Sonntag, 23. Juli 2017

Alle Artikel und Hintergründe

EU-Kommissar Sparer mit hohen Guthaben sollen für marode Banken haften

Bankenviertel in Frankfurt: "Es ist entscheidend, dass wir bei uns in Europa klare Regeln haben für die Reihenfolge, die Investoren aus der ganzen Welt vorab kennen"

Auch Sparer mit hohen Guthaben sollen in letzter Konsequenz für marode Banken haften: Das sieht ein Gesetzantrag von EU-Kommissar Michel Barnier vor. "Zuerst die Aktionäre, dann die Gläubiger und dann die Anleger mit mehr als 100.000 Euro, wenn das notwendig ist", sagte Barnier.

Brüssel / Dublin - Der für Finanzmarktregulierung zuständige EU-Kommissar Michel Barnier hat Vorschläge für die Abwicklung von Banken vorgelegt. "Zuerst die Aktionäre, dann die Gläubiger und dann die Anleger mit mehr als 100.000 Euro, wenn das notwendig ist, dann der Bankensicherungsfonds, dessen Aufbau wir von allen Mitgliedstaaten verlangen, wenn das noch nicht geschehen ist", bekräftigte Barnier seine Forderungen in Dublin.

Im Rahmen der Verhandlungen über eine Rettung des Krisenlandes Zypern vor der Pleite war zwischenzeitlich geplant, ausnahmslos alle Kontoinhaber zyprischer Banken zur Kasse zu bitten. Dies hatte nicht nur im Land Empörung ausgelöst, sondern auch Beunruhigung in anderen Euro-Ländern hervorgerufen.

Der nun verabschiedete Rettungsplan für Zypern sieht vor, nur Guthaben von mehr als 100.000 Euro zu belasten. In der EU gilt eine Einlagensicherung für Guthaben bis zu dieser Höhe.

Asmussen fordert klare Regeln für die Lastenverteilung

Das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Jörg Asmussen, klare Regeln für die Lastenteilung bei der Abwicklung maroder Banken gefordert. "Es ist entscheidend, dass wir bei uns in Europa klare Regeln haben für die Reihenfolge, die Investoren aus der ganzen Welt vorab kennen", sagte Asmussen nach Beratungen mit den EU-Finanzministern in Brüssel. "Und dann weiß jeder, was die Spielregeln sind."

Asmussen machte unter Verweis auf Pläne der EU-Kommission deutlich, dass in letzter Konsequenz auch Sparer mit Guthaben über 100.000 Euro betroffen sein können. Er rief die EU-Mitgliedstaaten auf, sich schnell auf entsprechende Regeln zu einigen. "Wir sollten diese Bestimmungen lieber schon im Jahr 2015 in Kraft haben anstatt erst im Jahr 2018." Einheitliche Regeln zur Abwicklung von Banken in der Europäischen Union sind ein Teil der Europäischen Bankenunion, die derzeit aufgebaut wird.

In einem ersten Schritt auf dem Weg zu einer solchen Bankenunion hatten sich die Mitgliedstaaten Ende des vergangenen Jahres darauf geeinigt, eine gemeinsame Aufsicht über Europas Geldhäuser bei der EZB zu schaffen. Über die Einzelheiten dieser Aufsicht erzielten die EU-Finanzminister nun in Dublin eine Einigung, wie der irische Vertreter Michael Noonan mitteilte.

la/reuters

Nachrichtenticker

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH