Montag, 21. August 2017

Gefecht in Ostukraine Ukraine meldet Angriff auf russische Armeefahrzeuge

Russischer Schützenpanzer in der Nähe der Grenze zur Ostukraine: Ein russischer Militärkonvoi hat in der Nacht die Grenze überschritten - und wurde offenbar von ukrainischen Truppen angegriffen

Die ukrainische Armee hat laut Angaben von Präsident Petro Poroschenko einen russischen Militärkonvoi auf ukrainischem Gebiet angegriffen und russische Militärfahrzeuge zerstört. Zuvor hatte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bestätigt, dass es "einen russischen Einmarsch" im Osten der Ukraine gegeben habe. Die Börsen knicken weltweit ein.

Kiew - Die ukrainische Armee hat nach eigenen Angaben die russische Militärkolonne weitgehend zerstört, die über die Grenze in den Osten der Ukraine vorgedrungen war. Die meisten Fahrzeuge der Kolonne seien in der Nacht zu Freitag von der ukrainischen Artillerie zerstört worden, teilte die ukrainische Präsidentschaft mit. Die Streitkräfte hatten zuvor bestätigt, dass am Donnerstagabend eine Kolonne russischer Truppentransporter und Militärlastwagen die Grenze überquert habe.

Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bestätigte später, dass es "einen russischen Einmarsch" im Osten der Ukraine gegeben habe. "Ich kann bestätigen, dass wir einen kontinuierlichen Zustrom von Waffen und Kämpfern aus Russland in die Ostukraine beobachten", sagte Rasmussen in Kopenhagen. "Das ist ein klares Anzeichen für eine fortdauernde Beteiligung Russlands an der Destabilisierung der Ostukraine."

Das Eindringen der Kolonne war zuerst von britischen Journalisten des "Guardian" vor Ort gemeldet worden. Demnach überquerten 23 gepanzerte Truppentransporter den Grenzübergang nahe dem russischen Donezk, den auch der umstrittene russische Hilfskonvoi für die notleidende Bevölkerung in den umkämpften Gebieten passieren soll. Reporter der Nachrichtenagentur AFP sahen am Freitagmorgen eine Kolonne von etwa zwölf russischen Truppentransportern, die Richtung Grenze fuhren.

Sondertreffen der EU-Außenminister

Der Hilfskonvoi von knapp 300 Lastwagen wird derzeit nahe der Grenze von ukrainischen Grenzschützern kontrolliert. Wann er die Grenze überquert, ist weiter unklar.

Das russische Außenministerium warf der Ukraine einen Versuch vor, "seine humanitäre Hilfe" zu blockieren. Das Ministerium kritisierte insbesondere "die brutale Verstärkung der Militäroperationen" in der Region, die "offenkundig zum Ziel hat, den mit Kiew vereinbarten Weg zu blockieren".

Die EU-Außenminister riefen bei einem Sondertreffen in Brüssel Russland auf, "alle Feindseligkeiten" an der Grenze zur Ukraine umgehend einzustellen. Insbesondere müsse der Fluss von Waffen, Militärberatern und bewaffneten Kräften gestoppt und die Truppen von der Grenze zurückgezogen werden, hieß es in der Erklärung der EU-Minister.

Großbritannien bestellte den russischen Botschafter Alexander Jajowenko in London ein, "um die Berichte über ein Eindringen des russischen Militärs in der Ukraine und die andauernde Anlieferung von Ausrüstung an der Grenze zu erklären".

Großbritannien bestellt russischen Botschafter ein

Die prowestliche Führung in Kiew zeigte keine Bilder des angeblichen Kampfs. Der ukrainische Sicherheitsrat teilte mit, die Fahrzeuge hätten zu einem Militärkonvoi aus 23 Fahrzeugen gehört, der unerlaubt die Grenze überquert habe. Moskau hatte widersprochen, dass Militärfahrzeuge in das Nachbarland eingedrungen seien.

Die britische Zeitung "The Guardian" hatte zuvor von 23 russischen Schützenpanzern berichtet, die in der Nacht die Grenze zur Ukraine überquert hätten. Sie hätten dafür eine Lücke im Grenzzaun genutzt. Ein Sprecher der ukrainischen Streitkräfte hatte dazu, erklärt, dies passiere praktisch jede Nacht, um die Ukraine zu provozieren.

la/dpa/reuters/afp

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