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04.01.2013
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Markenschwindel in Russland
Warum russische Kunden Krause und Kaiser schätzen

Von Maxim Kireev, Moskau

Gipfel-Geschirr und Krause-Stifte: Viele Schummel-Marken klingen deutsch
Fotos
DPA

Made in Germany gilt in Russland noch immer als eines der besten Kaufargumente. Um daran zu verdienen, erfinden russische Unternehmen eigene Marken, die deutsche Wurzeln vorgaukeln: Erich-Krause-Stifte, Kaiser-Geschirrspüler oder Schuhe von Münz sind heiß begehrt.

Hamburg - Erich Krause aus Deutschland kennt in Russland fast jeder. Doch die wenigsten denken dabei an den deutschen Widerstandskämpfer, der 1944 von den Nazis hingerichtet wurde. Bekannt ist der Name Erich Krause vor allem als Schreibwaren-Marke, die seine Erfinder reich gemacht hat.

Denn Erich Krause klingt ziemlich deutsch. Und alles was deutsch ist, sind die meisten Russen überzeugt, hat gute Qualität. Also verkauft es sich.

Der Moskauer Unternehmer Dmitri Beloglasow, der 1994 zum ersten Mal Erich-Krause-Stifte für seine Firma "Office Premier" in China orderte, war der Vorbote eines riesigen Trends. Findige Händler in Russland haben in den vergangenen Jahren reihenweise Marken registriert, die nach europäischer, am besten nach deutscher Qualität klingen sollten.

Münz-Schuhe, Gipfel-Geschirr, Kaiser-Geschirrspüler

So entstanden ganze Ketten, wie zum Beispiel die Geschirrläden von Gipfel oder die Schuhgeschäfte der Münz Schuhfabrik. In den Elektronikmärkten stehen Öfen und Geschirrspüler von Kaiser oder Hansa. Alles angeblich deutsche Traditionsmarken.

Wer die Illusion perfekt machen wollte, gründete zudem noch eine kleine GmbH irgendwo in Deutschland, die die Rolle des deutschen Mutterkonzerns übernehmen sollte, tatsächlich aber nur ein Alibi war. So prangt auch auf dem Tütchen mit drei Kugelschreibern von Erich Krause stolz: Erich Krause Deutschland GmbH.

Dmitiri Beloglasows Cash-Cow: Eine Alibi-Firma in Erftstadt

Die kleine Firma in Erftstadt, mit einer Bilanzsumme von knapp 50.000 Euro, ist nicht nur auf einen Herrn Beloglasow registriert. Wie zufällig hat sie die gleiche Adresse wie eine andere Firma, die gebrauchte Druckmaschinen nach Russland verkauft. Hier hören die deutschen Wurzeln von Erich Krause allerdings schon auf.

Tatsächlich stammen die Produkte solcher Firmen aus chinesischen oder direkt aus russischen Fabriken. "Russlands Verbraucher sind desinteressiert", meint der Marketingexperte Gregorij Trusow. Sie würden sich nicht selbstständig mit den eigentlichen Produkten auseinandersetzen. Gleichzeitig glauben vielen Russen, dass eine deutsche Marke quasi eine Garantie für Qualität, Langlebigkeit und Stil sei. "Dieses positive Bild bringt russische Hersteller dazu, Produktbrands zu entwickeln, die angeblich aus Deutschland stammen", erklärt Trusow.

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