Donnerstag, 30. Juni 2016

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Müllers Memo Das Ende des China-Booms

Fensterputzer in Peking: Die Verschuldung der Unternehmen beträgt mehr als 140 Prozent des BIP (zum Vergleich Deutschland: 43 Prozent).

Während Europa sich über den Aufschwung freut, drohen einem der wichtigsten Handelspartner Deutschlands heftige Rückschläge: China ächzt unter hohen Schulden, das Wachstum geht zurück. Ein Crash ist nicht ausgeschlossen.

China schwächelt. Nein, das ist eine Untertreibung: Das Land steht vor ernsten Schwierigkeiten. Kommenden Mittwoch legen Pekings amtliche Statistiker erste Zahlen zum Wirtschaftswachstum im ersten Quartal vor. Negative Überraschungen sind zu befürchten.

Für Ostermontag hat sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel in Peking angekündigt. Zeitgleich beginnt die China Autoshow, die Messe für den größten Hoffnungsmarkt der deutschen Industrie.

China, das war bisher der Fluchtpunkt deutscher Managerphantasien. Konzerne von Adidas Börsen-Chart zeigen bis Volkswagen Börsen-Chart zeigen haben sich dort mit Verve ins Geschäft gestürzt, umso mehr, als die europäischen Märkte infolge der Krise darniederlagen. Das Land ist inzwischen ein zentraler Pfeiler des deutschen Wirtschaftsmodells: als Produktionsstandort, als fünftgrößter Export- und zweitgrößter Importmarkt. Handelsvolumen: oberhalb von 150 Milliarden Euro. Seit 2008 haben sich die aufsummierten deutschen Investitionen in China mehr als verdoppelt.

Dass die neue Mega-Ökonomie nicht auf ewig mit Raten von 10 Prozent und mehr weiter wachsen würde, ist schon lange klar. Nun allerdings mehren sich die Anzeichen einer harten Landung nach vielen Jahren des Höhenflugs. Diese Woche veröffentlichte Peking neue Außenhandelszahlen, wonach die Importe im März um 11,3 Prozent gegenüber Vorjahr eingebrochen sind. Eine Momentaufnahme, natürlich, aber eine beuruhigende, die zeigt, dass in Chinas Binnenwirtschaft einiges im Argen liegt.

Boom auf Kredit - nun sitzt Chinas Wirtschaft auf hohen Schulden

Wo also liegt das Problem? China steht am Ende eines kreditfinanzierten Investitionsbooms. Nun sitzt die Wirtschaft auf hohen Schulden und Überkapazitäten. Banken und Schattenbanken haben in den vergangenen Jahren gigantische Summen an einheimische Firmen verliehen, wie der Internationale Währungsfonds (IWF) diese Woche in seinem Bericht zur Finanzstabilität dargelegt hat.

Die Verschuldung des Unternehmenssektors beträgt inzwischen mehr als 140 Prozent des Bruttoninlandsprodukts (zum Vergleich Deutschland: 43 Prozent). In keinem anderen Schwellenland ist die Verschuldung der Firmen im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung nach IWF-Angaben so stark gestiegen wie in China. In keinem anderen vergleichbaren Land haben die Banken seit 2008 soviel Geld verliehen - Forderungen, die sie nun womöglich teilweise abschreiben müssen.

Würden diese Zahlen aus einem anderen Land als der fernöstlichen Wunderökonomie stammen, der Rest der Welt wäre ernstlich beunruhigt.

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