Sonntag, 16. Dezember 2018

Steueroasen Neue Liste setzt G8-Gipfel unter Druck

G8-Gipfel: Auch im eigenen Land, Nordirland, ist der Gipfel nicht unumstritten

Unmittelbar vor dem G8-Gipfel in Nordirland stellt das Journalistennetzwerk ICIJ Teile seiner riesigen Datensammlung über Steueroasen ins Internet. Damit steigt der Druck auf die Politiker, eine Einigung über die Fragen der Steuerflucht zu finden.

Enniskillen - Im Magazin "The Economist" glänzt sie noch, die Anzeige mit einem Hochglanzfoto der nordirischen Stadt Derry und dem Slogan "Nordirland ist ein Platz für die globale Finanzindistrie". Doch der Glanz des G8-Gipfels, von dem der Gastgeber Nordirland zu profitieren versucht, verlischt bereits vor Beginn des Gipfels. So hat das Internationale Konsortium für Investigativen Journalismus (ICIJ) knapp drei Monate nach den ersten Enthüllungen Teile der sogenannten Offshore-Leaks-Daten verfügbar gemacht. Darin finden sich Namen und Daten von über 100.000 Treuhandgesellschaften und Firmen, die in Steueroasen ihren Sitz haben. Damit steigen kurz vor dem G8-Gipfel in Nordirland die Erwartungen an die Regierungen, eine gemeinsame Linie im Kampf gegen Steuerflüchtlinge zu finden.

"Dadurch wird die undurchsichtige Welt der Steueroasen endgültig aufgebrochen", erklärte das ICIJ nach Angaben des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) in Washington. Das internationale Journalisten-Netzwerk hatte den riesigen Datensatz vor einigen Monaten zugespielt bekommen und ausgewertet. Journalisten aus aller Welt - darunter in Deutschland die "Süddeutsche Zeitung" und der NDR - hatten zu dem Projekt recherchiert.

Vor der Veröffentlichung im Internet wurden die Daten nun für Experten und Redakteure aufbereitet. Sensible Informationen wie Nummern von Bankkonten, Kopien von Pässen oder vertrauliche Korrespondenzen seien nicht auffindbar. Internetnutzer könnten aber Zusammenhänge zwischen Offshore-Firmen und ihren Gesellschaftern und Direktoren ermitteln. "Dies ist ein Beitrag zur lange geforderten Transparenz in Steueroasen", sagte ICIJ-Chef Gerard Ryle dem NDR und der SZ. Die Quelle, die die Daten geliefert hatte, bleibe geschützt.

Die Dokumente belegen, wie Vermögende auf der ganzen Welt Briefkastenfirmen und sogenannte Trusts nutzten, um ihr Geld zu verstecken und zweifelhafte Geschäfte zu verschleiern. Unter ihnen sollen sich Oligarchen, Waffenhändler und Finanzjongleure befinden, laut SZ und NDR sind auch Hunderte Deutsche darunter. In den meisten Fällen sind allerdings keine Gesetzesverstöße erkennbar.

Das ICIJ verfügt nach eigenen Angaben über eine Festplatte mit insgesamt mehr als 2,5 Millionen Datensätzen aus zwei Firmen, die die Gründung von Treuhandgesellschaften und Firmen auf den Britischen Jungferninseln oder den Cook-Inseln vermitteln.

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