Euromanager magazin RSS  - Euro

Alle Artikel und Hintergründe


18.09.2012
Twitter GooglePlus Facebook

Schuldenkrise
Wohin uns die Euro-Krise führt

Von Henrik Müller

EZB-Gebäude in Frankfurt am Main: Um die Euro-Krise zu bewältigen, ist ein Kraftakt historischen Ausmaßes nötig
REUTERS

EZB-Gebäude in Frankfurt am Main: Um die Euro-Krise zu bewältigen, ist ein Kraftakt historischen Ausmaßes nötig

Auch die EZB kann die Euro-Krise nicht lösen. Wenn es nicht gelingt, der grimmen Gegenwart eine positive Euro-Vision entgegenzustellen, dann ist der Gelduntergang programmiert, schreibt Henrik Müller in seinem Buch "Euro-Vision". manager magazin online präsentiert Auszüge.

Euro-Müdigkeit macht sich breit. Das Verfassungsgericht mag den ESM-Start erlaubt und die EZB die Märkte beruhigt haben. Doch die Bürger sind des Rettens überdrüssig. Der Grundton der Debatte hat sich verändert. Lasst uns endlich eingestehen, dass die Währungsunion ein Irrtum war, sagen die Gelduntergangspropheten.

Denn unter dem Euro-Regime werden so unterschiedliche Nationen wie Griechenland und Deutschland in eine gemeinsame monetäre Zwangsjacke geschnürt, die keinem der beteiligten Völker passt. Schluss, aus, Ende - das sei die beste Lösung.

Tatsächlich ist es relativ leicht, eine negative Zukunftsvision für den Euro auszubreiten. Warum die Währungsunion bestehen bleiben soll, ist dagegen schwieriger zu begründen. So tief ist die Krise, in der Europa derzeit steckt, dass es einiger Fantasie bedarf, um sich vorstellen zu können, wie das Euro-Land in zehn oder zwanzig Jahren aussehen kann: Schließlich sind die Schulden der europäischen Volkswirtschaften heute so hoch wie nie zuvor; die Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Volkswirtschaften driftet immer weiter auseinander; die politischen Gemeinsamkeiten in der europäischen Politik scheinen ausgeschöpft.

Es steht viel auf dem Spiel: Wenn es nicht gelingt, der grimmen Gegenwart eine positive Euro-Vision entgegenzustellen, dann dürfte die Euro-Zone tatsächlich zerfallen. Dann ist der Gelduntergang programmiert.

Warum man den Euro retten sollte

Es geht um nichts weniger, als durch einen kollektiven Willensakt den scheinbar vorgezeichneten Lauf der Geschichte zu ändern. Es geht darum, die ökonomische Mechanik so zu verändern, dass echter Fortschritt möglich wird. Die Euro-Vision ist ein Generationenprojekt. Ein weit über das Wirtschaftliche hinausreichendes europäisches Gesamtkonzept ist nötig. Die Euro-Krise lässt sich nicht so einfach "lösen", auch wenn Politiker das immer wieder versprochen haben in den vergangenen Jahren. Bestenfalls steht Europa am Beginn eines langen Weges, der gesäumt sein wird von Rückschlägen, Widerständen und Widersprüchen.

Wozu der ganze Aufwand? Wieso solch ein Kraftakt historischen Ausmaßes? Warum sollte man den Euro retten? Die beste Antwort lautet: Weil es ihn gibt. Der Euro ist eine Realität. Die Währung fußt auf Institutionen, die in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut worden sind. Das gemeinsame Geld hat gemeinsame Erfahrungen gebracht, die sich ins kollektive Gedächtnis der Europäer eingebrannt haben. Ein historischer Prozess lässt sich nicht einfach ungeschehen machen. Wer heute glaubt, man könnte zum Europa der mittleren 90er Jahre zurückkehren, der unterliegt einem gefährlichen Irrtum.

Es ist wahr: Die Richtung der historischen Entwicklung kann sich ändern, sogar umkehren, aber solche Umschwünge laufen selten sanft und friedlich ab, sondern fast immer abrupt und manchmal barbarisch. Hätten sich die Europäer in den 90er Jahren nicht auf den Weg zum Euro begeben, könnte man sich in der Tat fragen, ob man das Projekt der Geldvereinheitlichung heute angehen würde. Denn wie wir inzwischen wissen, sind die ökonomischen Fliehkräfte innerhalb des Währungsgebietes so groß, dass sie sich mit herkömmlichen Mitteln nicht neutralisieren lassen. Aber da es den Euro gibt, ist der Weg zurück in die Zukunft keine Option.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH



Hintergründe, Artikel, Fakten

finden Sie auf den Themenseiten zu ...

Buchtipp

Henrik Müller
Euro-Vision

Warum ein Scheitern unserer Währung in die Katastrophe führt

Campus Verlag, 228 Seiten, kartoniert, 19,99 Euro

Jetzt kaufen

Zur Person

manager magazin

Henrik Müller ist stellvertretender Chefredakteur des manager magazins.








Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarifvergleich:
Finden Sie den passenden Tarif
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Tablet Tarifvergleich:
Surfen Sie günstiger