Montag, 30. Mai 2016

Obama besucht Argentiniens Präsident Macri Warum Argentinien der größte Hoffnungswert für die Weltwirtschaft ist

Zurück im Kreis der Elite: Mauricio Macri im Januar in Davos - als erster argentinischer Präsident seit 13 Jahren beim Weltwirtschaftsforum

Für Juan Luciano ist es ein Heimspiel. Der Chef von Archer Daniels Midland zählt zu den prominenten Rednern unter mehr als 1000 Managern, die sich am Rand des Staatsbesuchs von US-Präsident Barack Obama in Argentinien versammeln.

Luciano selbst ist Argentinier, unter seiner Führung hat der Agrarriese aus Chicago im vergangenen Jahr in ein neues Exportterminal für Getreide und Soja am Rio Paraná investiert - rechtzeitig zum überraschenden Wahlsieg des Konservativen Mauricio Macri, der prompt die Exportsteuern auf Agrargüter abschaffte und Kapitalkontrollen auch, was das Geschäft von ADM in Argentinien gleich viel profitabler machte. Luciano kann seinen Managerkollegen von einer Erfolgsgeschichte vorschwärmen, die Hoffnung auf weitere lukrative Investitionen macht.

Argentinien, über Jahre verschrien wegen der eigenwilligen Staatsführung, ist plötzlich Investor's Darling. Das Interesse der Konzerne ist noch größer als an der vorangegangenen historischen Visite Obamas in Kuba. Während der Besuch in Havanna der Versöhnung mit den störrischen Linken Lateinamerikas diente, kann die US-Elite in Buenos Aires die Rückkehr eines Verbündeten feiern - wenn auch verbunden mit einer Demutsgeste zum 40. Jahrestag des von den USA unterstützten Militärputsches.

Der Deal mit den Geierfonds muss noch durchs Parlament

Argentiniens Rechts-Wende sei "ungefähr die einzige gute Nachricht im Süden des Kontinents zurzeit", meint die Ökonomin Monica de Bolle vom Peterson Institute for International Economics in Washington. Der Bauunternehmer Macri mit seinem Manager-Kabinett habe in seinen ersten 100 Tagen nach dem knappen Wahlsieg im Dezember das ebenso knappe politische Kapital schnell für mutige, marktorientierte Reformen eingesetzt.

"Ermutigend" nennt auch IWF-Präsidentin Christine Lagarde den neuen Kurs Argentiniens. Besonders erleichtert zeigte sie sich über den Deal des Landes mit Hedgefonds, der einen jahrelangen Streit um den Bankrott der Vor-vor-vorgängerregierung beenden könnte.

Das Verhalten dieser von Macris Vorgängerin Cristina Fernandez als "Geierfonds" gebrandmarkten Spekulanten, die zu Lasten der Argentinier ebenso wie der meisten anderen Gläubiger nun Renditen von bis zu 2000 Prozent erwarten, stieß zwar auch in Washington nicht auf Sympathie. Aber Hauptsache, es kehrt bald Ruhe ein, der Staat kann sich wieder neues Geld am Kapitalmarkt leihen und die Wirtschaft in Gang halten.

Ob der Deal wirklich zustande kommt, hängt jetzt am Parlament, wo Fernandez' Anhänger vom linken peronistischen Lager immer noch eine satte Mehrheit haben, ebenso wie in den Provinzen. Ökonomin de Bolle setzt darauf, dass die Gouverneure Druck machen, den Deal mit den verhassten Geiern durchzuwinken, damit sie selbst wieder Anleihen aufnehmen können. Die Entscheidung fällt noch im April.

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