Sonntag, 4. Dezember 2016

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Devisengroßmächte China forciert globalen Yuan-Aufstieg

Chaos in Europa, Aufschwung in China: Peking will Renminbi-Verbreitung forcierem

Chinas Attacke gegen den US-Dollar geht in eine neue Phase: Internationale Konzerne können in dem Riesenreich nun in chinesischer Währung investieren. Das könnte zum Steilpass werden für die beschleunigte globale Ausbreitung des Yuan. 

Hamburg - Noch geschieht es eher im Verborgenen, kaum beachtet von der Öffentlichkeit. Doch während alle Welt angstvoll auf die Schuldenkrise im Euro-Land starrt, wird die Weltkarte der Devisengroßmächte Strich für Strich geändert - und China führt die Änderung selbst herbei.

Begünstigt wird diese Veränderung durch die aktuelle Schwäche der Euro-Zone, gefördert von der Malaise des Dollar-Blocks. Erste Ergebnisse der Entwicklung sind bereits zu erkennen. Und die verläuft nicht zum Vorteil der alten Welt.

Die Volksrepublik vereinbart mit westlichen Notenbanken nicht nur immer öfter die gemeinsame Verwendung des Yuan, wie der Renminbi im Englischen meist genannt wird. Vor wenigen Tagen hat die Führung in Peking auch Regeln veröffentlicht, die ausländischen Firmen die Verwendung von Chinas Yuan bei Investitionen in der Volksrepublik erlauben. Seitdem explodiert der junge Markt für die Emission von Renminbi-Anleihen in Hongkong.

80 große Firmen, meist aus dem Westen, stehen in den Startlöchern, um 2012 die Ausgabe dieser sogenannten "Dim-Sum"-Anleihen auf 310 Milliarden Renminbi weiter nach oben zu treiben; das wäre eine erneute Zunahme des Emissionsvolumens um satte 35 Prozent verglichen mit dem aktuellen Stand. Doch diese Schätzung der Großbank HSBC Börsen-Chart zeigen dürfte sich schon in wenigen Monaten als zu vorsichtig erweisen, weil viele Banken mit der Erstellung neuer Emissionsprospekte kaum noch nachkommen.

Volkswagen Börsen-Chart zeigen wurde im Mai der erste ausländische Hersteller, der in Hongkong erfolgreich einen Dim-Sum-Bond platzierte und den Erlös in der Volksrepublik China in seine Expansion investierte. Der Coupon für den Bond betrug mit knapp über 2 Prozent nur ein Drittel der Zinsen, die der Autobauer für Bankkredite in der Volksrepublik hätte zahlen müssen. Die Volkswagen-Nachahmer stehen dann auch Schlange: Eine Umfrage der Londoner Anwaltskanzlei Allen & Overy unter 1054 global agierenden Firmen hat vorige Woche ergeben, dass jedes befragte vierte Unternehmen in den nächsten fünf Jahren den Markt für Dim-Sum-Bonds anzapfen will.

Weniger abhängig vom schwindsüchtigen Dollar

Ein weiteres Beispiel: Laut dem Bond-Experten Tee Choon Hong bei der Standard Chartered Bank in Hongkong hat das britische Geldhaus im laufenden Jahr bis zum 14. November bereits 45 Dim Sum-Bonds auf den Markt gebracht. Das sind mehr als die Bank in Yen, Dollar und Euro im ganzen Jahr in Asien arrangiert hat, ohne Japan. Der Chefökonom bei der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen für China, Ma Jun, schätzt sogar, dass der explodierende Markt für Renminbi-Bonds bis 2016 in Hong Kongs Bankgewerbe zusätzlich 30.000 Jobs schaffen wird.

China hat auch abseits dessen noch weitere große Vorteile von der rasanten Ausbreitung des Renminbi-Markte, und nicht zuletzt deshalb längst dem Dollar den Kampf angesagt: Es wird weniger abhängig vom schwindsüchtigen Dollar und begrenzt damit seine Verluste aus der Abwertung des Greenback, von dem es über 900 Milliarden Dollar in seinen Reserven hält. Außerdem stärkt die behutsame Aufwertung des Renminbi die Kaufkraft der Chinesen. Das wiederum macht China weniger abhängig von den Absatzmärkten des Westens, die ohnehin in eine Rezession abzugleiten drohen. Und China kann diplomatisch Punkte sammeln, weil es als krasses Überschussland im Außenhandel aktiv dazu beiträgt, Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft abzubauen.

Wegen des schwachen Yuan war US-Präsident Barack Obama am vergangenen Wochenende beim APEC-Gipfel in Hawaii der Kragen geplatzt. "Die USA und andere Länder sagen, genug ist genug", brach es aus Obama nach einem Treffen mit Chinas Staatspräsident Hu Jintao heraus. In Chinas Staatsmedien trug ihm das prompt eine heftige Retourkutsche ein. Obama mache China zum "Sündenbock", kommentierten staatliche Zeitungen und urteilten, Obama wolle ein Jahr vor der Präsidentenwahl China zu Wahlkampfzwecken "ausquetschen".

Doch bei Rhetorik lassen es die Chinesen nicht bewenden. Sie haben einen Großangriff auf den Greenback gestartet. Vor zwei Monaten vereinbarten sie mit Politikern und Geldmanagern in London, die britische Hauptstadt zum ersten westlichen Offshore-Zentrum für den Renminbi aufzubauen. Jetzt gibt es laut Analysten bei Barclays Capital schon Einzelhändler in Großbritannien, die chinesische Lieferanten mit Renminbi bezahlen.

"Das läuft erst seit ein paar Monaten", sagt Sam Ford, Geschäftsführer bei Barclays Börsen-Chart zeigen für das Management von Risiken. "Wenn sie in Renmibi bezahlen, können sie bessere Preise aushandeln", sagt Ford über die britischen Retailer. Und Chinas Lieferanten schalten ihr Wechselkursrisiko aus.

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