Freitag, 28. Juli 2017

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Krieg in Mali Frankreichs Sorge um Uran aus der Wüste

Nigers Uran: Frankreichs afrikanische Energiequelle
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AFP

4. Teil: Arevas Schwierigkeiten mit der neuen Realität

Mit einer so langen und tiefen Depression des Uranmarkts hat kaum einer der Marktteilnehmer gerechnet, auch nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima im März 2011 nicht. Immerhin übersteigt schon der Bedarf der aktuell laufenden Kernkraftwerke chronisch die weltweite Uranproduktion: 55.000 frisch geförderten Tonnen steht eine Nachfrage von 67.000 Tonnen gegenüber.

Früher war die Lücke noch größer, wurde aber von reichlich gefüllten zivilen und militärischen Uranlagerbeständen gedeckt. Vor allem US-Kraftwerke bedienten sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten aus einem Abrüstungsabkommen mit Russland, in Europa recyceln Unternehmen wie Areva oder Urenco (von dem sich die Miteigner Eon Börsen-Chart zeigen und RWE Börsen-Chart zeigen nun offenbar trennen wollen) abgebrannte Brennelemente.

Da das US-russische Abkommen zum Jahresende ausläuft, sollte das aus alten Atomsprengköpfen abgereicherte Uranüberangebot nun verschwinden.

Japan stellt vollständigen Atomausstieg infrage

Hoffnung auf steigende Preise knüpfen die Produzenten auch an die im Dezember gewählte neue japanische Regierung, die den bis 2030 geplanten vollständigen Atomausstieg infrage gestellt. Für ein Revival der Meiler hat sie sich freilich noch nicht entschieden, und will sich angesichts der öffentlichen Gegenwehr drei Jahre Zeit lassen.

"Wenn Japan grünes Licht gibt, ist der Überhang sofort weg und das wirkt sich positiv auf die Preise aus", erklärt Analyst Joel Crane von Morgan Stanley in Melbourne. Doch der Atomphysiker Thomas Neff vom Massachusetts Institute of Technology, der das US-Russland-Abkommen einst ersann, erwartet "keine starken Nachfragesignale bis 2015".

Das US-Analysehaus GMI Ratings bescheinigt Areva "Schwierigkeiten, sich der neuen Realität anzupassen". Selbst Frankreich wolle jetzt seine Abhängigkeit von Atomstrom verringern. Daraus spreche ein Mangel an Kommunikation zwischen Konzern und dem Haupteigner. "Anleger sollten die Flucht ergreifen", empfehlen die Analysten.

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