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12. Dezember 2012, 19:55 Uhr

US-Notenbank

Fed setzt neue Finanzspritzen

Anleihenkäufe im Wert von 45 Milliarden Dollar - pro Monat: Die US-Zentralbank hat wieder einmal zugeschlagen. Weitere Finanzspritzen sollen die Wirtschaft auf Trab bringen. Doch Ökonomen drücken ganz andere Sorgen.

Washington - Die Fed will vom nächsten Jahr an langfristige Staatsanleihen in Höhe von monatlich etwa 45 Milliarden Dollar aufkaufen. Das teilten die Zentralbanker zum Abschluss ihrer zweitägigen Zinssitzung am Mittwoch mit.

Der Ankauf langfristiger Anleihen ersetze die sogenannte Operation Twist, die zum Jahresende ausläuft. In der 2011 aufgelegten Aktion kauft die Fed kurzfristig fällige Anleihen auf und tauscht sie gegen langlaufende Papiere um, um auf diese Weise langfristig Zinsen zu drücken. Die faktische Nullzinspolitik der US-Notenbank soll beibehalten werden, bis die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent fällt. Derzeit liegt die Rate bei 7,7 Prozent.

Der im September beschlossene Ankauf von Hypothekenpapieren in Höhe von 40 Milliarden Dollar (rund 31 Mrd Euro) monatlich soll ebenfalls fortgesetzt werden, wie die Fed weiter bekanntgab.

Die weiteren geldpolitischen Lockerungen waren allgemein erwartet worden: Fed-Chef Ben Bernanke deutete in den vergangenen Wochen mehrfach weitere Schritte an, um der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen. Ziel ist es, zusätzliches Geld in die Wirtschaft zu pumpen, langfristige Zinsen niedrig zu halten und so Investitionen anzukurbeln.

Politik des super-billigen Geldes bleibt umstritten

Bereits bevor die Zentralbanker ihre Entscheidung am Mittwoch offiziell verkündeten, gaben die Dollarwerte an den Märkten nach. Selbst innerhalb der Fed-Führung ist die seit der schweren Finanzkrise 2008 anhaltende Politik des super-billigen Geldes nicht unumstritten.

Mehr noch: Das "Wall Street Journal" berichtet von einer eigenen Umfrage, wonach eine Mehrheit von 52 Prozent der befragten Volkswirte weitere Ankäufe von Staatsanleihen ablehnen. Ziel der Fed-Strategie ist es, durch die Anleiheaufkäufe die langfristigen Zinsen niedrig zu halten, um Investitionen anzuspornen. Dass dies gelingt, bezweifeln Kritiker nicht einmal - aber die fürchten, dass langfristige Negativfolgen größer ausfallen als kurzfristige Erfolge.

"Er bringt die Marktpreise durcheinander und schafft Probleme für die Zukunft", zitiert das Blatt John Silvia, Chefökonom von Wells Fargo Securities. "Die Fed muss etwas zurückschrauben und die Zinsen ein kleines bisschen ansteigen lassen." Zu Deutsch heißt die Warnung: Achtung, es ist zu viel billiges Geld in Umlauf.

Die Probleme des billigen Geldes

Auch in Europa werden die kritischen Stimmen immer lauter. "Einen Sinn sieht außerhalb des Federal Reserve System kaum jemand mehr in noch mehr QE", heißt es in einer Analyse der Commerzbank. "QE" steht für Quantitative Easing, für geldpolitische Lockerungen. "In Wahrheit hilft mehr Liquidität niemand mehr." Von "ultra-expansiver Geldpolitik" spricht die Analyse - die meisten Europäer waren immer schon dagegen.

Tatsächlich geht es mit der US-Wirtschaft trotz faktischer Null-Zinsen nur in Trippelschritten aufwärts. So bekräftigt die Fed ihre Sorge und fürchtet, ohne Hilfen "dürfte das Wirtschaftswachstum nicht stark genug sein, um anhaltende Verbesserungen der Arbeitsmarktbedingungen zu erreichen". Nach wie liegt die Arbeitslosenquote bei 7,7 Prozent - doch die eigentlichen Sorgen der Fed sind ganz andere.

Bernanke warnt eindringlich vor der Fiskalklippe

Seit Monaten warnt Bernanke vor drohenden desaströsen Folgen der "Fiskalklippe". Sollten Präsident Barack Obama und die Republikaner bis Jahresende keinen Kompromiss finden, droht schwere Unbill für das zarte Pflänzchen Konjunktur in den USA. Ohne eine Einigung treten Etatkürzungen und Steuererhöhungen im Umfang von 600 Milliarden Dollar (458 Milliarden Euro) in Kraft - mit vermutlich verheerenden Folgen für die Weltwirtschaft.

Konkret könnten die Steuererhöhungen bedeuten, dass amerikanische Durchschnittsfamilien im Jahre 3000 Dollar weniger auf dem Konto haben. Insgesamt könnten 3,4 Millionen Arbeitsplätze verloren gehen. Ein Rückfall in die Rezession erscheint unausweichlich - falls es in Washington nicht bis Jahresende eine Einigung gibt.

Für Bernanke ist die "Fiskalklippe" schlichtweg ein Alptraum. Niemand in Washington hat in den vergangenen Monaten eindringlicher davor gewarnt. Die Weihnachtgeschenke, die die Fed jetzt verteilt, sind auch als Vorab-Maßnahme für den drohenden Absturz von der Klippe zu verstehen.

la/dpa


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