Dienstag, 30. August 2016

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Barrick Gold Dubiose Deals des weltgrößten Goldkonzerns

Pascua-Lama-Mine von Barrick Gold: Wichtige Konzessionen sind nicht namentlich auf den Konzern eingetragen - dies beschäftigt in Chile die Gerichte
REUTERS / Barrick
Pascua-Lama-Mine von Barrick Gold: Wichtige Konzessionen sind nicht namentlich auf den Konzern eingetragen - dies beschäftigt in Chile die Gerichte

Das Minenprojekt Pascua Lama in Südamerika ist der wichtigste Vermögenswert des weltgrößten Goldkonzerns Barrick Gold. Doch ein Unternehmer behauptet, er besitze dort Schürfrechte. Mehrere Prozesse laufen. Die Geschichte eines abenteuerlichen Streits.

Buenos Aires - Wenn der Mann mit dem markanten Mittelscheitel in Fahrt kommt, gibt es kein Halten mehr. Jorge Lopehandía Cortés (58) ist chilenisch-kanadischer Minenunternehmer - und im Hauptberuf der wohl hartnäckigste Gegner des weltgrößten Goldproduzenten Barrick Gold Börsen-Chart zeigen. Er hetzt durch seine Lebensgeschichte, als ob er sie in einem Atemzug erzählen könnte, reiht Anschuldigung an Anschuldigung. Von "Finanzterrorismus" spricht er, von organisiertem Verbrechen. "Barrick hat mich, meine Familie und meine Partner eineinhalb Jahrzehnte lang betrogen und kriminell verfolgt."

Unsinn, sagt Barrick-Sprecher Andrew Lloyd. Das Gegenteil sei der Fall: "Diese Person verfolgt uns seit Jahren". Wer hier wen kriminell verfolgt hat, darüber muss nun die Justiz in Chile befinden.

Denn der seit 2001 lodernde Rechtsstreit zwischen Lopehandía und seinen Partnern auf der einen Seite und Barrick auf der anderen wird gerade neu aufgerollt. Streitobjekt sind Schürfrechte für die mutmaßlich ertragreichste Goldmine der Welt: Pascua Lama im Grenzgebiet zwischen Chile und Argentinien.

Das Bergwerk ist Barricks wichtigste Quelle künftiger Gewinne, voraussichtliches Investitionsvolumen: 8,5 Milliarden Dollar. 2014 soll die Produktion dort starten.

Lopehandía beharrt jedoch darauf: Er und nicht Barrick sei im Besitz gültiger Konzessionen auf einem entscheidenden Teil des Gebiets. Aus dem chilenischen Minenregister geht hervor, dass Lopehandía 2011 Schürfrechte dort eingetragen hat; sie sind als "in Bearbeitung" geführt und überlagen die von Barrick reklamierten Konzessionen. Schon Mitte der 90er Jahre besaß er dort Schürfrechte, seitdem herrscht auf dem Gebiet ein Durcheinander von Titeln. Zwei und in einigen Phasen sogar drei sich überlappende Schürfrechte bedecken bis heute einen zentralen Teil von Pascua Lama. Das Chaos müssen neue Prozesse nun entwirren. In diesen Tagen stehen neue Gerichtstermine an.

Streit um Schürfrechte: Bündel von Verfahren gegen Barrick

Der Unternehmer und seine Geschäftspartner haben seit 2011 ein Bündel von Verfahren gegen Barrick an mehreren Gerichten in Chile in Gang gebracht. Zwei davon haben zum Ziel, Konzessionen des Konzerns außer Kraft zu setzen. Zudem verfolgt die Staatsanwaltschaft in Santiago Strafanzeigen gegen eine Reihe von Konzernverantwortlichen, darunter der geschäftsführende Vorstand Igor González; es geht um die vermeintliche Fälschung des bilateralen Vertrags zwischen Chile und Argentinien, des "Pascua-Lama-Protokolls" von 2004, das die grenzüberschreitende Produktion erst ermöglicht hat.

Darüber hinaus soll das Pascua-Lama-Protokoll für ungültig erklärt werden. Das würde ein politisches Erdbeben in den beiden Ländern auslösen, denn der auf Barrick zugeschnittene Vertrag ist ohnehin umstritten.

Lopehandía ist kein Einzelkämpfer. Gegen eine Option auf Anteile an der Mine finanziert die kanadische Bergbaufirma Mountainstar Gold die Klagen. Die Verfahren seien "weit fortgeschritten" und würden "auf hoher Ebene" von der Justiz voran getrieben, sagt Mountainstar-Chef Brent Johnson. Er sagte kürzlich mehrere Stunden vor einem Staatsanwalt aus, da Barrick Lopehandía und Mountainstar diffamiere und die Öffentlichkeit angeblich durch Falschaussagen in Pressemitteilungen belüge.

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