Mittwoch, 22. August 2018

Tourismus Hellas zieht nicht mehr

Blick auf die Akroplis: Aktuelle Buchungszahlen lassen 2012 weniger Besucher erwarten

Das Reisegeschäft ist einer der wenigen Wirtschaftsbereiche, der dringend benötigtes Geld nach Griechenland spülen könnte. Doch die noch vor Kurzem erfolgsverwöhnte Branche schwächelt. Und dafür ist nicht zuletzt der verschärfte Ton zwischen Griechen und Deutschen verantwortlich.

Hamburg - In der Empfangshalle des Athener Acropolis Museum Boutique Hotels herrscht gähnende Leere. Kein Tourist wartet in der mit Stilmöbeln und schweren Vorhängen dekorierten Vorhalle auf ein Taxi. Auch auf den Sofas am Treppenaufgang herrscht gähnende Leere. Um 20 bis 30 Prozent, schätzt Rezeptionistin Andrea Draghici sei die Zahl der Gäste in den vergangenen Wochen und Monaten gesunken. "Vor allem Ausländer bleiben weg ", sagt sie zu manager magazin online. "Sie haben Angst vor den Streiks."

So wie in dem eleganten Hotel in Gehweite zur Akropolis sieht es vielerorts in Griechenland aus. Die Gäste bleiben weg. Zwar beginnt die Hauptreisesaison für Griechenland erst in einigen Monaten - noch ist es zu kalt. Doch auch bei den Buchungen sieht es derzeit ernüchtern aus. Beim größten deutschen Griechenlandanbieter Tui Börsen-Chart zeigen liegen sie derzeit fast 30 Prozent niedriger als noch im Vorjahr.

Bei anderen Anbietern sieht es genauso aus. "Im Moment laufen die Buchungen nicht so gut", räumt Panagiotis Skordas ein, Direktor des griechischen Fremdenverkehrsbüros. Genaue Zahlen will er, wie der Deutsche Reiseverband (DRV), nicht liefern, der allerdings einen Rückgang im zweistelligen Bereich bestätigt. Und auch bei Thomas Cook Börsen-Chart zeigen ist man mit konkreten Zahlen zurückhaltend. "Es gibt einen Markttrend. Und in dem bewegen wir uns natürlich auch", sagt Thomas-Cook-Specher Mathias Brandes.

Für die Griechen - einmal mehr - schlechte Nachrichten - trotz des unerwarteten Exportplus' im Warenhandel 2011. Schließlich sind die Deutschen ihre wichtigsten Kunden. Mehr als zwei Millionen Bundesbürger reisen jedes Jahr nach Hellas. Noch im Jahr 2010 rangierte das Land laut DRV auf Platz sieben der beliebtesten Reiseziele bei den deutschen Reiseweltmeistern. Im vergangenen Jahr legten die Buchungen sogar noch einmal zu, weil viele Urlauber wegen der Aufstände in Nordafrika ihre Reisen nach Tunesien und Ägypten absagten und stattdessen auf den Peloponnes fuhren. Außerdem hatten einige Anbieter die Preise gesenkt.

Das Resultat war ein Buchungsplus von satten 10 Prozent für die Branche, die so wichtig ist für Griechenland. Mehr als 15 Prozent trug der Tourismus laut den griechischem Reiseverband Sete 2010 zur griechischen Wirtschaftsleistung bei. Mehr als jeder Sechste ist in der Branche tätig. Jeder Reisende lässt statistisch gesehen rund 640 Euro in dem Land.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH