Sonntag, 29. März 2015

Euro-Krise Deutschland auf Bewährung

Gespaltene Region: Europa vertraut Deutschland in der Euro-Frage zunehmend weniger
Getty Images
Gespaltene Region: Europa vertraut Deutschland in der Euro-Frage zunehmend weniger

Der deutsche Kurs stößt zunehmend auf Kritik bei den Euro-Partnern. Am Ende könnte die Bundesrepublik zum Opfer der Schuldenkrise werden: Spitzt sich die soziale Lage in Europas Südstaaten weiter zu, droht ein dauerhafter Vertrauensschwund.

Hamburg - "Da ist Licht am Ende des Tunnels." Immer wieder habe ich diesen Satz bei Recherchen in den vergangenen Wochen gehört. Und auch diesen: "Warten Sie's ab, die Therapie wirkt." Oder diesen: "Die Talsole ist bald erreicht, spätestens ab nächsten Sommer geht es aufwärts."

Es sind Sätze, die die bisherigen Anti-Euro-Krisenstrategie rechtfertigen sollen. Sie wollen begründen, warum Europa am eingeschlagenen Weg festhalten soll, kann, muss. Sparen und Lohnsenkungen zahlen sich aus - so lautet die Botschaft.

Doch der Druck wächst, die Therapie abzusetzen und etwas Neues zu versuchen. Nicht nur Politiker, Medien und Normalbürger, auch viele Manager in Frankreich oder Italien sind inzwischen ernstlich erbost über die Deutschen, die ihrer Meinung nach große Teile Europas in die Depression stürzen. Das Vertrauen in die deutsche Solidarität, Zuverlässigkeit und Europa-Treue schwindet, wie wir in einem Report im aktuellen Heft analysieren.

Für die Partner in Europa summiere sich die unnachgiebige deutsche Haltung zu einem "verstörenden Gesamtbild", sagt Beraterlegende Roland Berger. "Dass in Deutschland die alten Vorurteile gegenüber den Südeuropäern wieder salonfähig sind, bekommen wir jetzt in Form von Standardressentiments über das angebliche Vormachtstreben der Deutschen zurück."

Scheitert am Ende Deutschland an der Euro-Krise?

Die Reputation als kooperative, wohlmeinende Führungsmacht ist jedenfalls angekratzt. Deutsche Emissäre von EU-Kommission, EZB und IWF trauen sich in den Euro-Südstaaten nur noch mit Bodyguards unter die Leute. Weil die Hälfte der jüngeren Menschen von Griechenland bis Portugal keinen Job mehr findet, weil bisherige Mittelschichtsbürger finanziell weder ein noch aus wissen, weil die Schuldenlasten dennoch weiter steigen, schwindet das Vertrauen in die Sinnhaftigkeit der bisherigen Strategie.

Es gibt einige Indikatoren, die Besserung verheißen und die deshalb von den Verteidigern der Austerität begeistert aufgegriffen werden: Die Leistungsbilanzdefizite gehen zurück, die Exporte steigen (sogar im chronisch strukturschwachen Griechenland), die Wettbewerbsfähigkeit legt zu, die Lohnstückkosten sind seit 2008 um rund ein Sechstel gesunken.

Leider zahlen sich die Anstrengungen nicht aus. Das Wachstum setzt nicht ein, große Teile der Euro-Zone bleiben 2013 in der Rezession, der Arbeitsmarkt bessert sich nicht, es wird kaum investiert. Warum? Weil die hohen Schulden der Bürger, Unternehmen und Staaten die Dynamik ersticken.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH