Sonntag, 23. Juli 2017

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Aufschwung China sagt Immobilienpreis-Explosion den Kampf an

Bauboom: Nicht nur in der Hafenstadt Qingdao, in Chinas östlich gelegener Provinz Shandong, schießen die Hochhäuser wie Pilze aus der Erde

Mitten im Aufschwung verschärft China seinen Kampf gegen explodierende Immobilienpreise. Die neuen Regeln greifen vor allem in den Metropolen. So dürfen Singles etwa in Peking keine Zweitwohnung kaufen.

Peking - China verstärkt seinen Kampf gegen rasant anziehende Immobilienpreise. Die drei Metropolen Peking, Shanghai und Chongqing setzten entsprechende Vorgaben der Regierung um, berichtet die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Dazu gehören eine 20-prozentige Steuer auf Kapitalerträge und höhere Anzahlungen von Zweitheim-Käufern. In Peking wird Alleinstehenden sogar der Erwerb einer zweiten Wohnung verboten. Die Behörden in Shanghai kündigten an, Kreditnehmer aus anderen Städten und dem Ausland einer strengeren Aufsicht zu unterziehen. Die neuen Vorschriften sollten am Sonntag in Kraft treten.

Die schnell steigenden Immobilienpreise sind auch eine Folge der wieder anziehenden Konjunktur in China. Die Industrie des Landes ist im März einer Umfrage zufolge vor allem dank der Binnennachfrage deutlich gewachsen.

Die chinesische Industrie ist im März so stark gewachsen wie seit elf Monaten nicht mehr. Der entsprechende Einkaufsmanager-Index legte um 0,8 Zähler auf 50,9 Punkte zu, wie die nationale Statistik-Behörde am Montag mitteilte. Werte oberhalb der 50-Prozent-Schwelle stehen für Wachstum. Verbessert hat sich die Lage unter anderem in der Auto-, Elektronik- und Maschinenbaubranche.

Industrie wächst im März so stark wie seit elf Monaten nicht mehr

Der Einkaufsmanager-Index der Großbank HSBC kletterte vergangenen Monat zudem auf 51,6 Punkte. Im Februar waren es 50,4 Zähler. Die HSBC-Umfrage konzentriert sich auf kleinere private Fabriken, während die Statistikbehörde in ihren Daten vor allem die Lage bei großen Staatsbetrieben auswertet. Der Chefvolkswirt der HSBC für China, Hongbin Qu, schrieb, die anhaltende Nachfrage aus dem Inland werde die Wirtschaft auch in den kommenden Monaten stützen, allerdings werde das Wachstum keine Sprünge machen.

Ähnlich äußerten sich die Ökonomen der Bank ANZ: Die Daten stabilisierten sich, es gebe es aber noch Gegenwind, hieß es. So sei die Lage insgesamt fragil. Sollte die Notenbank eine restriktivere Geldpolitik fahren, könne das Wachstum schnell ins Stocken geraten.

Getragen wird die Erholung im Reich der Mitte neben der Binnennachfrage vor allem von milliardenschweren Investitionen in die Infrastruktur. 2012 war das Wachstum allerdings auf ein 13-Jahres-Tief gefallen, weil der Export der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt abbröckelte.

Die Regierung in Peking hofft, dass der Handel der Volksrepublik in diesem Jahr um 8 Prozent wächst. Das ist zwar mehr als die 6,2 Prozent im Jahr 2012, aber weit entfernt von Wachstumsraten über 20 Prozent früherer Jahre.

rei/rtr/dpa

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