Mittwoch, 20. September 2017

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Krieg in Mali Frankreichs Sorge um Uran aus der Wüste

Nigers Uran: Frankreichs afrikanische Energiequelle
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AFP

3. Teil: Uranpreis im Keller, Investitionen gestoppt

Offiziell ist das Geld von Areva noch gar nicht zugesagt und gilt als "Entschädigung" für die Verspätung des 1,7-Milliarden-Euro-Projekts Imouraren. Die wiederum erklärt der Konzern mit einer Betriebspause nach der Geiselnahme 2010 und einem Streik 2012. Das Vorkommen wurde bereits 1976 entdeckt. Nun gilt als wahrscheinlicher Produktionsstart 2014, weitere Verzögerungen werden aber auch nicht ausgeschlossen.

Auffällig ist aber, dass im Uranbergbau auch anderswo wenig vorangeht. Areva unterbrach im vergangenen August den bereits weitgehend fertigen Bau des milliardenteuren Bergwerks Trekkopje in Namibia, zog alle Arbeiter bis auf drei Subunternehmer aus dem bereits im Vorjahr gestoppten Projekt Bakouma in Zentralafrika ab und sagte im Oktober ein weiteres Vorhaben in Jordanien ab. 2011 schloss der Konzern mit einem hohen Milliardenverlust wegen Abschreibungen auf verschiedene Bergwerke ab.

Auch andere Konzerne zogen lange geplante Investitionen zurück. Der Bergbauriese BHP Billiton Börsen-Chart zeigen sagte den 33 Milliarden Dollar teuren Ausbau seines südaustralischen Kupfertagebaus Olympic Dam, der nebenbei über die mit Abstand größten Uranreserven weltweit verfügt, "auf Jahre hinaus" ab. Kleine Uranmineure, im vergangenen Jahrzehnt in der Hoffnung auf einen Nuklearboom gegründet, gaben reihenweise auf.

Preise für Yellowcake am Boden

Der Preis für den Brennstoff liegt im Keller. Aktuell kostet ein Troy-Pfund (gut 373 Gramm) der Yellowcake genannten gelben, pulvrigen Handelsform von Uraninit am kurzfristigen Spotmarkt 42,50 Dollar, während 2007 noch bis zu 140 Dollar gezahlt wurden. Das ist sogar noch weniger als die den Nigrern im jüngsten Jahresvertrag zugesagte Abnahme zu 73.000 CFA-Franc pro Kilo, umgerechnet 55 Dollar für ein Pfund.

"Dieses Niveau rechtfertigt keine neuen Bergbauinvestitionen", heißt es in einer Analyse der Canadian Imperial Bank of Commerce. "70 Dollar pro Pfund würden reichen, um neues Angebot voranzubringen."

Solange Uran so billig bleibt, kommen die Mineure nicht auf ihre Kosten. So lange dürfte Areva auch sein nigrisches Projekt Imouraren vom Markt halten, so lange wartet Niger weiter auf dringend benötigte Einnahmen, und mindestens so lange bleibt Druck im Kessel der regionalen Unruhen.

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