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22.01.2013
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Deutschland und Frankreich
Gespann mit zwei Geschwindigkeiten

Von Sarah Sommer

50. Jahrestag des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags: Mittlerweile ist ein ökonomisches Ungleichgewicht zwischen den Staaten entstanden
dapd

50. Jahrestag des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags: Mittlerweile ist ein ökonomisches Ungleichgewicht zwischen den Staaten entstanden

Zum 50. Jahrestag des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags feiern sich die Nachbarländer. Zugleich wachsen die Sorgen um Frankreichs Wirtschaft. Ökonomen machen eine verfehlte Wirtschaftspolitik dafür verantwortlich - - und den schwächeren Mittelstand.

Berlin - Im Bundestag rücken die Abgeordneten am heutigen Dienstag zusammen, um Platz für den Besuch aus Frankreich zu machen: 577 Abgeordnete der französischen Assemblée Nationale kommen nach Berlin. Das Programm für die Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags ist vollgepackt mit feierlichen Reden, festlichem Essen und Feuerwerk: Man wird gemeinsame Erklärungen abgeben, Städtepartnerschaften und Austauschprogramme loben, und die deutsche Kanzlerin Angela merkel (CDU) ruft Jugendliche zum Französischlernen auf, um die Zukunft des deutsch-französischen Bündnisses zu sichern.

Doch jenseits der Welt der Schülertreffen und gemeinsamen Konzerte hat sich zwischen den Partnerländern eine unbehagliche Atmosphäre breitgemacht. Das liegt nicht nur an politischen Differenzen zwischen dem sozialistischen Präsidenten François Hollande und der konservativen Kanzlerin Merkel, die im krisengeplagten Europa unterschiedliche Lösungsstrategien verfolgen. Sondern vor allem daran, dass zwischen den Ländern, die sich diese Woche mit viel Pathos als starkes Gespann für Europa feiern, auch ein ökonomisches Ungleichgewicht entstanden ist.

Frankreich kämpft darum, seine schwindende wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu stabilisieren - vor allem im Vergleich zu Deutschland ist das Land in den vergangenen zehn Jahren zurückgefallen.

Noch sind beide Länder wirtschaftliche Schwergewichte der Euro-Zone: Deutschland stellt 27 Prozent und Frankreich 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Doch die Schere zwischen den Ländern öffnet sich. "Die Wirtschaftsindikatoren sehen nicht gut aus für Frankreich", sagt Marcus Knupp, der für die deutsche Außenwirtschaftsagentur Germany Trade & Invest (gtai) in Paris arbeitet. Die Arbeitslosigkeit steigt auf traurige Negativrekordstände, die Exporte schwächeln, die Investitionen in Forschung und Entwicklung sinken. "Frankreichs Wirtschaft stagniert seit Jahren", sagt Knupp. Bei Präsident Hollande sollten angesichts dieser Entwicklung alle Alarmlampen angehen. "Wenn die Politik nicht bald gegensteuert, droht ein weiterer schleichender Verlust der Wettbewerbsfähigkeit."

Löhne steigen, Produktivität sinkt

Doch warum fällt die Grande Nation im Vergleich zum deutschen Nachbarn wirtschaftlich zurück? Ökonomen machen vor allem die im OECD-Vergleich hohen Lohnstückkosten dafür verantwortlich. Die großen französischen Automobilhersteller Peugeot Chart zeigen und Renault Chart zeigen etwa kündigten zum Jahresbeginn jeweils einen massiven Stellenabbau an - und verwiesen als Grund auf die hohen Lohnkosten im Land. Der frühere Chef des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS Chart zeigen, Louis Gallois, empfahl im November in seinem Bericht zur französischen Wettbewerbsfähigkeit eine Senkung der Lohnnebenkosten um 30 Milliarden Euro, um einen weiteren Aderlass der französischen Wirtschaft zu verhindern.

Während die Lohnstückkosten in Deutschland seit dem Jahrtausendwechsel um rund 9 Prozent sanken, stiegen sie in Frankreich um 6 Prozent, zeigt eine Analyse des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Heißt: Die Löhne stiegen, die Produktivität konnte nicht im gleichen Tempo mithalten. Die Produktivität der französischen Wirtschaft lag 2011 um 25 Prozent unter derjenigen der deutschen Wirtschaft.

"Die französische Wirtschaft hat sich als zu unbeweglich erwiesen, um sich an veränderte Marktbedingungen auf den Weltmärkten anzupassen", sagt IW-Ökonomin Galina Kolev.

Das hat Folgen für den Außenhandel: Während Deutschland seine Exporte in die EU seit der Euro-Einführung um 88 Prozent steigern konnte, legten die französischen Exporte nur um 31 Prozent zu. "Außerhalb Europas geht die Schere noch weiter auseinander", sagt Kolev. Die deutschen Exporte stiegen seit 1999 um 140 Prozent, die französischen lediglich um 57 Prozent. "Und beim Maschinenbau sind die Exporte der Franzosen in die EU insgesamt sogar leicht geschrumpft."

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