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27.01.2013
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Gipfel in Davos beendet
Nach der Krise ist vor der Krise

In den Anstrengungen nicht nachlassen: Bundeskanzlerin Merkel warnte vor zu viel Selbstgefälligkeit in der Euro-Krise
AFP

In den Anstrengungen nicht nachlassen: Bundeskanzlerin Merkel warnte vor zu viel Selbstgefälligkeit in der Euro-Krise

Im Vorjahr war die Krisenangst beim Weltwirtschaftsforum noch allgegenwärtig, jetzt feierten in Davos viele Gäste die Zeichen der Entspannung. Dabei fehlte es an Warnungen vor zu viel Selbstgefälligkeit und neuen Gefahren nicht.

Davos - Wenn Norwegens Kronprinz Haakon einfach mal so neben einem auf der Tanzfläche auftaucht, wenn Hollywoodstar Charlize Theron IWF-Chefin Christine Lagarde die Schau stiehlt, wenn grauhaarige Banker morgens um halb zwei den "Gangnam Style" üben - dann ist Party Time in Davos. So unbeschwert wie diesmal ist in den Nächten des Weltwirtschaftsforums (WEF) lange nicht mehr gefeiert worden. "It's almost over, we're through", hörte man oft. Fast vorbei sei die Finanzkrise, der Durchbruch sei geschafft.

Was für ein Kontrast zum Vorjahr: Der Kollaps des Euro, zumindest die Spaltung der Euro-Zone in reiche Nord- und arme Südländer galt 2012 noch vielen als wahrscheinlich. "Die Frage lautet nicht mehr ob, sondern nur noch wann", erklärte damals US-Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini von der angesehenen New Yorker Stern School of Business.

Diesmal gab es in Davos Seufzer der Erleichterung. Schaut auf die Börsen, hieß es. Da werde wieder rege gehandelt. Pünktlich zum WEF-Jahrestreffen stieg das wichtigste Konjunkturbarometer für die Euro-Großmacht Deutschland, der Ifo-Geschäftsklimaindex, zum dritten Mal in Folge. "Wir erleben zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 eine gewisse Entspannung", sagte ein Hedgefonds-Manager. "Wenn das kein Grund zum Feiern ist."

"Wir erleben Entspannung - wenn das kein Grund zum Feiern ist"

Die überragende Gestalt des "inoffiziellen Weltgipfels", wie das Jahrestreffen der Mächtigen und Einflussreichen in den Bündner Alpen auch genannt wird, war zweifellos "Super-Mario". Mario Draghi, der italienische Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), hatte im Sommer 2012 die Notenbank mit wenigen Worten als Helfer in der Not etabliert - "koste es, was es wolle". Bis auf weiteres gilt er damit als Hauptfigur der Euro-Rettung.

Dass sich die Euro-Zone nun zu stabilisieren scheint, wurde als Anzeichen für den Aufbruch im Jahr 2013 gewertet. Doch auffallend oft war im Kongresszentrum von Davos das Wort "complacency" zu hören - Selbstgefälligkeit oder auch Selbstzufriedenheit. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte davor ebenso wie viele ihrer Amtskollegen sowie die Chefs der EZB und des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Die Stabilisierung von Volkswirtschaften der Euro-Zone habe sich bislang nur auf sehr niedrigem Niveau vollzogen, mahnte Draghi. Für "complacency" gebe es keinen Anlass, der Weg des Schuldenabbaus müsse konsequent weitergegangen werden.

Warnungen vor Selbstgefälligkeit und "Währungskrieg"

Eindringlichere Warnungen, ja Ängste vor einer Rückkehr der Krise waren vor allem in geschlossenen Foren zu vernehmen, aus denen Journalisten nicht namentlich zitieren durften. Dort wurde die lockere Geldpolitik der EZB unverblümt als gewaltiges Risiko bezeichnet. So mancher, heißt es in der Zeitung "Die Welt", habe sich in Davos gefühlt "wie bei einem Tanz auf dem Vulkan, der bis oben hin voll ist mit billigem Geld und jederzeit ausbrechen kann".

Zudem machte das Wort vom "currency war" die Runde, von einem Währungskrieg als Folge der Politik des billigen Geldes. Ausgerechnet am Auftakttag des WEF 2013 hatte Japans Notenbank angekündigt, noch viel mehr Geld in den Kreislauf der Volkswirtschaft zu pumpen. Damit könnte auch der Kurs des Yen gedrückt werden, um Japans Exporte anzukurbeln. "Wenn andere Notenbanken nachziehen und die Zinsen noch weiter sinken, droht die Geldschwemme völlig unbeherrschbar zu werden", warnt ein Schweizer Banker.

Zugleich ist die tatsächliche Überwindung der Euro-Krise ungewiss. "Draghi hat seine Karten geschickt gespielt", sagte Wirtschaftsprofessor Kenneth Rogoff von der Harvard University der Schweizer Zeitung "Finanz und Wirtschaft". "Aber jetzt hat er keine Karten mehr." Rogoff sieht nur einen echten Ausweg: "Die Staaten der Euro-Zone müssen eine Fiskal- und politische Union bilden. Sie müssen ein Land werden, mit einer Regierung, einem Premier oder Kanzler, einem Finanzministerium."

<i>Thomas Burmeister, dpa</i>

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