Freitag, 16. November 2018

Olympia-Heerlager Militär prägt Bild vor London-Spielen

Scharfschütze der Royal Air Force: Unerlaubte Flüge über London sind zum Abschuss freigegeben

Das Versagen des privaten Sicherheitskonzerns G4S bringt London ein wahres Heerlager ein. Das Militär springt ein, um die Olympischen Spiele zu schützen - mit einem Kriegsschiff auf der Themse, Boden-Luft-Raketen auf Londoner Häusern und einem Schießbefehl für die Luftraumkontrolle.

London - Es sieht ein bisschen aus wie auf einem Feldlager. Soldaten in Kampfanzug tasten Zivilisten ab und durchsuchen ihre Taschen. Unter Brücken schaffen sich die Uniformierten ihre Ruheplätze, entlang der Kanäle haben sie immer wieder Zeltplanen gespannt, um sich vor dem Londoner Dauerregen zu schützen. Olympia 2012 in der britischen Hauptstadt ist noch nicht einmal eröffnet und schon zu einem Militäreinsatz geworden - ganz offensichtlich wegen gravierender kollektiver Unzulänglichkeiten bei Olympia-Organisatoren, bei der Regierung und vor allem bei der weltgrößten Sicherheitsfirma G4S.

"Ich will, dass die Menschen zu den Spielen kommen und sich so fühlen, dass sie in einer Stadt in Feierlaune sind und nicht in einem Hochsicherheitstrakt", hatte Organisationschef Sebastian Coe noch vor wenigen Wochen gesagt.

Weil G4S Börsen-Chart zeigen es nicht schaffte, die 10.400 geforderten zivilen Sicherheitskräfte anzuheuern und durch den vorgeschriebenen Zertifizierungsprozess zu schleusen, ist genau dieses Vorhaben des Olympia-Machers nun erst einmal gescheitert. Die Armee musste ihr Kontingent auf 17.000 Soldaten aufstocken - die größte Operation der Royal Army auf heimischem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg. Dazu werden nach Informationen der BBC bis zu 3500 Soldaten aus Deutschland abgezogen. Ein Kriegsschiff auf der Themse, Boden-Luft-Raketen auf Wohnhäusern und Eurofighter-Jets in Alarmbereitschaft gehören ebenfalls dazu.

Das Desaster hat ein politisches Nachspiel. "G4S hat unser Land so hängen lassen, dass wir wörtlich die Truppen schicken mussten", kritisierte der Parlamntarier Keith Vaz. Der Vorstandschef von G4S, Nick Buckles, entschuldigte sich bereits öffentlich und will die Kosten für das zusätzliche Militär in Höhe von bis zu 50 Millionen Pfund (63,6 Millionen Euro) übernehmen. "Wir sind tief enttäuscht, dass wir nicht in der Lage waren, unseren Vertrag mit (dem Organisationskomitee) LOCOG voll zu erfüllen", sagte er. In der nächsten Woche muss er vor dem Innenausschuss des Parlaments aussagen.

Am Freitag wies die britische Luftwaffe darauf hin, dass ein bis zum 15. August geltendes Flugverbot für Kleinflugzeuge, Segelflieger und Heißluftballons über London und Teilen Südenglands im Ernstfall auch mit "tödlichen Waffen" durchgesetzt werde.

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