Donnerstag, 21. September 2017

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Krieg in Mali Frankreichs Sorge um Uran aus der Wüste

Nigers Uran: Frankreichs afrikanische Energiequelle
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AFP

2. Teil: Kostenführerschaft dank dem Armenhaus Niger

Dank Niger aber kann sich Areva der günstigsten Kostenstruktur in der Branche rühmen - obwohl der Brennstoff von Militärkonvois 2000 Kilometer zur Hafenstadt Cotonou in Benin gefahren werden muss. Vor allem aber liegt in Arlit die aktuell größte Wachstumshoffnung: die quadratmeilengroße Baustelle des Tagebaus Imouraren, die mit 5000 Tonnen jährlich Niger - selbst in der dürregeplagten Sahel-Zone das ärmste Land weit und breit - zum zweitgrößten Uranproduzenten nach dem aufstrebenden Kasachstan befördern würde.

Um die Aufteilung von Gewinnen und Lasten des Bergbaus toben aber immer wieder Konflikte. Örtliche Initiativen ebenso wie internationale Organisationen werfen Areva vor, die radioaktive Verstrahlung von Arbeitern und Anwohnern hinzunehmen. Im Dezember beendete die französische Gruppe Sherpa ihre Zusammenarbeit mit Areva, weil der Konzern den Vertrag zum Gesundheitsschutz nicht einhalte.

Vor allem geht es ums Geld. Die Forderung nach einer Beteiligung an der Uranrendite war schon mehrfach Hauptmotiv für Aufstände der örtlichen Tuareg, von denen einige 2012 den Islamisten in Mali zum militärischen Erfolg verholfen haben. Auch die nigrische Regierung, inzwischen immerhin mit einem Tuareg-Premier, stimmt nun andere Töne gegenüber den Franzosen an.

35 Millionen Euro von Areva

Im Oktober nannte Präsident Mahamadou Issoufou die Partnerschaft mit Areva "sehr unausgeglichen zum Nachteil Nigers" und erklärte wegen der Verzögerung des ursprünglich für 2012 geplanten Starts von Imouraren, ein Partner, "der seine Zusagen nicht einhält, ist nicht haltbar". Bergbauminister Omar Hamidou Tchiana ergänzte, "wir können nicht mehr unseren Boden ausbeuten lassen, ohne dass etwas an das Volk zurückfällt".

In den Augen des französischen Atomkraftgegners Stéphane Lhomme vom "Observatoire du nucléaire" ist das alles bloße Rhetorik, die "perfekten Kolonialismus" verschleiere. Am kommenden Freitag entscheidet ein Pariser Gericht, ob Lhomme Areva weiter der Korruption bezichtigen darf. Hintergrund sind im Dezember plötzlich in den Staatshaushalt eingestellte 35 Millionen Euro von Areva, vom Kabinettschef des Präsidenten als "Geschenk" bezeichnet, das nun unter anderem ein neues Präsidentenflugzeug ermögliche. Seitdem ist von Streit mit Areva nichts mehr zu hören.

Lhomme verweist darauf, dass Issoufou vor seiner Politkarriere bis 1991 als Bergwerksdirektor für die Areva-Tochter Somaïr arbeitete. Seine Partei für Demokratie und Sozialismus wird von der Jean-Jaurès-Stiftung der in Paris regierenden Sozialisten unterstützt. Ganz anders - allerdings auch diktatorisch - gebärdete sich sein Vorgänger Mamadou Tandja, der für die neue, kleine Uranmine Azelik die Chinesen ins Land holte, Lieferungen an Iran ins Spiel brachte und 2010 vom Militär weggeputscht wurde.

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