Dienstag, 19. März 2019

Währungsfonds IWF sieht Euro-Krise als Wachstumsrisiko Nummer eins

Arbeiten am Ground Zero: Die USA dürften mit Kanada und Japan in diesem Jahr noch am stärksten wachsen. Für Brasilien, Indien und die meisten Länder der Euro-Zone rechnet der IWF dagegen mit einer starken Abkühlung

Der Internationale Währungsfonds senkt seine globale Konjunkturprognose. In Indien und Brasilien dürfte das Wachstum stark abkühlen, für Euro-Land rechnet der IWF mit einer Rezession - mit Ausnahme Deutschlands. Die Schuldenkrise in Europa ist laut IWF die größte Bedrohung für das Wachstum weltweit.

Washington - Die größte Bedrohung gehe von einer Eskalation der Schuldenkrise aus, teilte der Weltwährungsfonds am Montag in Washington mit. "Einfach gesagt, die europäischen Peripherieländer müssen Erfolg haben", sagte IWF-Chefökonom Oliver Blanchard.

Neben der Krise im Währungsraum nennt der Fonds fiskalische Risiken in den USA und die konjunkturelle Entwicklung in den Schwellenländern als größte Gefahren für die Weltwirtschaft.

Im laufenden Jahr rechnet der IWF mit einem globalen Wirtschaftswachstum um 3,5 Prozent. Das sind 0,1 Prozentpunkte weniger als noch im April. Für 2013 reduzierte der Weltwährungsfonds seiner Projektion um 0,2 Punkte auf 3,9 Prozent.

Besonders stark wurden die Prognosen für Großbritannien und das große Schwellenland Indien gesenkt. Unter den großen Industrieländern dürften Japan, Kanada und die USA in diesem Jahr mit am stärksten wachsen.

Schritte in Richtung Banken- und Fiskalunion "vordringlich"

Die jüngsten Gipfelbeschlüsse im Währungsraum beurteilt der IWF als Schritt in die richtige Richtung. Sie könnten helfen, den Teufelskreis zwischen Staaten und Banken zu durchbrechen. Allerdings zeige die jüngste Verschärfung an vielen europäischen Anleihemärkten, dass eine zeitnahe Umsetzung und weitere Schritte in Richtung einer Banken- und Fiskalunion vordringlich seien.

Trotz dieser Risiken sagt der IWF für Deutschland ein vergleichsweise robustes Wachstum von 1,0 Prozent in diesem Jahr voraus. Das sind 0,4 Punkte mehr als der IWF noch im April geschätzt hatte, allerdings auch deutlich weniger als das reale Wachstum Deutschlands 2011.

Der Euroraum dürfte laut IWF 2012 um 0,3 Prozent schrumpfen, bevor er 2013 wieder um 0,7 Prozent wachsen sollte. Neben Italien sagt der Fonds nun auch für Spanien zwei Jahre mit einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung voraus.

USA: IWF warnt vor Streichung der Steuererleichterungen

Für die weltgrößte Volkswirtschaft USA warnt der IWF vor einer Streichung wichtiger Steuererleichterungen und einer entsprechend starken fiskalischen Bremswirkung. In der US-Politik wir derzeit über die Verlängerung von Steuererleichterungen aus der Bush-Ära gestritten, die ohne Einigung zum Jahreswechsel automatisch auslaufen.

In diesem Fall warnt der Währungsfonds vor einer starken konjunkturellen Belastung, die auch auf die globale Wirtschaft ausstrahlen würde. Darüber hinaus steuern die USA abermals auf ihre "Schuldenobergrenze" zu. Das ist ein festgelegter Maximalbetrag für die Staatsverschuldung, der bereits mehrfach unter großem politischem Streit und nur kurz vor dem Überschreiten erhöht werden konnte.

Schwellenländer: Starke Abkühlung in Indien und Brasilien

Bei den Schwellen- und Entwicklungsländern ragt China heraus, obwohl sich die dortige Wirtschaft ebenfalls deutlich abkühlen dürfte. Noch stärker veranschlagt der IWF die Abschwächung in Indien, für das Wachstumsraten von gut 6 Prozent prognostiziert werden. Vor der Krise waren China und Indien mit zweistelligen Raten gewachsen.

Eine deutliche Abkühlung sieht der Fonds auch in Brasilien, wohingegen sich die Konjunktur Russlands vergleichsweise stabil halten sollte. Insgesamt hätten die Schwellenländer die Krise bislang recht gut überstanden, urteilt der IWF.

la/dpa-afx

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