Dienstag, 11. Dezember 2018

US-Wahl Amerika schöpft neue Zuversicht - bis auf die Job-Verschwörer

Die Job-Verschwörer: Wirtschaftsikonen zweifeln US-Statistik an
AP

Die weltgrößte Volkswirtschaft geht auf Erholungskurs. Dass die Zahl der Jobs in den USA kurz vor der Wahl steigt, nehmen aber nicht alle als gute Nachricht. Um die wichtigste Wirtschaftsstatistik kreisen wilde Verschwörungstheorien.

Hamburg - Jetzt muss Jack Welch sich wieder melden. Der einstige Managementguru hat sich so weit aus dem Fenster gelehnt, als er vor einem Monat die erstmals seit Amtsantritt von Präsident Barack Obama unter 8 Prozent gerutschte Arbeitslosenquote "gefälscht" nannte, dass er die neue Statistik nicht einfach akzeptieren kann. Nicht so kurz vor der laut Umfragen so knappen Wahl.

171.000 neue Jobs seien im Oktober entstanden, teilte das Arbeitsministerium in Washington an diesem Freitag mit - und korrigierte außerdem die für die Vormonate gemeldeten Zahlen nach oben. Die Arbeitslosenquote sei zwar einen Zehntelpunkt auf 7,9 Prozent gestiegen, aber nur weil sich wieder mehr Bewerber fanden, die zuvor die Stellensuche aufgegeben hatte. Laut dem Wahlforscher Nat Silver vom Blog "Fivethirtyeight" der "New York Times" sind Jobgewinne von mindestens 150.000 pro Monat "Obamas magische Zahl", die den Amtsinhaber zum Favoriten machen. Der Durchschnittswert für 2011 und 2012 liegt jetzt leicht über dieser Marke.

Welch hat mit seinem Fälschungsvorwurf viel dazu beigetragen, dass die Arbeitslosenquote "die politischste Zahl da draußen" ist, wie der langjährige Chef von General Electric Börsen-Chart zeigen und Erfinder des Begriffs der "Low Performer" es nennt. Obama selbst hatte einst erklärt, man solle ihn an dieser Zahl messen. Doch wie soll das gehen, wenn der Maßstab selbst nun infrage gestellt wird?

Aus Sicht der Konservativen ist der Beweis für Betrug erbracht

Die Wut des republikanischen Lagers nährt eine Verschwörungstheorie, die keine Wahrheit jenseits der eigenen Wahrnehmung zulässt - der Staat steht immer als Betrüger da. Senator Chuck Grassley unkte am Montag, als eine Verschiebung des neuen Arbeitsmarktberichts wegen des Hurrikans "Sandy" im Raum stand, die Regierung wolle die schlechten Daten unter diesem Vorwand bis nach der Wahl zurückhalten.

J.D. Foster von der konservativen Heritage-Stiftung wies die Idee, die September-Statistik könne gefälscht sein, zwar als absurd zurück - schob aber nach, wenn der "statistische Ausreißer" im Oktober nicht korrigiert werde, "dann wissen wir, dass die Regierung mit den Zahlen gespielt hat". Das wäre jetzt also der Fall.

Demnach müsste jedoch auch der private Dienstleister ADP Teil der Verschwörung sein, der für rund 600.000 Firmen Teile der Personalverwaltung übernimmt. ADP veröffentlichte nämlich bereits am Donnerstag seinen eigenen Arbeitsmarktbericht für Oktober, und der wies 158.000 neue Jobs in Privatbetrieben ohne Landwirtschaft aus. Besonders am Bau und in der Finanzbranche ging es demnach voran, während die Industrie wieder leichte Stellenverluste meldet.

"Das Plus im Oktober liegt im Schnitt der vergangenen zwei Jahre, mit solidem wenn auch nicht überragendem Wachstum quer durch die meisten Branchen und Betriebsgrößen", erklärt Moody's-Chefökonom Mark Zandi. "Die Unternehmen sind in den vergangenen Monaten vorsichtiger geworden, das schlägt sich aber noch nicht in Einstellungen oder Entlassungen nieder."

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH