Euromanager magazin RSS  - Euro

Alle Artikel und Hintergründe


28.01.2013
Twitter GooglePlus Facebook

Zypern-Krise
Euro-Gruppe setzt auf russische Hilfe

Zyprische Zentralbank: Russland soll den Euro-Staat über die Zeit retten
dapd

Zyprische Zentralbank: Russland soll den Euro-Staat über die Zeit retten

Die Euro-Partner treiben Zypern erneut in die Arme Russlands. Weil Europäer und Internationaler Währungsfonds um die Gewährung eines Hilfskredits streiten, soll der von Banken in die Schuldenkrise getriebene Mittelmeerstaat auf Geld aus Moskau zurückgreifen.

Berlin - Die Euro-Länder stärken dem hochverschuldeten Zypern bei seinen Gesprächen mit Russland über die Verlängerung eines Milliardenkredits den Rücken. In einem Reuters am Montag vorliegenden Schreiben des Bundesfinanzministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestages heißt es, die zyprische Regierung habe in der Euro-Gruppe berichtet, sie habe Russland um eine Verlängerung des existierenden Kredits um fünf Jahre gebeten.

"Die Regierung Zyperns hat dabei die Unterstützung der Euro-Gruppe", heißt es in dem Brief. Der Kredit hat ein Volumen von 2,5 Milliarden Euro uns sollte eigentlich 2016 zurückgezahlt werden. Zypern verhandelt derzeit auch mit seinen Euro-Partnern und dem IWF über Finanzhilfen von 17,5 Milliarden Euro. Die Bundesregierung streitet in dieser Frage jedoch mit den anderen Kreditgebern. Eine Verlängerung des russischen Kredits würde den akuten Druck auf das hochverschuldete Land verringern.

Am Freitag hatte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit Zyperns auf die Note "B" mit negativem Ausblick reduziert - unter der Annahme, dass die Euro-Gruppe einen Kredit gewähren werde. Schon länger gelten zyprische Anleihen den drei großen Ratingagenturen als Ramsch und werden - im Unterschied zu griechischen, irischen oder portugiesischen, für die Ausnahmen erklärt wurden - von der EZB nicht mehr als Sicherheiten akzeptiert.

Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew sagte dem "Handelsblatt", russische Hilfe könne erst erfolgen, wenn die Euro-Partner sich auf Unterstützung für den Inselstaat geeinigt und die Bedingungen festgelegt hätten. Mit Blick auf mögliche Einbußen russischer Anleger, die Geld bei den angeschlagenen zyprischen Banken deponiert haben, meinte der Regierungschef: "Natürlich wäre es schlecht, wenn die Anleger Geld verlieren. Vor allem, weil wir ständig gebeten werden, Zypern zu helfen."

Russland und die Mittelmeerinsel pflegen seit langem intensive Beziehungen. Die Konten russischer Anleger haben dem Land allerdings den Vorwurf der Geldwäsche eingebracht, den Zypern jedoch bestreitet.

EU und IWF gewinnen Zeit bis nach der Präsidentenwahl auf Zypern

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält sich weiter bedeckt über die Notwendigkeit eines Milliardenhilfspakets für Zypern. Sein Sprecher Martin Kotthaus bekräftige am Montag in Berlin frühere Aussagen Schäubles, wonach zunächst die Frage geprüft werden müsse, ob durch die Probleme in Zypern die Euro-Zone insgesamt in Gefahr ist.

Kotthaus verwies auf Regelungen im Vertrag zum Rettungsfonds. Danach seien Hilfen nötig, um die finanzielle Stabilität der Eurozone als Ganzes zu wahren: "Das ist eine rechtlich bindende Voraussetzung." Diese Frage sei auch immer Teil der Prüfung eines Antrages. Bei einem Staat von der Größe Zyperns müsse die Frage vielleicht noch klarer gestellt werden.

Über "Systemrelevanz" eines Landes entscheide die Euro-Gruppe einstimmig. Zu Berichten über einen Konflikt zwischen EZB-Präsident Mario Draghi und Schäuble vergangene Woche beim Finanzministertreffen sagte Kotthaus: "Wenn man die beiden Herren vom Typus her kennt, ist die Schilderung mit "aneinandergeraten" etwas ungewöhnlich."

Schäuble hält laut dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL Zypern nicht für systemrelevant. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) soll dem Bericht zufolge deutlich widersprochen haben. Die Euro-Gruppe befasst sich im März wieder mit möglichen Zypern-Hilfen.

Im Februar steht eine Präsidentenwahl an, in der laut Umfragen der konservative Oppositionelle Nikos Anastasiades als Favorit gilt. Der kommunistische Amtsinhaber Dimitris Christofias hatte 2011 den Moskauer Hilfskredit vereinbart und im vergangenen Jahr den Beistand der Euro-Partner beantragt, sich aber gegen mehrere Kreditauflagen gewehrt.

ak/rtr

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Weitere Artikel zu Diesem Thema

Währungsunion
Euro-Länder wachsen Schulden über den Kopf
Einkaufsmanager
Frankreich bremst Euro-Konjunktur aus
Nach der Zinssenkung
Die EZB kann nur scheitern
Vor EZB-Zinsentscheid
Draghi muss liefern - das sind seine Optionen

© manager magazin online 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH



Hintergründe, Artikel, Fakten

finden Sie auf den Themenseiten zu ...










Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarifvergleich:
Finden Sie den passenden Tarif
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Tablet Tarifvergleich:
Surfen Sie günstiger