Freitag, 29. Juli 2016

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Optionen für Euro-Land Das Spiel ist aus

Wahlen in Griechenland: Kommt es zu einem Bank-Run, könnte die EZB den Stecker ziehen

Erst Rettung spanischer Banken, dann Wahlen in Griechenland und Frankreich: In dieser Woche stehen historische Weichenstellungen an. Die Zeit des Taktierens geht zu Ende. Ein Leitmotiv der internationalen Politik lautet: Europa droht an Deutschland zu scheitern.

Hamburg - Angela Merkels Bundesregierung, so lautet die beliebte Argumentation nicht nur in den Staaten Südeuropas, könnte Europa retten, sogar die Welt, zumindest die Weltwirtschaft. Wenn sie denn wollte. Die Euro-Partner drängen auf die Teil-Vergemeinschaftung der Schulden mittels Euro-Bonds; US-Präsident Barack Obama verlangt vertrauensbildende Action in Europa, prekär wie die Wirtschaftslage in seinem Land ist.

Auch abseits des etablierten Westens fürchtet man sich vor einem Euro-Desaster: Bereits jetzt flaut in China das Wachstum merklich ab; in Indien treibt der Abschwung Millionen in bittere Armut.

Und all das könnte Deutschland in Ordnung bringen, wenn die Bundesregierung endlich Euro-Bonds akzeptierte und sich einverstanden erklärte, die EZB von der Kette zu lassen, um Staatsanleihen in ganz großem Stil von den Märkten zu kaufen?

Das ist natürlich Unsinn.

Aber tatsächlich könnte diese Woche historische Ereignisse bringen, mit womöglich extremen Ergebnissen: den Anfang vom Ende der Währungsunion, aber auch den Beginn einer neuen Ära des Euro-Landes. Im ersten Fall würden Europa und die Weltwirtschaft insgesamt in eine kaum beherrschbare Katastrophe taumeln. Im zweiten Fall könnte zumindest eine gewisse Stabilisierung kommen.

Und es stimmt schon: Der Bundesregierung kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

Zentrale Ereignisse der Woche sind die Wahlen in Griechenland und Frankreich nächsten Sonntag. Falls die reformoppositionellen Kräfte in Athen gewinnen oder falls ein weiteres Patt die Politik lähmen sollte, dürfte eine schwer steuerbare Eigendynamik die Folge sein: Am Montag nach der Wahl könnte es zu einem Run auf die griechischen Banken kommen, ein Rette-sich-wer-kann-Szenario vor dem drohenden Euro-Austritt.

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