Freitag, 22. Februar 2019

Griechenland und die Drachme "Es kann sehr schnell gehen"

Ehemalige griechische Drachme: "Denkbar, dass man erst nur mit Buchgeld in eine neue Währung geht und gestempelte Euros zunächst weiter kursieren lässt"

Griechenland steht vor Neuwahlen. Damit rückt ein Euro-Austritt in greifbare Nähe. manager magazin online sprach mit dem dem Chef des Think-tanks CEP Lüder Gerken darüber, wie ein solches Szenario aussehen könnte.

mm.de: Die Hoffnungen von Präsident Karolos Papoulias auf eine Technokratenregierung haben sich zerschlagen. Nun stehen Neuwahlen an, in denen die Kritiker des aktuellen Sparkurses den Sieg davon tragen könnten. Gesetzt den Fall, weitere von der Troika geforderte Reformen werden von einer neuen griechischen Regierung nicht umgesetzt, und die Kreditgeber drehen daraufhin den Geldhahn zu. Was würde passieren?

Gerken: Wenn keine Kredite mehr an den griechischen Staat fließen, kann der seine Schulden nicht mehr bedienen und müsste Insolvenz anmelden. Und damit würde auch die EZB ihre Geldversorgung für die griechischen Banken einstellen. Die Folge wäre, dass auch die Banken insolvent wären. Dann müsste relativ zügig eine neue Währung eingeführt werden, weil die Volkswirtschaft mit Geld versorgt werden muss.

mm: Dafür müsste Griechenland aber aus der Eurozone austreten?

Gerken: Der griechischen Regierung würde gar nichts anders übrig bleiben, als eine neue Währung einzuführen, wenn der Insolvenzfall eingetreten ist und kein Geld mehr von der EZB kommt. Die Wirtschaft braucht einen Geldzufluss.

mm: Ein Abschied vom Euro ist aber laut bestehender Rechtslage derzeit nur in Verbindung mit einem EU-Austritt möglich?

Gerken: Dass die Griechen auch die EU verlassen, kann ich mir nur sehr schwer vorstellen. Da gibt es sicher Verhandlungsspielraum.

mm: Was hieße eine solche Insolvenz für den deutschen Steuerzahler? Es kursieren ja die unterschiedlichsten Milliardenbeträge.

Gerken: Die Höhe der Verluste hängt vom letztendlichen Schuldenschnitt ab. Gibt es den, sind die Kredite natürlich zu einem großen Teil weg. Anders sieht es mit den Targetforderungen der Bundesbank aus. Die sind nur dann weg, wenn das Eurosystem zerbricht. Ist dies nicht der Fall, hat ein Zahlungsausfall Griechenlands keine unmittelbaren Folgen für die Bundesbank, weil ihre Forderungen gegenüber der EZB bestehen, ebenso wie die Verbindlichkeiten der Griechen. Allerdings müssen die Verluste über das System der Zentralbanken ausgeglichen werden. Und daran hat Deutschland einen Anteil von 27 Prozent.

mm: Wie schnell könnte das Ganze gehen?

Gerken: Bislang zahlt Griechenland ja noch. Auch ist die aktuell anstehende Rate noch durch die Auszahlungen der letzten Woche gedeckt. Jetzt heißt es aus Griechenland, man sei spätestens Ende Juni zahlungsunfähig. Aber so etwas hörte man ja schon mehrfach - und dann sind doch wieder neue Mittel aufgetaucht. Man weiß es einfach nicht. Stellt der griechische Staat einmal seine Zahlungen ein, kann es allerdings sehr schnell gehen, bis die Liquiditätsversorgung zusammenbricht. Wie schnell, hängt aber von der EZB ab.

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