Dienstag, 24. Mai 2016

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Finanzspritzen der EZB Brasilien kritisiert Euro-Geldschwemme

Präsidentin Rousseff und Kanzlerin Merkel: Nicht immer einer Meinung

Auf der Computermesse Cebit kam es zum Schlagabtausch: Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff kritisierte die Milliardenspritzen, die die Europäische Zentralbank in die Finanzmärkte pumpt. Bundeskanzlerin Angela Merkel versprach Besserung - und teilte selbst aus.

Hannover - In den Schwellenländern wächst die Angst vor einer Geldschwemme aus Europa und den USA. Nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf der Computermesse Cebit äußerte Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff scharfe Kritik an der Politik des billigen Geldes.

"Ich habe der Bundeskanzlerin die Sorge Brasiliens ausgedrückt bei der Währungsexpansion, die im Gange ist", sagte die Präsidentin. Die USA stellten den größeren Teil des Problems da. "Aber auch die EU entwertet ihre Währung." Damit zielte Rousseff auf die üppigen Geldspritzen, die die Europäische Zentralbank (EZB) den Geschäftsbanken in der Euro-Zone bereitstellt.

In zwei Auktionen hatte die EZB im Dezember und Februar insgesamt mehr als eine Billion Euro in den Markt gepumpt. Das Geld muss erst nach drei Jahren zurückgezahlt werden. Auch die US-Notenbank Fed versorgt die heimische Finanzwirtschaft seit Beginn der Finanzkrise vor vier Jahren mit billigem Geld.

Schwellenländer wie Brasilien haben angesichts der niedrigen Zinsen in den Industrieländern mit starken Geldzuflüssen zu kämpfen. Dadurch werden die Währungen dieser Staaten deutlich aufgewertet - was wiederum die Exporte verteuert und Importe aus dem Ausland verbilligt. Einige Schwellenländer haben als Reaktion darauf Einfuhrzölle erhöht, in Brasilien zum Beispiel für Autos. Rousseff erklärte dies mit der ihrer Meinung nach "künstlichen Abwertung von Währungen".

Bereits in der vergangenen Woche hatte Rousseff den wohlhabenden Industrienationen vorgeworfen, mit günstigen Krediten und niedrigen Zinsraten einen "Währungskrieg" zu führen. Als Reaktion auf die globale Finanzkrise werde die Welt mit einem "Tsunami" billigen Gelds überschwemmt.

Brasilien stellt Bedingungen für IWF-Aufstockung

Merkel sagte, sie verstehe die Sorgen Brasiliens, dass die eigene Währung aufgewertet werde und deshalb die Exportchancen sänken. "Ich habe deutlich gemacht, dass dies eine temporäre Maßnahme ist", sagte Merkel zur EZB-Entscheidung. Die Maßnahme solle den Euro-Staaten Zeit geben, ihre Probleme zu lösen und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Merkel warnte die Schwellenländer davor, im Gegenzug Handelshemmnisse aufzubauen. "In der Geschichte gibt es viele Beispiele, dass große Liquiditätsmengen letztlich zu protektionistischem Handeln geführt haben", warnte sie. Brasilien und Deutschland wollten dies nicht und würden das Thema daher auf dem nächsten G-20-Treffen in Mexiko ansprechen.

Bei dem Treffen im Juni soll auch die Reform des Internationalen Währungsfonds auf der Tagesordnung stehen. Brasilien und andere Schwellenländer verlangen größere Mitspracherechte. Im Gegenzug ist Rousseff aber bereit, den brasilianischen Anteil an den Krisenmitteln des IWF aufzustocken.

Aus deutscher Sicht ist dieses Bekenntnis sehr wichtig. Denn die IWF-Aufstockung wird als Voraussetzung dafür angesehen, dass der Fonds mehr Hilfe für angeschlagene Euro-Länder leisten kann. Die USA sind bisher zurückhaltend und fordern eine größere Eigenleistung der Europäer etwa durch eine Aufstockung des dauerhaften Euro-Rettungsschirms ESM über die vereinbarten 500 Milliarden Euro hinaus.

kst/stk/rtr

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