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22.04.2013
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Globale Währungsrisiken
Die dunklen Reserven der Notenbanken

Von Henrik Müller

Yen, Euro, Dollar: Die Notenbanken großer Schwellenländer haben riesige Gelddepots aufgebaut - ihre Zusammensetzung bleibt jedoch im Dunklen. Die Notenbanken werden dadurch zu verdeckt agierenden Spielern
REUTERS

Yen, Euro, Dollar: Die Notenbanken großer Schwellenländer haben riesige Gelddepots aufgebaut - ihre Zusammensetzung bleibt jedoch im Dunklen. Die Notenbanken werden dadurch zu verdeckt agierenden Spielern

Gigantische Geldspeicher haben die Geldbehörden weltweit angelegt. Was sich darin verbirgt, ist weithin unbekannt - ein enormes Unsicherheitsmoment für die Weltwirtschaft.

Die Welterklärungsgleichung geht nicht auf. Wirklich befriedigend können die Physiker mit ihren Modellen bislang nicht erklären, wie sich die sichtbare Materie im Weltall bewegt. Deshalb haben sie sich einen Trick einfallen lassen: "dunkle Materie". Eine geheimnisvolle Substanz, von der niemand weiß, wie sie beschaffen ist.

In der Weltwirtschaft gibt es seit einiger Zeit ein ähnliches Phänomen: dunkle Reserven. Dabei handelt sich um Munitionsdepots, die insbesondere die Notenbanken großer Schwellenländer angelegt haben, über deren genaue Beschaffenheit sie aber schweigen. So bleibt unbekannt, in welchen Währungen diese Cash-Polster angelegt sind, welche Länder gerade Dollars oder Euros oder Gold auf den Markt werfen oder in großem Stil aufkaufen. Sie sind der Stoff, auf dem wüste Gerüchte sprießen.

Ein Unsicherheitsmoment in einer ohnehin nervösen Weltwirtschaft.

Was soll man davon halten? Handelt es sich um Waffen im globalen "Währungskrieg" (vor dem Bundesbank-Chef Jens Weidmann vorige Woche vor dem G20-Gipfel warnte), die einige Wirtschaftsgroßmächte einzusetzen bereit sind, wenn sie die Stunde für gekommen halten? Oder handelt es sich lediglich um Sicherheitspuffer gegen plötzliche Schocks?

Die Antworten bleiben offen, weil große reservehaltende Nationen wie China und die Golfstaaten sich in Geheimnistuerei üben. Sie bieten Nahrung für Verschwörungstheorien - nach dem Motto: Irgendwann präsentieren die neuen Herren der Weltwirtschaft ihren angeschlagenen westlichen Schuldnern die Rechnung.

Dunkle Reserven sind auf fast fünf Billionen Dollar gewachsen

Fest steht: Das Phänomen der dunklen Reserven ist inzwischen gigantisch. Fast fünf Billionen Dollar betrug ihr Wert Ende 2012, so weisen es die Statistiken des Internationalen Währungsfonds aus. Das ist etwa die Hälfte der globalen staatlichen Rücklagen (siehe Grafik links). Wie diese Gelder angelegt sind, in welchen Währungen, Edelmetallen oder Finanzprodukten sie stecken, das weisen die Statistiken nicht aus.

Vor 20 Jahren gab es praktisch keine dunklen Reserven. Sie gewannen an Bedeutung mit dem Aufstieg der Schwellenländer. Nach den Finanzmarktkrisen in den Emerging Markets in den Jahren 1997 bis 1999 begannen insbesondere asiatische Länder und Russland große Mengen an ausländischer Währungen zu bunkern.

Geschockt von der plötzlichen Kapitalflucht und den folgenden harten Auflagen durch den IWF, wollten sie sich gegen die Unbill der Weltfinanzmärkte immunisieren. Ihre Strategie: Künstlich niedrig bewertete Währungen sollten Exporterfolge sichern; die resultierenden Außenhandelsüberschüsse sollten in Form von westlichen Staatsanleihen, vor allem US-Treasuries, gespart werden.

Das war solange kein Problem, wie die Volkswirtschaften klein waren und die zurückgelegten Summen überschaubar. Doch seit der Westen, vor allem die USA, nach dem Platzen der New-Economy-Blase 2001 die Welt immer weiter mit Geld flutete, folgten die Schwellenländer diesem Kurs, um ihre Währungen am Aufwerten zu hindern und ihre Exporterfolge abzusichern.

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Henrik Müller ist stellvertretender Chefredakteur des manager magazins.

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