Griechenlandmanager magazin RSS  - Griechenland

Alle Artikel und Hintergründe


12.01.2012
Twitter GooglePlus Facebook

Euro-Zone
Griechen-Rettung wird immer teurer

Kaum noch zu retten: Die Beteiligung privater Investoren ist eine Bedingung für das zunächst auf 130 Milliarden Euro veranschlagte zweite Rettungspaket von EU und IWF. Dabei wird ein Verzicht der Gläubiger auf rund 100 Milliarden Euro angepeilt.
DPA

Kaum noch zu retten: Die Beteiligung privater Investoren ist eine Bedingung für das zunächst auf 130 Milliarden Euro veranschlagte zweite Rettungspaket von EU und IWF. Dabei wird ein Verzicht der Gläubiger auf rund 100 Milliarden Euro angepeilt.

Die Rettung Griechenlands vor der Pleite wird für die Euro-Partner immer teurer. Sollten die privaten Gläubigerbanken des Landes sich nicht im erhofften Umfang beteiligen, müssten die Länder der Euro-Zone die dadurch aufgerissene Finanzlücke schließen.

Athen - Dies bestätigte am Donnerstag der griechische Finanzstaatssekretär Filippos Sachinidis im Rundfunk. Aus hochrangigen Kreisen der Euro-Länder erfuhr Reuters, dass dort nach Wegen gesucht wird, um von unwilligen Gläubigern einen Forderungsverzicht zu erzwingen. Eine Option sei die nachträgliche Einfügung von Umschuldungsklauseln (CACs) bei griechischen Staatsanleihen, sagten drei Vertreter.

Gläubiger könnten dann per Mehrheitsentscheid dazu gebracht werden, sich an Entlastungen für Griechenland zu beteiligen. EU-Kommissionspräsident Juan Manuel Barroso forderte die Euro-Länder in Kopenhagen auf, ihre Hilfsinstrumente für angeschlagene Staaten aufzustocken und damit bei Investoren für mehr Vertrauen in den Kampf gegen die Krise zu sorgen.

Dabei geht es um den vorläufigen Euro-Rettungsschirm EFSF mit einem effektiven Kredithilfevolumen von 440 Milliarden Euro und den geplanten dauerhaften Hilfemechanismus ESM, der bis zu 500 Milliarden Euro zur Verfügung haben soll. Der Euro-Gipfel im Dezember hatte beschlossen, die Einführung des ESM auf Mitte diesen Jahres vorzuziehen.

Ob das Hilfsvolumen aufgestockt wird, ist noch nicht entschieden. Deutschland, das als größte Volkswirtschaft in der EU den höchsten Beitrag leisten muss, tritt hier bislang auf die Bremse. Nägel mit Köpfen wollen die Länder des Währungsraumes in dieser Frage im März machen.

Unions-Vize Fuchs: Griechenland ist kaum noch zu retten

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Fuchs, wandte sich gegen noch höhere Zahlungen. "Ich glaube kaum, dass Griechenland im jetzigen Zustand noch zu retten ist", sagte er. Selbst wenn die Beteiligung des Privatsektors im erhofften Maße zustande komme, trage das Land noch eine viel zu hohe Schuldenlast.

Für den Fall eines höheren Bedarfs, wenn sich nicht alle Gläubiger an einer Entlastung des Mittelmeerlandes beteiligen, betonte Fuchs: "Irgendwo muss ein Schlussstrich sein." Griechenland dürfe kein Fass ohne Boden werden. Die Verhandlungen zwischen den privaten Bankengläubigern und der Regierung in Athen über die Modalitäten des angepeilten Forderungsverzichts von 50 Prozent wurden fortgesetzt.

Finanzminister Evangelos Venizelos äußerte sich am Donnerstag über den Verlauf zwar vorsichtig, aber letztlich zuversichtlich nach einem Gespräch mit dem Geschäftsführer des Internationalen Bankenverbandes (IIF) Charles Dallara.

Bankenverband warnt: Die Zeit für eine Einigung wird knapp

Die Finanzbranche signalisierte dagegen größeres Skepsis. "Die Zeit für eine Einigung wird knapp", warnte der IIF. In den Gläubigergesprächen seien Schlüsselthemen weiter ungelöst. Die Verhandlungen sollen am Freitag in Athen fortgesetzt werden. In den nächsten Tagen müsse eine Lösung gefunden werden.

Griechenlands Finanzstaatssekretär Sachinidis bestätigte mit seinen Äußerungen Hinweise auf einen noch höheren Hilfsbedarf Griechenlands. Reuters hatte am Mittwoch berichtet, die Staaten der Währungsunion müssten wohl tiefer in die Taschen greifen, da die Verhandlungen über den freiwilligen Beitrag der privaten Gläubiger nicht so laufen wie erhofft.

Die Beteiligung der privaten Investoren ist eine Bedingung für das ursprünglich auf 130 Milliarden Euro veranschlagte zweite Rettungspaket von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF). Dabei wird ein Verzicht auf rund 100 Milliarden Euro angepeilt.

Der IWF erklärte am Donnerstag, eine Delegation des Fonds werde am kommenden Dienstag zu Unterredungen nach Athen kommen. Dann solle zusammen mit den europäischen Partnern über die Entwicklung debattiert werden.

Barroso: Es muss mehr getan werden

Für das klamme Land drängt die Zeit. Mitte März droht die Zahlungsunfähigkeit, der Staat muss dann Anleihen von knapp 15 Milliarden Euro zurückzahlen. Eine Einigung muss aber lange vorher stehen, da die Formalitäten allein mindestens sechs Wochen in Anspruch nehmen. Griechenlands Haushaltslage hat sich zuletzt verschlechtert: Trotz der jüngsten Krisensteuern weitete sich das Staatsdefizit im vergangenen Jahr um 0,8 Prozent auf 21,64 Milliarden Euro aus. Damit liegt die Regierung allerdings etwas besser als mit 21,7 Milliarden Euro in Aussicht genommen.

EU-Kommissionspräsident Barroso unterstützte Forderungen nach größeren Anstrengungen der Europäer, wie sie auch beim IWF und in den USA zu hören sind: "Ja, es muss mehr getan werden, was die Höhe der Schutzwälle angeht", sagte er. Zur Rolle der Europäischen Zentralbank erklärte er, er vertraue darauf, dass die EZB alles Notwendige tue, um die Finanzstabilität im Währungsraum zu sichern. Die EZB warne aber zu Recht, sie könne die Politik nicht von Haushaltsdisziplin entlasten.

Den unter Druck stehenden großen Euro-Länder Italien und Spanien gelang es, sich bei den ersten Anleihen-Auktionen im neuen Jahr Milliardensummen zu überraschend niedrigen Zinsen zu beschaffen. Spanien sammelte fast zehn Milliarden Euro ein, deutlich mehr als geplant, Italien zwölf Milliarden Euro.

la/reuters

Zur Startseite
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • deli.cio.us
  • Pinterest

© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH



Hintergründe, Artikel, Fakten

finden Sie auf den Themenseiten zu ...










Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarifvergleich:
Finden Sie den passenden Tarif
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Tablet Tarifvergleich:
Surfen Sie günstiger