Montag, 10. Dezember 2018

Steuerreform bringt Milliarden für Aktionäre Aktienrückkauf statt Jobs - Trumps Reform geht nach hinten los

Donald Trump: US-Steuerreform nützt vor allem Konzernen und Aktionären

Geld für Aktionäre statt für neue Jobs: US-Unternehmen wollen nach der radikalen Steuerreform von Präsident Donald Trump so viele eigene Aktien zurückkaufen wie noch nie. Im Februar summierten sich die Ankündigungen der Firmen auf 153,7 Milliarden Dollar, nachdem es im Januar knapp 60 Milliarden waren, wie das auf solche Transaktionen spezialisierte Analysehaus TrimTabs mitteilte.

Der bisherige Rekord in einem Monat lag bei 133 Milliarden Dollar im April 2015. "Wenn dieses Tempo beibehalten wird, wird das Volumen in diesem Jahr die Summen aus allen anderen Jahren übertrumpfen", sagte TrimTabs-Analyst Winston Chua.

Der Kongress hatte im Dezember grünes Licht für die Reform gegeben, die unter anderem deutliche Steuersenkungen für Unternehmen vorsieht. Kritiker werfen Trump vor, von der Reform profitierten vor allem Reiche und Konzerne.

Unternehmen würden zusätzliche Gelder nicht für Investitionen nutzen, sondern Dividenden erhöhen und verstärkt Aktienrückkäufe tätigen, so der Einwand der Kritiker. Die Zahlen von TrimTabs scheinen diesen Trend zu bestätigen.

Cisco bringt Geld zurück in USA - und schüttet Großteil davon aus

Bereits vor zwei Wochen hatte der Netzwerk-Spezialist Cisco Börsen-Chart zeigen mitgeteilt, dass er nach der US-Steuerreform Geldreserven in Höhe von 67 Milliarden Dollar in die USA zurückbringen werde. Die Summe solle zu einem großen Teil an die Aktionäre ausgeschüttet werden, kündigte das Unternehmen an. So sollen 25 Milliarden Dollar in einen Aktienrückkauf fließen. Damit zeichnet sich immer mehr ab, dass die Reform zwar viele Milliarden an Auslandsgewinnen amerikanischer Firmen in die USA bringt - diese aber größtenteils nicht in die einheimische Produktion investiert werden.

Trump hatte damit geworben, durch die niedrigen Steuersätze würde Geld in die USA zurückgeholt und zusätzliche Jobs in Amerika geschaffen. Diese Rechnung scheint nicht aufzugehen, da das Großteil des repatriierten Geldes an die Aktionäre der Großkonzerne zurückfließt.

Nur noch 15 statt 35 Prozent Steuer

Bisher mussten auf die Auslandsgewinne erst Steuern bezahlt werden, wenn sie in die USA überwiesen wurden. Angesichts des bisherigen hohen Steuersatzes von 35 Prozent machten viele Unternehmen von der Möglichkeit Gebrauch, das Geld bis auf weiteres im Ausland zu lassen.

Nach der Reform wird auf die Reserven eine Abgabe von bis zu 15 Prozent fällig, selbst wenn sie im Ausland bleiben sollten. Cisco hatte zuletzt Geldreserven von rund 74 Milliarden Dollar, mehr als 70 Milliarden davon befanden sich außerhalb der USA.

Das Unternehmen mit den größten Reserven, Apple Börsen-Chart zeigen, will einen Großteil seines Auslands-Geldbergs von rund 250 Milliarden Dollar in die USA bringen. Auch der iPhone-Konzern deutete bereits an, dass man großzügig an die Aktionäre ausschütten werde.

la/dpa-afx

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