Donnerstag, 17. Januar 2019

Griechenland Das letzte Planspiel vor dem Austritt

Gutes Geld, schlechtes Geld: Sollte Athen nach der Wahl das Sparpakt kündigen, muss die Regierung bald Schuldscheine (Griechen-Euros, Geuros) ausgeben - eine Parallelwährung neben dem Euro wäre geboren

Euro-Drachme, Geuro oder Guldenmark: Angesichts des Politchaos in Griechenland fallen die Tabus. Sogar die Einführung einer Parallelwährung ist möglich, falls Hellas nach der Wahl die Sparzusagen kündigt und Brüssel den Geldhahn zudreht.

Hamburg - Thomas Mayer ist alles, bloß kein Revoluzzer. Den rotblonden Seitenscheitel ordentlich gezogen, zeigt sich der scheidende Chefvolkswirt der Deutschen Bank stets wohl vorbereitet, wägt Vorteile und Risken sorgfältig ab.

Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet er mit dem Vorschlag einer Parallelwährung für Griechenland, dem Geuro, für Furore sorgte. Seine Idee: Weil ein Austritt der Griechen aus der Euro-Zone zu starken wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen führen würde, könnten die Geldgeber sich entschließen, den Geldhahn nur teilweise zuzudrehen.

Die griechischen Banken könnten auf diese Weise durch harte Euro weiter gestützt werden. Auch Geld zur Begleichung externer Schulden - das ohnehin fast komplett nach Europa zurückfließt - könnte weiter gezahlt werden. Nur der griechische Staat selbst ginge leer aus, sofern eine neue Regierung unter dem Einfluss des Linksbündnis-Chefs Alexis Tsipras den Sparkurs aufkündigen sollte.

In der Folge dürfte die Regierung in Athen dann bald gezwungen sein, Staatsdiener und Renten mit Schuldscheinen zu bezahlen. Eine Parallelwährung wäre geboren.

Diese Schuldscheine - Geuros, wie Mayer sie nennt - zirkulierten dann als Währung neben dem Euro. Ihr Kurs würde gegenüber dem Euro abwerten und Griechenland so international wieder wettbewerbsfähiger werden. Und später, wenn Griechenland wieder auf dem Pfad der Tugend zurückgekehrt ist - so die Idee - könnten die Griechen die Parallelwährung wieder einsammeln.

Der "Geuro" würde gegenüber dem Euro stark abwerten

Die Studie sorgte für Furore - kam sie doch von der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen. Auch wenn Mayer kurz darauf klarstellte, dass er damit einfach nur die Wahrscheinlichkeiten in der weiteren Entwicklung des griechischen Dramas erwogen und bilanziert habe.

Doch das Konzept der Parallelwährung ist nicht neu. Auch nicht für Griechenland.

Ob Nordo, Geuro, Guldenmark oder Eurodrachme - Vorschläge gibt es reichlich. Mal werden Bankeinlagen in die neue Währung übertragen, mal nicht, mal nur zur Hälfte, mal werden Zahlungsmittel und Währungseinheit voneinander abgekoppelt.

"Guldenmark" als Stabilitätsanker gegen den weichen Euro

Auch der durch seine Verfassungsklagen gegen den Eurorettungsschirm bekannt gewordene Berliner Wirtschaftswissenschaftler Markus C. Kerber gehört - offenbar angesichts des Scheiterns andere Maßnahmen - mittlerweile zu den Befürwortern einer Parallelwährung. Anders als viele seiner Mitstreiter setzt er allerdings auf eine Guldenmark, die Länder mit Leistungsbilanzüberschuss als "Stabilitätsanker" einführen könnten, um nicht mehr ausschließlich von der Weichwährung Euro abzuhängen.

Auch wenn viele der Ideen unwirklich anmuten. Schon der Wirtschaftsforscher und Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek propagierte einst das Nebeneinander verschiedener Währungen.

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