Ökonomen Larry Summers leidet die Welt unter einem Ersparnisüberhang und drohe deshalb in eine "säkulare Stagnation" zu fallen.

Auf Jahrzehnte hinaus müssen wir uns demnach auf geringes Wachstum und zunehmende wirtschaftliche und soziale Probleme einstellen. Ursache dafür sei, dass in einigen Ländern wie China oder Deutschland die Menschen zu viel sparen, statt zu konsumieren oder zu investieren. Deshalb exportieren sie ihre Ersparnis ins Ausland und führen damit zu einem Überangebot an Sparkapital, für das es keine ausreichende Nachfrage gibt.

Es gibt - so die Argumentation - nicht genügend attraktive Investitionsprojekte, weshalb selbst Zinsen von Null nicht zu einer Belebung der Nachfrage führen. Notwendig wäre ein Ausgleich von Angebot und Nachfrage nach Kapital durch staatliche Konjunkturprogramme und negative Zinsen. Letztere würden Investitionen attraktiver machen, so die Hoffnung. Konsequenterweise war Summers dann auch einer der ersten, der die Forderung aufgestellt hat, Bargeld zu verbieten. Nur so lässt sich eine Flucht der Sparer vor der eigenen Enteignung verhindern.

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