Sonntag, 25. September 2016

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Gipfel in Neu-Delhi Brics bringen Weltordnung ins Wanken

Mächtige Schwellenländer: Was die Brics-Staaten in die Waagschale werfen
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AFP

Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika starten mit ihrem heutigen Gipfel einen weiteren Angriff auf die etablierte Weltordnung. Der Anfang ist bescheiden, aber die Wucht der Entwicklung kann das vorherrschende System ins Wanken bringen.

Vancouver - Der Konjunkturmotor in den Brics-Ländern Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika stottert. Sie haben sich in den vergangenen Monaten vom Zugpferd zum Sorgenkind der globalen Konjuntur entwickelt, wenn man von Europa einmal absieht.

Doch auf ihrem vierten Gruppen-Gipfel heute in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi zurren sie den Rahmen für die erste globale Organisation außerhalb des Westens, die nicht nur ökonomisch ein Schwergewicht werden könnte. Die Brics wollen eine gemeinsame Entwicklungsbank starten, die grenzübergreifend große Projekte fördern kann.

Sie wollen außerdem mit der Vernetzung ihrer jungen, aber rasant wachsenden Kapitalmärkte beginnen, indem sie wichtige Aktienindizes gegenseitig listen und darauf Derivate in der jeweiligen Landeswährung ausgeben. Das kann wichtiges Kapital binden, das der Entwicklung der eigenen Finanzmärkte dient und nicht in den Westen abfließt.

Die Brics wollen auch einen Vorstoß von China realisieren: Es geht um die Vergabe von Krediten in der chinesischen Landeswährung Renminbi (Yuan) an die übrigen Gruppenmitglieder. Dies ist einer der zentralen Schritte, die China beim Aufbau seiner Währung - zuerst zu einer weit verbreiteten Handelswährung und dann zu einer Reservewährung - plant. Zahlreiche indische Firmen treiben bereits Projekte in China mit Yuan-Krediten voran.

Finanzkrise liefert Steilvorlage für Verschiebung der globalen Gewichte

Die Gruppierung ist jung, sie hat keinesfalls so stark überlappende Interessen, wie es von außen manchmal erscheint. Und sie muss erst einmal gemeinsame Institutionen entwickeln und außenpolitische Ziele formulieren, bevor sie über ihre Grenzen hinaus auf der globalen Bühne Gewicht bekommen kann.

Doch die Brics machen sich entschieden dazu auf, aus der Steilvorlage, die ihnen die Finanzkrise lieferte - eine beschleunigte Verschiebung der globalen Gewichte - einen gemeinsamen Nutzen zu ziehen. Der Anfang ist bescheiden, aber die Wucht der Entwicklung kann die Weltordnung verändern.

So addiert sich der Außenhandel zwischen den fünf Brics derzeit auf 230 Milliarden Dollar. Das ist nur ein Sechstel der deutschen Exporte, die 2011 erstmals die Marke von einer Billion Euro überwanden. Und während der Welthandel im Sog von Finanzkrise und großer Rezession ab 2009 einen empfindlichen Rückschlag erlitt, wuchs der Handel zwischen den Brics um 28 Prozent pro Jahr.

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