Montag, 10. Dezember 2018

Autonomy-Zukauf HP schreibt neun Milliarden Dollar ab

HP-Chefin Meg Whitman: "Die Mehrheit des Topmanagements war hier und hat dem Kauf seinerzeit zugestimmt, und wir fühlen uns deshalb furchtbar"

Ein noch vom deutschen Ex-Konzernchef Léo Apotheker eingefädelter Zukauf entpuppt sich für Hewlett-Packard als Milliardengrab. Der Konzern schreibt fast neun Milliarden Dollar ab, der Kurs bricht ein. HP-Chefin Meg Whitman "fühlt sich furchtbar" - und greift ihren Vorgänger Apotheker scharf an.

Palo Alto - Wegen erst jetzt entdeckter "ernsthafter Unregelmäßigkeiten" und "massiver Ungenauigkeiten" in der Bilanzierung des Softwareunternehmens Autonomy schreibt der US-Computerkonzern Hewlett-Packard 8,8 Milliarden Dollar in den Wind. Damit löst sich fast der komplette Kaufpreis von damals gut zehn Milliarden Dollar auf.

Das HP-Management kündigte an, gegen die frühere Unternehmensspitze von Autonomy Schadenersatzforderungen zu prüfen. Man sei offenbar bewusst hinters Licht geführt worden. Durch die Abschreibung liege der Verlust im vierten Geschäftsquartal (August bis Oktober) bei 6,9 Milliarden Dollar, teilte HP mit.

An der Wall Street kam die Nachricht schlecht an: Der Kurs von HP Börsen-Chart zeigenbrach um rund 14 Prozent ein. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen gab im frühen Handel um 0,4 Prozent auf 12740 Zähler nach.

Firmenchefin Meg Whitman war angesichts der mutmaßlichen Mauscheleien in den Autonomy-Büchern außer sich. "Die Mehrheit des Top-Managements war hier und hat dem Kauf seinerzeit zugestimmt, und wir fühlen uns deshalb furchtbar", sagte sie. Verantwortlich für die 11,5 Milliarden Dollar schwere Übernahme seien allerdings vor allem ihr kurzzeitiger deutscher Vorgänger Leo Apotheker und der einstige Strategiechef Shane Robison gewesen.

Den Wirtschaftsprüfern Deloitte und KPMG warf Whitman indirekt Versagen vor. Beide hätten die Unregelmäßigkeiten nicht bemerkt. HP habe sich an die US-Börsenaufsicht und deren Amtskollegen in Großbritannien gewandt, um den angeblichen Schwindeleien nachzugehen. Ihr Haus werde straf- und zivilrechtliche einleiten, "um für die Aktionäre zu retten, was zu retten ist".

Schwere Vorwürfe gegen Autonomy

Die Vorwürfe gegen das frühere Management von Autonomy wiegen schwer. So hätten die Manager vor dem Erwerb durch HP die Planungszahlen aufgepumpt, teilte der Hardwarekonzern mit. Investoren und potenzielle Käufer seien arglistig getäuscht worden. Die Bewertung des Unternehmens sei dadurch viel zu hoch gewesen.

Die Sache sei aufgeflogen, nachdem sich ein hochrangiger Autonomy-Manager nach dem Abgang des Firmengründers Mike Lynch offenbart habe. HP habe nun die Wirtschaftsprüfer PWC angeheuert, um die alten Autonomy-Bilanzen weiter zu durchforsten.

Der frühere Autonomy-Chef Lynch reagierte überrascht auf die Anschuldigungen. Er prüfe derzeit die Veröffentlichungen von HP und werde sich nach einer Telefonkonferenz zu Wort melden, sagte eine Sprecherin.

Für Analysten kam die Abschreibung nach der elf Milliarden Dollar schweren Wertberichtigung auf das Servicegeschäft (EDS) nur bedingt überraschend. "Nach der EDS-Abschreibung war die Frage, wann der gleiche Schritt für Autonomy folgt", sagte Gartner-Experte Neil MacDonald. "Wenigstens haben sie das jetzt geradegezogen."

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