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27.11.2012
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Verhandlungen zum "fiscal cliff"
"Russisches Roulette mit der US-Wirtschaft"

Von Markus Gärtner

5th Avenue in New York: Während an der Wall Street die Kurse wieder steigen, geben die Konsumenten wegen der drohenden Steueranhebungen schon jetzt vorsichtiger Geld aus
REUTERS

5th Avenue in New York: Während an der Wall Street die Kurse wieder steigen, geben die Konsumenten wegen der drohenden Steueranhebungen schon jetzt vorsichtiger Geld aus

Die Sparverhandlungen in Washington gehen diese Woche in die zweite Runde. Jetzt geht es ans Eingemachte. Doch während die Wall Street ihre Furcht vor dem "fiscal cliff" bereits abstreift, wird deutlich, dass die US-Wirtschaft längst Blessuren abbekommen hat. Dem Einzelhandel läuft die Zeit davon.

Vancouver - Die Wall Street hat ihre Angst vor dem fiskalischen Kliff vorübergehend abgelegt. Das zeigt der deutliche Kursanstieg am Aktienmarkt in der vergangenen Woche. Doch Konsumenten und Firmen leiden schon jetzt unter der Unsicherheit, die das "fiscal cliff" mit sich bringt: Ab dem 1. Januar drohen automatische Steuererhöhungen und Budgetkürzungen, wenn Präsident und Kongress bis Jahresende kein gemeinsames Sparpaket schnüren.

Egal, was am Ende passiert, auf Amerikas Verbraucher kommt im Minimum eine Mehrbelastung von 218 Milliarden Dollar zu. Das haben die Analysten bei Goldman Sachs ausgerechnet. Autos, iPads, Möbel, Bekleidung und Sportartikel könnten demnach weniger nachgefragt werden. Davor fürchten sich Firmen bis ins Nachbarland Kanada, das 76 Prozent seiner Exporte an die USA verkauft. Craig Alexander, ein Volkswirt bei der Toronto-Dominion Bank, fürchtet, dass ein Sturz über das Kliff in Washington "das Wachstum in Kanada auslöscht."

Umfragen belegen, dass die US-Konsumenten wegen der drohenden Steueranhebungen schon jetzt vorsichtiger Geld ausgeben. Laut der Consumer Electronics Association geben 51 Prozent von ihnen an, wegen der Risiken die Ausgaben im angelaufenen Weihnachtsgeschäft zu beschränken.

Auch die National Retail Federation - der Verband der Einzelhändler in den USA - hat sich umgehört. In der Befragung von 3.300 erwachsenen Konsumenten gaben 64 Prozent an, dass "die politische und wirtschaftliche Unsicherheit auf den geplanten Ausgaben lastet."

Dem Einzelhandel läuft die Zeit davon

Diese Zahl hat den Präsidenten des Einzelhandels-Verbandes, Matthew Shay, derart alarmiert, dass er ein dringendes Schreiben an Barack Obama verfasste und eine eilige Lösung anmahnte. Doch da tourte Obama gerade durch Asien. Erst in dieser Woche, reichlich drei Wochen nach seiner Wiederwahl, werden sich die Top-Repräsentanten der beiden großen Parteien zur zweiten Gesprächsrunde bei Obama einfinden. Die Eile, die in der US-Wirtschaft angemahnt wird, scheint bei der politischen Führung des Landes nicht zu herrschen. Deshalb mahnen auch Ökonomen das politische Washington, mindestens einen Gang zuzulegen.

"Das fehlende Momentum in Washington beginnt, auf die Psyche der Konsumenten durchzuschlagen", sagt beispielsweise Tom Porcelli, der US-Chefökonom bei der kanadischen Investmentbank RBC Capital Markets, "immer mehr Amerikaner werden gewahr, dass ihre Steuern ansteigen werden, und die Kaufzurückhaltung wird daher zunehmen."

Wie stark, darüber streiten sich Analysten, Fondsmanager und Konsumforscher. Die Verbraucher werden das Kliff weitgehen ignorieren, behaupten Optimisten wie die bei Mastercard und Moody's, die jedoch einräumen, der Umsatzzuwachs im Einzelhandel werde im Weihnachtsgeschäft 2012 nicht so stark ausfallen wie in den beiden Vorjahren.

Viele Beobachter der US-Konjunktur bezweifeln, dass überhaupt ein Zuwachs zu erwarten ist. Die University of Michigan musste vor einer Woche ihre ursprüngliche Berechnung für den Index des Konsumenten-Vertrauens von 84,9 auf 82,7 Zähler korrigieren. Das kommt zu einer Zeit, in der sich der Konsum in den USA ohnehin abschwächt. Inflationsbereinigt sind die Löhne in den vergangenen 12 Monaten 0,5 Prozent gesunken.

Die Kreditkarten werden derzeit lediglich für 10 Milliarden Dollar mehr in Anspruch genommen als am Tiefpunkt des aktuellen Zyklus Anfang 2011, sagt Porcelli. Mehr noch: Ein Großteil des Konsums im dritten Quartal wurde aus den Sparbüchern gespeist. Die Sparquote sank von 4,4 Prozent im Juni auf 3,3 Prozent im September. Das können Amerikas Konsumenten nicht beliebig fortsetzen.

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