Sonntag, 19. November 2017

Bank of England bekämpft Inflation Erste Zinserhöhung seit 10 Jahren

Britisches Pfund: Nach dem Brexit-Votum tauchte das Pfund gegenüber Euro und Dollar ab. Nun erhöht die Bank of England erstmals seit 1997 die Zinsen, um die Teuerung auf der Insel zu bremsen

In Großbritannien steigen erstmals seit zehn Jahren die Zinsen. Die Bank of England (BoE) entschied am Donnerstag, den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geldinstitute um einen Viertelpunkt auf 0,5 Prozent anzuheben. Die Entscheidung fiel mit sieben zu zwei Stimmen.

Die BoE hatte den Leitzins im August 2016 nach dem Brexit-Schock auf das historisch niedrige Niveau von 0,25 Prozent gesenkt.

Die Notenbank reagiert nun mit der leichten Zinserhöhung auf die stark anziehende Inflation auf der Insel, die an der Kaufkraft der Briten nagt. Seit dem EU-Austrittsvotum vom 23. Juni 2016 hat das Pfund deutlich abgewertet, was Importe verteuert und so die Preise anheizt.

Mittlerweile liegt die Teuerungsrate mit drei Prozent weit über der Zielmarke der BoE. Eine straffere Geldpolitik stärkt tendenziell die Währung und dämpft den Preisauftrieb.

"Inflationsdruck wird abnehmen"

"Diese Zinserhöhung ist vertretbar als Rücknahme der Zinssenkung nach dem Brexit-Referendum im Sommer 2016. Zwingend war der Schritt aber nicht, denn die britische Wirtschaft hat sich bereits abgeschwächt, und damit wird der binnenwirtschaftliche Inflationsdruck abnehmen", sagte Holger Sandte, Analyst bei der Nordea Bank. "Daher finde ich es unwahrscheinlich, dass daraus ein Zinserhöhungszyklus wird. Eher 'one and done'."

Thomas Gitzel von der VP Bank ergänzte: "Die Inflationsraten sind vor allem aufgrund der Schwäche des Pfund gestiegen. Ob allerdings der Wirtschaftsausblick einen Zinsschritt rechtfertigt, bleibt fraglich. Der Ausblick auf einen Austritt aus der EU wird die Unternehmensinvestitionen belasten. Die Konsumenten schrauben in Anbetracht gestiegener Preise für Importgüter bereits ohnehin ihre Ausgaben zurück. Sollte sich im Zuge der Verhandlungen gar herausstellen, dass das Königreich ohne neues Abkommen die EU verlassen wird, droht gar ein deutlicher Wirtschaftseinbruch."

In solch einem Umfeld die Zinsen anzuheben, sei ein gewagtes Manöver. "Die Unternehmen stehen in Anbetracht des EU-Austritts ohnehin vor grundlegenden Entscheidungen, ob sie die Insel verlassen. Eine Zinsanhebung in solch einem Umfeld ist deshalb durchaus kritisch zu beurteilen."

la/dpa/reuters

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