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14. Dezember 2012, 07:27 Uhr

Börsenrally

Schwellenland-Börsen kommen in Schwung

Von Christoph Rottwilm

Die Kursrally zum Jahresende hat auch die Börsen der Schwellenländer erfasst. Die Aussichten dort könnten sogar besser sein als für Dax oder Dow Jones. Denn in China, Russland oder Mumbai stützt ein dynamisches Wirtschaftswachstum den Aufschwung.

Hamburg - Eckhard Saurens Stimme verrät Begeisterung. Die wirtschaftliche Entwicklung, die günstigen Aktienbewertungen, selbst Aufwertungschancen bei einigen Wechselkursen - vieles spricht nach seiner Ansicht für Investments in Schwellenländern.

Zugegeben, der Chef des Dachfonds-Anbieters Sauren Fonds-Services ist nicht ganz unbefangen. Im Rahmen einer Telefonkonferenz wirbt er bei Vertriebsleuten für ein Vorzeigeprodukt seines Hauses, den Schwellenland-Fonds "Sauren Emerging Markets Balanced". Doch Sauren untermauert seine Euphorie mit Fakten.

Beispiel Wirtschaftswachstum: Seit Beginn des vergangenen Jahrzehnts schreiten die aufstrebenden Nationen in Fernost, Osteuropa sowie Lateinamerika deutlich schneller voran, als die industrialisierte Welt. Selbst 2009, im Katastrophenjahr des Kapitalismus, als in den USA, Europa und Japan die Wirtschaftskraft deutlich nachließ, legten die Schwellenländer noch zu. Auch gegenwärtig, so sagt Sauren mit Blick auf Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF), werden insbesondere asiatischen Aufsteigern rund um China die besten Wachstumsperspektiven zugerechnet.

Ein Grund dafür ist nach Ansicht des Investmentexperten die relativ komfortable Lage der Staatshaushalte dieser Länder. In vielen Fällen bewegt sich deren Verschuldung bei lediglich 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) oder darunter - mit abnehmender Tendenz. Hintergrund ist wiederum die gesunde Wirtschaft, die die Steuereinnahmen sprudeln lässt.

Vorteil geringe Staatsverschuldung

Die Industriestaaten dagegen leiden erheblich unter ihren hohen Schulden. Im Schnitt rangieren diese bei 60 bis 80 Prozent des BIP oder darüber. Nicht umsonst hält die Euro-Krise die Aktienmärkte seit Jahren in Atem.

Die Folge: Den Anleihen aufstrebender Staaten hat das bereits eine enorme Nachfrage beschert - und damit Wertzuwächse, die manchem wegen der Überhitzungsgefahr schon die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Um 350 Prozent gingen die Kurse von Emerging-Markets-Bonds seit 1997 nach oben. Seit 2008, dem Lehman-Jahr, gewann der Anstieg besonders an Fahrt.

Anders die Aktienmärkte. Seit der Jahrtausendwende performten die Börsen in China, Russland, Indien oder Brasilien, den viel zitierten "Bric-Staaten", zwar ebenfalls besser, als jene in Europa oder den USA. Einen Hype wie am Anleihemarkt gab es jedoch nicht. Und speziell in den vergangenen rund zwölf Monaten liefen die Indizes der Schwellenländer eher mau.

Die Entwicklung der vergangenen Wochen dagegen kann optimistisch stimmen. So wurden auch die Handelsplätze in Hongkong, Seoul, Mumbai, Moskau oder São Paulo von der Jahresendrally erfasst, die schon den Dax in Frankfurt oder den Dow Jones in New York in die Höhe trieb.

Guru Mobius bloggt Optimismus

Viele Anleger teilen offensichtlich Saurens Zuversicht und haben ihr Faible für die Schwellenländer wiederentdeckt. Das ergab beispielsweise eine aktuelle Analyse der Investmentströme passiv gemanagter Fondsprodukte, sogenannte ETPs, durch die Deutsche Bank .

J.P. Morgan ermittelte zudem in einer einzigen Woche Anfang November einen Zufluss für alle Emerging-Markets-Aktienfonds weltweit von 589 Millionen US-Dollar. Auf Jahressicht, so die Investmentbank, beträgt der Zufluss in diese Fonds gut 32 Milliarden US-Dollar, wobei etwa 72 Prozent der Summe in ETFs investiert worden seien.

Auch die Royal Bank of Scotland (RBS) weist auf den positiven Trend an den Schwellenland-Börsen hin. Der MSCI Emerging Markets Index gebe Grund zur Hoffnung, schreibt die Bank in einem Newsletter. Die Rückschlagsgefahr habe sich verringert, was dem Kursbarometer Rückenwind verleihe.

Die RBS betont wie Fondsexperte Sauren die zunehmende Bedeutung der Schwellenländer für die Weltwirtschaft. 40 Prozent trügen die aufstrebenden Staaten mittlerweile zum Welt-BIP bei. "2007 waren es noch unter 30 Prozent", so die Bank.

Zugpferd China

Vor allem China hat es den Analysten angetan. Das Land stehe vor einem Comeback, schreiben sie mit Verweis auf jüngste Konjunkturdaten wie den Einkaufsmanagerindex sowie die Industrieproduktion. Nach einem Wirtschaftswachstum von vermutlich "nur" 7,7 Prozent im laufenden Jahr, erwarten chinesische Experten laut RBS im kommenden Jahr 8,2 Prozent. Die Bank kommt daher zu einem klaren Fazit: "Die globale Wachstumslokomotive nimmt wieder Fahrt auf."

So sieht es auch James Bilson, Volkswirt der britischen Fondsgesellschaft Schroders. "Unsere Zuversicht, dass China eine sanfte Landung gelingen wird, beruht unter anderem auf den Daten zum Wohnungsmarkt", schreibt er in einer Markteinschätzung. "Die Preise dort haben sich stabilisiert und die Verkäufe zuletzt angezogen, was generell vor der Durchführung neuer Wohnbauprojekte geschieht."

Insgesamt, so Bolsons Fazit, dürften sich die jüngsten Entwicklungen in China positiv auf Risikokapitalanlagen auswirken. Schwellenmarktaktien zählen dazu, so der Experte.

Ähnlich argumentiert der Emerging-Markets-Guru Mark Mobius von Franklin Templeton Investments. Mit Blick auf die Sorgen um die USA, vor allem wegen der dortigen Haushaltsprobleme - Stichwort "fiscal cliff" - schrieb Mobius kürzlich in seinem Internetblog: "Die Abhängigkeit Asiens und der Schwellenmärkte vom Export in die nach wie vor größte Volkswirtschaft der Welt USA ist in den letzten zehn Jahren pauschal zurückgegangen."

Zeit zum Einstieg?

Wichtigstes Exportziel für Japan, Korea, die Philippinen, Vietnam, Thailand, Malaysia, Singapur und Indonesien sei dagegen heute China. "Chinas Wirtschaft ist so groß, dass der Export in die USA nur 5 Prozent seines BIP ausmacht", so Mobius.

Im Endeffekt könnte sich der Etatstreit in Washington nach Einschätzung des Experten zwar negativ auf asiatische Unternehmen auswirken, die in die USA und nach Europa exportieren. "Stärkere Unternehmen dürften das nach unserer Erwartung aber verkraften", so Mobius.

Optimismus verbreitet der Fachmann auch für weitere wichtig Schwellenländer, wie Brasilien, Russland oder Indien. "Obwohl der IWF die Prognosen des weltweiten Wachstums für 2012 und 2013 im aktuellen World Economic Outlook gesenkt hatte, fielen die Einschätzungen für die Bric-Märkte kräftiger aus als für die meisten Industriestaaten", sagt er. "Wir erwarten, dass sich dieser Trend auch 2013 und in absehbarer Zukunft fortsetzen wird."

Zeit zum Einstieg also? Fondsprofi Eckhard Sauren glaubt daran. "Für jene, die in den Schwellenländern noch nicht engagiert sind, sehe ich keinen Grund, dies jetzt nicht nachzuholen", sagt er. "Die Chance auf künftige Kursgewinne ist größer als kurzfristig in einen erneuten Abschwung zu geraten."

Als wichtiges Argument nennt Sauren auch die Bewertung der Aktien gemessen an den Kurs-Gewinn-Verhältnissen. Die falle in den Schwellenländern nicht nur im internationalen Vergleich günstig aus, sondern auch im historischen.

Fotostrecke: Schwellenland-Experte Mark Mobius über die Aussichten der Bric-Staaten


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