Dienstag, 6. Dezember 2016

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Weltmacht China Die Schwäbische Alb ist überall

Verladung einer Putzmeister-Pumpe: Die Übernahme des Weltmarktführers durch den chinesischen Konzern Sany sorgte 2012 für Aufsehen - es wird nicht die letzte Übernahme dieser Art sein

"Global Player - Wo wir sind isch vorne" handelt mit einer fiktiven Geschichte das komplexe Thema Globalisierung in 95 Minuten ab. Dies gelingt auf unterhaltsame Weise: Überall, wo deutsche Mittelständler dem globalen Wettbewerb ausgesetzt sind, kann und wird sich diese Geschichte so oder so ähnlich wiederholen.

Peking - Die Schwäbische Alb - Heimat vieler unbekannter, global erfolgreicher Mittelständler. Hier residiert auch die Firma Bogenschütz & Söhne. Das Familienunternehmen aus Hechingen stellt Textilmaschinen her. Lange Zeit war es technologisch vorne.

Doch die Konkurrenz holt auf. Vor allem die Chinesen. Inzwischen ist Bogenschütz nicht mehr konkurrenzfähig, muss Kurzarbeit melden und steht kurz vor der Insolvenz. Einziger Ausweg: Verkauf an die Chinesen. Vater und Firmengründer Paul Bogenschütz sperrt sich, Sohn und Juniorchef Michael hingegen verhandelt mit den Chinesen. Es kommt darüber zu einem veritablen Familienkrach.

Die Firma Bogenschütz gibt es nicht. Erfunden hat sie Hannes Stöhr, erfolgreicher Berliner Regisseur ("Berlin Calling") mit schwäbischen Wurzeln. Er hat die fiktive Geschichte in einen Spielfilm mit dem Titel "Global Player - Wo wir sind isch vorne" verwandelt. Kann man ein solch komplexes Wirtschaftsthema wie Globalisierung in 95 Minuten abhandeln?

Stöhr kann. Sein Film, der in Hechingen und Shanghai spielt, ist sehr nahe an der Realität und einer der viel zu seltenen Beweise, dass Wirtschaft spannend und unterhaltsam sein kann.

Gelungene Balance

Die Balance zwischen Tragik und Komik ist Stöhr gelungen, ohne allzu viele chinesische wie schwäbische Klischees zu transportieren. Für den Part Komik steht vor allem ein genialer Walter Schultheiss, der die Rolle seines Lebens spielt. Der inzwischen 90jährige Schultheiss verkörpert in geradezu idealer Weise den 89jährigen bruddligen - schwäbisch für nörgelnd - Patriarchen Bogenschütz. Doch auch seine Kinder Michael (Christoph Bach), Marlies (Inka Friedrich) und Marianne (Ulrike Folkerts) überzeugen, vor allem Bach in der schwierigen Rolle des Juniorchefs.

Es wird viel geschwäbelt in dem Film, es werden viele Maultaschen gegessen, doch der Film ist keine Heimatschnulze. Es ist kein Film von Schwaben für Schwaben. Die Schwäbische Alb ist überall - in Ostwestfalen und in Mittelhessen, in Oberbayern und Niedersachsen. Überall, wo deutsche Mittelständler dem globalen Wettbewerb ausgesetzt sind, kann und wird sich diese Geschichte so oder so ähnlich wiederholen.

Keine Frage: In den nächsten Jahren werden immer mehr Chinesen deutsche Firmen aufkaufen. Wer wissen will, wie diese Transaktionen morgen ablaufen könnten, sollte sich diesen Film anschauen.

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