Dienstag, 17. Oktober 2017

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Tablet-Markt Das Strategie-Patt zwischen Apple, Amazon und Co.

4. Teil: Amazon: Die Öllampenhändler

Verdient mit dem Warenverkauf über Tablets Geld: Amazon
Geschäftsmodell: Es ist nicht so, dass der Amazon-Gründer Jeff Bezos die Aktionäre nicht gewarnt hätte als er seinen Konzern im Jahre 1997 an die Börse führte. "Es geht nur um das Langfristige", schrieb er ihnen damals ins Börsenprospekt. Und daran hat er sich bis heute gehalten. Mit der Konsequenz, das Amazon Börsen-Chart zeigen - an der Börse mit rund 110 Milliarden Dollar bewertet - im letzten Quartal nur einen Gewinn von gerade einmal sieben Millionen Dollar erwirtschaftet hat.

Der Grund für das magere Ergebnis: Jeff Bezos investiert seit mehr als einem Jahrzehnt in das Geschäftsmodell des weltgrößten Online-Einzelhändlers. Verkaufte Amazon zum Börsengang noch ausnahmslos Bücher, wuchs die Produktpalette mit der Zeit auf praktisch alle greifbaren Güter an. Doch damit nicht genug: Seit einigen Jahren wendet sich Bezos auch der Welt der virtuellen Waren zu. Über "Amazon MP3", "Lovefilm" oder den "Kindle Store" für elektronische Bücher vertreibt der Konzern inzwischen ein digitales Medienangebot, das dem Apples nicht nachsteht.

Strategie: Die Entscheidung Bezos', mit dem "Kindle Fire" im Tablet-Markt gegen Apple und Google anzutreten, folgt dabei einer klaren Strategie: Der Amazon-Chef möchte sicherstellen, dass sich Kunden im mobilen Internet für seine Bücher, seine Musik, Filme und und künftig auch Spiele entscheiden - und sie nicht bei der Konkurrenz im iTunes Store oder bei Google Play die Kreditkarte zücken.

Den Start für die Tablet-Offensive legte Amazon dabei schon im November 2007, als der Konzern erstmals sein E-Book-Lesegerät Kindle vorstellte. Das Gerät gab Amazon-Kunden die Möglichkeit, eine Bibliothek an Büchern in die Jackentasche zu stecken. Und es gab Amazon die Möglichkeit, die Kunden über den Kindle Store an sich zu binden. Inzwischen hat der US-Konzern sein Lesegerät zu einem vollwertigen Mini-Tablet ausgebaut, dessen Tonqualität und Bildschärfe für den Konsum von Musik und Videos optimiert ist.

Das Prinzip, mit dem Bezos seine Kindles in den Markt drückt, ist dabei jenes, mit dem schon der Öl-Tycoon John D. Rockefeller zum reichsten Unternehmer seiner Zeit aufstieg. Rockefeller brachte einst Öllampen zu sehr niedrigen Preisen unters Volk. Nur um danach mit dem Öl, dass für den Betrieb der Lampen benötigt wurde, Geld zu verdienen.

"Wir wollen Geld verdienen, wenn unsere Kunden die Geräte benutzen, nicht wenn sie sie kaufen", sagt Amazon-Chef Bezos. Wie sein Vorbild Rockefeller verschleudert er das aktuelle "Kindle Fire HD" geradezu. Ab diesem Donnerstag wird es in Deutschland für 159 Euro ausgeliefert. Es ist somit noch günstiger als das schon preisaggressive Mini-Tablet "Nexus 7" von Google, das in Deutschland für 199 Euro zu haben ist.

Besonders bizarr ist, dass Amazon auch deshalb so günstige Tablets bauen kann, weil der Konzern auf das von Google entwickelte Betriebssystem Android zurückgreift. Anders als andere Tablet-Hersteller, hat Amazon allerdings Google-Dienste wie "Google Play" von den Geräten verbannt, um diese durch eigene zu ersetzen.

Wie Amazon bei den restlichen Komponentenpreisen kalkuliert, darüber gibt es nur Vermutungen. Für das Vorgängermodell des neuen Kindle Fire schätzen etwa die Analysten der Royal Bank of Scotland, legte Amazon etwa zwei Euro pro Modell drauf. Den Gewinn aus Medienverkäufen taxierten die Experten hingegen auf 136 Dollar. Die Analysten der Susquehanna International Group schätzen die Gewinne, die Amazon über den Verkauf von E-Büchern, Filmen oder Songs pro Gerät erwirtschaftet auf rund 150 Dollar.

Dass sich das Geschäft mit den Billig-Tablets für den Online-Händler aus Seattle rechnen wird, davon ist auszugehen. Bei einem anderen Konzern aus Seattle, der in diesen Tagen sein eigenes Tablet offiziell in den Markt einführt, ist der Erfolg schon ungewisser: Microsoft Börsen-Chart zeigen.

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