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12. Dezember 2012, 07:11 Uhr

Millionenverluste

Anleger planen Gemeinschaftsklage gegen NordLB

Von Christoph Rottwilm

Novum am Fondsmarkt: Die Anleger zweier Beteiligungsgesellschaften tun sich zusammen, um gemeinsam die NordLB zu verklagen. Die Investoren verlangen Ersatz für einen Millionenverlust, der durch zwei Schiffspleiten entstanden ist.

Hamburg - Dass einzelne Anleger juristisch gegen Fondsanbieter oder Vertriebsgesellschaften vorgehen, kommt häufiger vor. Dass jedoch die Anleger eines Fonds gemeinsam eine Bank verklagen, ist trotz der gegenwärtigen Krise, in der sich hunderte maritime Beteiligungsgesellschaften in Schieflage befinden, nach Einschätzung von Marktbeobachtern ein Novum.

Investoren der Schiffsfonds MS "Pride of Madrid" sowie MS "Pride of Paris" vom Hamburger Emissionshaus Ownership haben genau das vor: Gemeinsam wollen sie die Norddeutsche Landesbank (NordLB) auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagen.

Beide Fonds, die in je einen Mehrzweckfrachter investiert hatten, mussten im Frühjahr 2012 Insolvenz anmelden, nachdem die NordLB als führender Kreditgeber sämtliche Darlehen fällig gestellt hatte. Die Schiffe waren Anfang 2011 durch den Kollaps der Bremer Beluga-Gruppe in Schieflage geraten.

Nach der Pleite der Fonds ließ die Landesbank die Schiffe versteigern, was für die Fondsanleger vorausichtlich den Verlust des gesamten Eigenkapitals zur Folge hat. Beide Fonds wurden 2007 am Beteiligungsmarkt platziert. Jeweils rund 300 Investoren steckten knapp zehn Millionen Euro in jedes der Schiffe. Hinzu kamen Darlehen in Höhe von je etwa 13,7 Millionen Euro.

Versteigerungen in Rotterdam und der Karibik

Nach der Pleite jedoch kam die "Pride of Madrid" Anfang Juni auf der Karibikinsel Aruba für lediglich 10,5 Millionen Euro unter den Hammer. Die "Pride of Paris" brachte per Auktion Mitte Juli in Rotterdam 10,25 Millionen Euro.

Käufer war in beiden Fällen die noch junge Hamburger Gesellschaft Auerbach Schifffahrt, die von der NordLB als so genannter Sicherungspartner mitgebracht worden war. Das heißt, die Bank hatte Auerbach bereits im Vorfeld der Auktionen ins Boot geholt, um nicht selbst auf den Schiffen sitzen zu bleiben oder ein zu niedriges Gebot akzeptieren zu müssen. Die NordLB stellte Auerbach für den Erwerb auch erneut Darlehen von jeweils gut sieben Millionen Euro.

Die Krux aus Sicht der Ownership-Fondsanleger war jedoch: Die Versteigerungserlöse deckten vermutlich gerade einmal die noch offenen Bankschulden der Schiffe. Zwar liegt die endgültige Abrechnung der Verkäufe nach Angaben von Ownership noch nicht vor. So wie es aussieht bleibt für die Anleger jedoch nichts übrig.

Und damit nicht genug: Zusätzlich müssen die Investoren damit rechnen, dass der Insolvenzverwalter beider Fonds auch die bereits erhaltenen Ausschüttungen in Höhe von insgesamt bis zu 18 Prozent der Einlage zurückfordern wird.

500.000-Euro-Einsatz lässt auf Millionen hoffen

Kein unerheblicher finanzieller Schaden also auf Seiten der Fondsgesellschafter. Verantwortlich machen sie dafür vor allem die NordLB. Der Vorwurf: Die Bank habe die Darlehen fällig gestellt, obwohl die Fonds hätten weitergeführt werden können. Sowohl dafür erforderliches frisches Kapital als auch eine neue Bereederungsgesellschaft für beide Schiffe hätten bereit gestanden.

Ein Sprecher der NordLB wies die Vorwürfe gegenüber manager magazin online als haltlos zurück, wollte sich aber unter Verweis auf das Bankgeheimnis zu Details nicht äußern. Erst vor wenigen Tagen musste die Bank wegen problematischer Schiffskredite einen massiven Gewinneinbruch melden.

Auf Seiten der Anleger wurde indes bereits eine Gesellschaft namens "Interessengemeinschaft Pride Schiffe UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG" gegründet, die beiden Schiffsfonds die Rechte an den Frachtern abkaufen und daraufhin den Rechtsweg beschreiten soll.

50.000 Euro Kaufpreis, 500.000 Euro Einsatz

Zu dem Zweck benötigt die Gesellschaft allerdings Geld. Die Initiatoren rechnen damit, dass das gesamte Vorhaben inklusive des Gangs durch mehrere Instanzen insgesamt bis zu 500.000 Euro verschlingen könnte. Die sollen nun in den kommenden Wochen von Investoren eingezahlt werden, wobei die Anleger der Pride-Fonds bei der Zeichnung ein Vorrecht haben. Nimmt jeder Anleger entsprechend seines Fondsanteils teil, so lässt sich errechnen, dann ergibt sich für ihn ein Aufwand von knapp 2,8 Prozent seines einst eingezahlten Eigenkapitals.

Bevor geklagt werden kann, muss die Interessengemeinschaft allerdings zunächst den Fondsgesellschaften, vertreten durch deren Insolvenzverwalter, die Rechte an den Schiffen abkaufen. Eingeplant ist dafür ein Kaufpreis von jeweils 50.000 Euro, der bereits durch die Gläubigerversammlungen der Schiffe abgesegnet wurde.

50.000 Euro Kaufpreis, 500.000 Euro Einsatz - bei einem erhofften Schadensersatz in Millionenhöhe können diese Summen zweierlei signalisieren: Entweder eine ordentliche Renditechance oder geringe Erfolgsaussichten, je nach Perspektive.


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