Freitag, 26. August 2016

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Weltwährung China verschärft globale Devisenattacke

Weltwährung: China verschärft globale Devisenattacke
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Es ist die nächste Welle: China will seinen Handelspartnern Brasilien, Russland und Indien auch Kredite in der eigenen Währung anbieten. Zugleich treibt Peking den Aufbau Londons als europäisches Offshore-Zentrum für den Renminbi voran. Die Attacke auf den Dollar wird konkreter.

Hamburg - Es ist diese Beharrlichkeit, die Amerika in Angst versetzt. Steht ein Plan, verfolgt China ihn unbeirrt. Auch den, die eigene Währung aus ihrem globalen Schattendasein zur Alternative im Welthandel zu machen - auch, wenn die Gelegenheiten dazu eigentlich ungünstiger werden. Denn Schritt für Schritt hat China, hat die Landeswährung Renminbi, ein bisschen an Glanz verloren. Deshalb steuert Chinas Regierung jetzt kräftig gegen. Es ist aus Pekings Sicht dringend nötig.

Chinas Wachstum sinkt, und die Finanzmärkte verlieren etwas von ihrem Glauben an eine deutliche,automatische Aufwertung des Reminbi, der Ladeswährung Chinas. Weil Chinas Überschuss in der Leistungsbilanz von 10 Prozent im Jahr 2007 auf jetzt unter 3 Prozent gefallen ist, finden es beispielsweise die Analysten bei der Schweizer UBS Börsen-Chart zeigen "sehr schwierig zu argumentieren, dass der Yuan noch deutlich unterbewertet ist".

Die Führung in Peking nimmt diese Ernüchterung im Westen zum Anlass, die internationale Verbreitung des Yuan - wie die Währung aus dem Reich der Mitte auch genannt wird - einfach noch schneller voranzutreiben. Nach dem Motto: Wenn die Aufwertungseuphorie nachlässt, muss man eben andere Anreize zur Verbreitung von Chinas Währung bieten. Die Verwendung des Yuan als Offshore-Währung wird daher ebenso forciert, wie die Lockerung der Bestimmungen, die es ausländischen Firmen erlauben, mit Renminbi im Reich der Mitte zu investieren. Nun wendet sich Peking sogar an das Powerhaus der Schwellenmärkte: Am 29. März will Chinas Führung mit den BRIC-Partnern Brasilien, Russland und Indien - dazu auch Südafrika - in Delhi eine Vereinbarung unterzeichnen, die Renminbi-Kredite an diese Länder vorsieht. Das wäre symbolisch ein wichtiger Schritt beim Aufbau des Yuan zu einer internationalen Reservewährung.

Im Juni wird China außerdem mit der Panasiatischen Goldbörse einen Großangriff auf die Hegemonie der London Metals Exchange und der Comex in New York starten. Die 1,3 Milliarden Chinesen, die zum größten Goldinvestor auf dem Planeten aufgestiegen sind, können dann per Mausklick Goldkontrakte in Renminbi handeln. Im Gegensatz zu den westlichen Rohstoffbörsen ist dabei jeder einzelne Kontrakt mit physischem Gold hinterlegt. Diese Offensive kommt, während im Januar zum zweiten Mal hintereinander die Yuan-Einlagen in Hongkonger Banken - um 2,1 Prozent, leicht zurückgegangen sind, wie die Hong Kong Monetary Authority (HKMA) meldet. In Peking hat das einen Alarm ausgelöst. China will nicht, dass das Momentum der immensen Expansion des Renminbi als Offshore-Währung leidet.

Frankfurt verliert an Bedeutung

Seitdem China im Sommer 2010 die Verwendung des Renminbi in Hongkong stark liberalisierte, sind die Einlagen um das Zehnfache gewachsen. Obwohl die Offshore-Einlagen in Hongkong damit immer noch weniger als ein Prozent aller Yuan-Einlagen in Chinas Banken ausmachen, hat dieser phänomenale Zuwachs weltweit Aufmerksamkeit erregt. China treibt die Offshore-Verbreitung seiner Währung gezielt voran. Im vergangenen Jahr wurde London als erstes westliches Offshore-Zentrum für den Yuan gewonnen. Auch Singapur steht bereit für eine führende Rolle. In Frankfurt am Main hat man diese Entwicklung wohl etwas verschlafen.

Damit der Offshore-Motor erst gar nicht zu stottern beginnt, werden jetzt schneller Genehmigungen für sogenannte Dim Sum Bonds erteilt. Das sind Anleihen, die in Yuan aufgelegt werden, meist in Hongkong. Vor wenigen Tagen begann die Emirates NBD - die größte Bank in den Vereinigten Arabischen Emiraten - mit dem Verkauf einer 119 Millionen Dollar umfassenden Yuan-Anleihe. Es ist eine kleine Emission, das Volumen ist nicht furchtbar bedeutend. Aber das politische Signal ist immens. Es ist der erste Verkauf von Dim Sum Bonds am Persischen Golf, wo Petrodollars sowie Portfoliokapital aus dem Westen und Asien eine bedeutende Nachfrage darstellen. Im Epizentrum des neuen Weltmarkts für Dim-Sum-Bonds, in Hongkong, hat sich 2011 laut der HSBC-Bank das Anleihevolumen verdreifacht.

Vor vier Tagen, am vergangenen Donnerstag, legte zudem die größte Fondsgesellschaft für Renminbis auf der Welt, die italienische AZ Investment Management, einen weiteren, in Luxemburg registrierten Yuan-Bond auf. Und der weltweit aufgestellte Immobilienfinanzierer Agincourt Capital - mit Büros in Hong Kong, Sydney und London - kündigte Ende 2011 eine Wandelanleihe in Yuan an. Zeitgleich nahm China am heimischen Devisenmarkt den Handel mit australischen und kanadischen Dollars auf.

Besonders die Panasiatische Goldbörse wird in diesem Zusammenhang an den Rohstoffmärkten genau beobachtet. Sie öffnet nicht nur einen der spekulativsten und liquidesten Metallmärkte für den Yuan, sie macht China auch zum ersten Land, das in einem der lukrativsten Rohstoffmärkte der Welt offen den Dollar attackiert. Sechs chinesische Großbanken werden ab Juni jeden Morgen den neuen Goldpreis stellen, darunter die Agricultural Bank of China. Würden nur 2 Prozent der 320 Millionen Kunden dieser Bank jeweils einen Kontrakt (10 Unzen) kaufen, könnten dem Markt damit 1800 Tonnen Gold entzogen werden. Zum Vergleich: Die weltweite Nachfrage erreichte im vergangenen Jahr 4067 Tonnen. Laut dem World Gold Council stieg die Goldnachfrage in China 2011 um 20 Prozent auf 770 metrische Tonnen. Im vierten Quartal hat China damit den bislang weltweit größten Verbraucher Indien überholt.

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