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17.09.2012
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Abkopplung vom Euro-Raum
Deutsche Exporteure setzen auf Schwellenländer

Von Martin Hintze

Top Ten Handelspartner: Wohin deutsche Waren strömen
Fotos
AFP

Der krisengeschüttelte Euro-Raum verliert für Unternehmen und Investoren an Bedeutung. Auch deutsche Exporteure engagieren sich weniger in Spanien und Italien, sondern zunehmend in Brasilien und Shanghai. Ein Schwenk mit Risiken.

Hamburg - Drei lange Monate schaute Europa gebannt nach Karlsruhe. Genauer auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum permanenten Euro-Rettungsfonds ESM. Das Schicksal der Währungsunion hing von acht Richtern in roten Roben ab. Dann folgte endlich die Erlösung: Ja zum ESM. Politiker rund um den Globus jubeln, Anleger kaufen.

Die Erleichterung erreicht sogar das beschauliche Örtchen Schiltach im Schwarzwald. Hier hat der Badamaturenherstellers Hansgrohe seinen Firmensitz. Seit über einem Jahrhundert verkauft das Unternehmen seine Brausen nach Europa. "Der Schulterschluss zwischen Karlsruhe und der Europäischen Zentralbank ist ein wichtiges Signal für unsere Kunden in Südeuropa", sagt Julian Henco, Vertriebsdirektor für Asien, den Mittleren Osten und Afrika.

Zuletzt brachen die Geschäfte mit den kriselnden südeuropäischen Ländern ein. Als Badausstatter ist Hansgrohe direkt von den Immobilienmärkten abhängig. Dementsprechend früh machte sich die ersten Ausläufer der Krise in Südeuropa in der Kasse der Schwarzwälder bemerkbar. "Seit drei Jahren gehen die Umsätze in Spanien und Italien zurück, teilweise in zweistelligen Prozentbereich", sagt Henco. Gegenüber Wettbewerbern habe Hansgrohe dennoch Boden gutgemacht.

Der Abschwung rund um das Mittelmeer hat inzwischen die gesamte Exportbranche - die tragende Säule des Wachstums in Deutschland - erfasst. Immerhin gehen 40 Prozent der Produkte "Made in Germany" in die Euro-Zone. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts brachen die Lieferungen nach Portugal im ersten Halbjahr um 14,3 Prozent ein. Nach Spanien wurde 9,4 Prozent weniger exportiert, nach Griechenland 9,2 Prozent.

Südeuropa ächzt unter weltweit höchster Arbeitslosigkeit

Das Problem: Die rigiden Sparprogramme, die eigentlich die Staatsverschuldung in Ländern wie Griechenland, Portugal, Spanien oder Italien reduzieren sollen, haben äußerst unangenehme Nebenwirkungen. Sie zwingen die Konjunktur in die Knie, Arbeitslosigkeit grassiert. Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), einem Ableger der Uno, leidet Südeuropa inzwischen sogar unter der höchsten Arbeitslosigkeit weltweit.

In Spanien und Griechenland hat knapp ein Viertel der Bevölkerung keinen Job. Von den unter 24-Jährigen ist mehr als die Hälfte betroffen. Konsumenten und Unternehmen fehlt das Geld für Anschaffungen.

Den großen Knall haben die jüngsten Beschlüsse des Bundesverfassungsgerichts und der Europäischen Zentralbank (EZB) erst einmal abgewendet. "Das sind gute Nachrichten für den deutschen Außenhandel", sagt Anton Börner, Präsident des Außenhandelsverbands BGA. "Eine Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes wurde verhindert." Mit einem schnellen Aufschwung in den Krisenländern rechnet er jedoch nicht.

Auch die ILO prognostiziert bestenfalls einen sehr langsamen Abbau der Arbeitslosigkeit, vorausgesetzt die Euro-Krise eskaliert nicht noch einmal. "Die wirtschaftliche Schwächephase in Südeuropa wird noch mehrere Jahre andauern", sagt Holger Schmieding. Von London aus beobachtet der Chefvolkswirt der Berenberg Bank die Entwicklung in Europa. Auch andere Ökonomen sind vorsichtig optimistisch. "Das Ende der Euro-Zone ist nicht vom Tisch, die Gefahr wurde nur verschoben", sagt Kai Carstensen, Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts.

Das große Stöhnen bleibt bei den Exporteuren aber bislang aus. Im Gegenteil: Im Juli zeigten sich die Ausfuhren robust. Während Volkswirte mit einem Minus gerechnet hatten, kletterten die Ausfuhren um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Insgesamt exportierten die Unternehmen Waren im Wert von 93,6 Milliarden Euro, 9,2 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Der starke Export stabilisiert die kipplige deutsche Konjunktur.

Wie kann das sein? Die Erklärung liegt außerhalb des Kontinents.

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