Donnerstag, 21. Februar 2019

Wachstum in der Rezession An Italiens Firmenelite prallt die Krise ab

Ferrari 250 Testa Rossa von 1957: Ferrari zehrt vom Ruhm alter Zeiten, doch Unternehmen wie Brembo, Landi Renzo oder Bottero sind die wahren Champions der Ökonomie in Italien
Gooding & Co
Ferrari 250 Testa Rossa von 1957: Ferrari zehrt vom Ruhm alter Zeiten, doch Unternehmen wie Brembo, Landi Renzo oder Bottero sind die wahren Champions der Ökonomie in Italien

Italiens Wirtschaft stöhnt unter mieser Infrastruktur und einem belastenden Staatsapparat. Allen Hemmnissen zum Trotz setzen sich einige Unternehmen durch - und legen jetzt zu.

Hamburg - Armani, Gucci, Prada: Wenn es um die Wirtschaft Italiens geht fallen einem wohl zuerst die großen Modenamen ein. Und dann noch Fiat Börsen-Chart zeigen und Ferrari. Weniger bekannt, dafür aber umso erfolgreicher, sind die bevorzugt aus der Lombardei, dem Piemont, der Emilia Romagna und Venetien stammenden Unternehmen, die in speziellen Bereichen von Maschinenbau, Elektronik und Ingenieurwesen die Weltmärkte in ihren Nischen beherrschen. Sie heißen Brembo, System Group, Landi Renzo oder Bottero und sie zählen entweder zu den globalen Top-3-Anbietern oder sind die Nummer eins in Europa.

Diese "Hidden Champions" sind die wahren Leuchttürme der Ökonomie auf dem Apennin. Denn in der Unternehmensstruktur ähnelt Italien seinem nördlichen Nachbarn Deutschland: Die Wirtschaft ist vor allem durch den Mittelstand und das produzierende Gewerbe geprägt. Durch Firmen, die mit innovative Technologie international brillieren.

Mit diesen grundsätzlichen Gemeinsamkeiten aber hören die Übereinstimmungen leider schon auf. Denn während in Deutschland die starken mittelständischen Weltmarktführer tatsächlich das Rückgrat der Volkswirtschaft bilden, sind sie in Italien eher die löblich Ausnahme; mehr über die wahre ökonomische Lage der drittgrößten Volkswirtschaft Italiens lesen Sie in der aktuellen Printausgabe von manager magazin.

Die Unternehmensberatung Simon, Kucher & Partners hat weltweit 2745 solcher unsichtbarer Sieger identifiziert. 1307 davon stammen aus Deutschland. In Italien hingegen finden sich trotz der ausgeprägten Industriekultur im Norden nur rund 200 solcher global erfolgreichen Firmen. "Leider haben die Hidden Champions ein viel zu geringeres Gewicht in unserer Volkswirtschaft", konstatiert Danilo Zatta, Italien-Geschäftsführer der in Bonn firmierenden Consultinggesellschaft.

Ausweichen in die Schattenwirtschaft

Die meisten der kleinen bis kleinsten Unternehmen in Italien, die mehr als 90 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts der Mittelmeernation erzeugen, jammern über schlechte Rahmenbedingungen, den ineffizienten und korrupten Staatsapparat, die miese Infrastruktur, das unsichere Rechtssystem, hohe Steuern sowie Sozialabgaben.

Durch diese Widrigkeiten - die unbestreitbar zu den traurigen Realitäten am Standort Stiefel gehören - lavieren sich die meisten der Kleinfirmen seit Jahrzehnten eher schlecht als recht. Sie weichen zum Beispiel in die Schwarzwirtschaft aus, die bis zu einem Viertel der gesamten Ökonomie ausmacht. Oder sie beschränkten sich mit Absicht auf ihre geringe Größe.

Dadurch blieben sie unter der Wahrnehmungsschwelle der bisher so wachstumsbremsenden Legislative. Denn die restriktiven Arbeitsgesetze etwa, die Entlassungen bis zu den jetzt von der Regierung Mario Monti angestoßenem Reformen quasi unmöglich machten, gelten erst in Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern.

Die fatale Folge diese Strategie: Die offizielle Wirtschaft Italiens wuchs in den vergangenen 20 Jahren kaum mehr. Zuletzt stürzte sie sogar in die Rezession. Jetzt tut Wachstum not. Statt sich weiter irgendwie durchzuwursteln sollten sich die italienischen Unternehmen deshalb lieber ein Vorbild an den versteckten Gewinnern nehmen, fordert Berater Zatta: "Sie sind das Rollenmodell für die unzähligen Familienunternehmen sein, die Italiens Industrie prägen." Denn auch wenn grundlegende Reformen in Legislative, Exekutive und Jurisdiktion in Italien weiter dringend nötig sind - auch die Unternehmen selbst müssen ihren Beitrag leisten. Schließlich sind sie es - und nicht der Staat - die der Wirtschaft neue Dynamik verleihen können.

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