Mittwoch, 22. August 2018

Ersparnisse und Schulden Bargeldverbot als Ultima Ratio

"Gedruckte Freiheit": Bargeld erlaubt ein gewisses Maß an Privatheit, denn nicht alles, was wir tun, geht den Staat, die Banken und das Internet etwas an. Es ist eine Forderung gegen die Notenbank und damit von deutlich besserer Bonität als die Forderung gegen meine Bank

2. Teil: Dreißig verlorene Jahre

Die Theorie vom Ersparnisüberhang steht auf ziemlich wackeligen Beinen. Zunächst vernachlässigen Summers und seine Mitstreiter die massiv gestiegene weltweite Verschuldung völlig. Zum anderen übersehen sie, dass die Ersparnisse nur das Spiegelbild der gestiegenen Schulden sind. Keine Ersparnis besteht ohne das Spiegelbild der Schuld. Folglich sind es die hohen Schulden, die das Wachstum drücken und damit eine säkulare Stagnation heraufbeschwören.

Die Annahme, dass man die Zinsen nur weit genug in den negativen Bereich drücken muss um Investitionen zu befeuern ist reichlich naiv. Unternehmen investieren, weil sich Projekte lohnen, nicht weil man ihnen Geld schenkt.

Vielmehr besteht die Gefahr von Fehlinvestitionen und Kapitalmarktblasen, die die nächste Krise nur noch schlimmer machen. Staatliche Schulden - und seien sie noch so günstig finanziert - müssen irgendwann auch einmal bedient oder zumindest umgeschuldet werden. Eine weitere Last für die ohnehin schon überschuldete nächste Generation.

Nur wenn wir es schaffen, den Schuldenüberhang aus der Welt zu schaffen, ist der Weg zu neuem Wachstum wieder frei. Doch danach sieht es nicht aus. Die Schulden wachsen ungebremst weiter und die Politik versucht verzweifelt, die nominale Wachstumsrate über den Nominalzins zu bekommen. Reales Wachstum ist angesichts von Schuldenlast, demnächst schrumpfenden Bevölkerungszahlen und rückläufigem Produktivitätszuwächsen nicht zu erwarten.

Inflation will sich allen Bemühungen der Notenbanken zum Trotz ebenfalls nicht einstellen, überwiegt doch der tendenziell deflationäre Druck der Schulden.

Bleibt nur, die Zinsen weit nach unten in den negativen Bereich zu drücken. Wie extrem wir dabei in den negativen Bereich gehen müssen, zeigt ein Blick auf die Nachkriegszeit in den USA. Über Jahre hinweg lag das Nominalwachstum um rund fünf Prozentpunkte über dem Nominalzins. Auf heute übersetzt bräuchte die Welt einen Negativzins von fast fünf Prozent! Und selbst dann würde die Verschuldung nur sinken, wenn keine neuen Schulden gemacht werden.

Wer will sich schon enteignen lassen?

Gute Gründe für Sparer aus dem System zu fliehen. Nicht nur drohen Negativzinsen und Kapitalverkehrsbeschränkungen. Auch die Gefahr, bei weiteren Bankkrisen wie in Zypern zur Kasse gebeten zu werden, spricht für geringe Forderungen gegen Banken. Anleihen bieten viel Risiko bei wenig Ertrag, Aktien sind nicht jedermanns Sache und zudem auch nicht mehr billig. Bleiben Gold und Bargeld als Alternativen. Ein Schrankfach bei der Bank gemietet und schon ist man Risiken und Negativzinsen los. Der Verlust ist jedenfalls nicht größer als bei den Alternativen.

So dachten auch einige Schweizer Pensionskassen. Die Schweiz ist uns dank der ungebremsten Nachfrage nach Franken und im Bemühen eine weitere Aufwertung zu verhindern auf dem Weg in den Negativbereich schon weit voraus. Doch als sie versuchten Geld abzuheben um es in einem Safe zu deponieren, wurde dies von der Bank verweigert, vermutlich auf Weisung der Schweizer Notenbank erzählt man sich.

Die Bedeutung dieses Eingriffs kann man gar nicht stark genug betonen. Die Bank hat also im Einklang mit der Notenbank den Zugriff auf das nur von der Zentralbank geschaffene Geld verweigert. Dabei steht hinter jedem Kontoguthaben das Versprechen, dieses jederzeit in Bargeld zu tauschen. Nun wissen wir alle, dass dies unmöglich ist und die Banken dieses Versprechen nie erfüllen könnten. Da wir aber wussten, dass es außerhalb von Bankenkrisen problemlos möglich ist, haben wir uns mit dem Geld zweiter Qualität zufrieden gegeben. Nun wissen wir alle, dass das Geld bei einer Bank eben nicht mit dem Euroschein in unserer Tasche vergleichbar ist. Es ist weniger Wert - weil risikobehaftet - und müsste eigentlich mit einem Abschlag zu Bargeld gehandelt werden.

Geld bei der Bank müsste gegenüber Bargeld mit einem Abschlag gehandelt werden

Genau so einen Abschlag plant die Schweizer Nationalbank jetzt einzuführen, doch mit umgekehrten Vorzeichen! Nicht das Kontoguthaben soll gegenüber dem Bargeld abgewertet werden (also so, dass man für 100 Euro die man auf ein Konto einzahlt 101 Euro gutgeschrieben bekommt) sondern das Bargeld gegenüber dem Konto.

Im Gespräch ist ein Umtauschkurs, wonach man bei der Einzahlung von Bargeld weniger gutgeschrieben bekommt. Zusätzlich sind weitere Restriktionen für Bargeld im Gespräch. Barzahlungen werden nur noch bis zu einer bestimmten Größenordnung zugelassen und wenn man größere Beiträge wieder einzahlen möchte, muss man nachweisen, dass es sich um exakt dieselben Scheine handelt, die man zuvor abgehoben hat.

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